• MIERDA
    MIERDA
    KOPF DRAUF!
    12. Dezember 2017

     

    Kopf ab! hieß es noch jüngst in den vom IS besetzten Gebieten des Mittleren Ostens. Jetzt aber heißt es auf einmal Kopf drauf!, was mit dem Schlachtruf der psychotischen Mörderbande natürlich nicht das Geringste zu tun hat. Um es kurz zu machen: In den nächsten Wochen plant der italienische Neurochirurg Sergio Canavero die erste Kopf-Transplantation am lebenden Menschen. Wobei solch ein Eingriff aber auch erst einmal Kopf ab! bedeutet, wenn man ehrlich ist.

    Aber keine Angst! Canavero hat Großes vor mit den Menschen und will deren uralten Traum vom ewigen Leben endlich Wirklichkeit werden lassen. Die Botschaft lässt aufhorchen und wird diejenigen, die höllische Angst vor dem Tod haben und alles dafür gäben, nicht das Zeitliche segnen zu müssen, sicher im Herzen erleichtern. „Viel zu lange hat die Natur uns ihre Regeln diktiert“, erklärt der mitfühlende Heilsbringer. „Wir werden geboren, wir wachsen, wir altern und wir sterben. Diesen fatalen Kreislauf gilt es zu durchbrechen. Der Mensch muss sein Schicksal wieder in seine eigene Hand nehmen.“

    Was Canavero mit „wieder“ meint, bleibt nebulös. Sein Ziel hingegen ist glasklar und neurotechnologisch bis ins Detail durchkomponiert. Die vorbereitenden Experimente sind schon weit fortgeschritten. Vor wenigen Wochen ist es ihm und seinem Team bereits gelungen, eine Kopf-Transplantation an einer Leiche durchzuführen. Die 18stündige Operation erfolgte an der Harbin Medical University in China, womit Canavero nach eigenem Bekunden bewiesen hat, einen menschlichen Kopf mit Nerven, Wirbelsäule und Blutbahnen eines anderen Körpers verbinden zu können. Im definitiven Fall (also jetzt im Dezember) soll das Rückenmark mit einem glatten Schnitt durchtrennt und der Nervenstrang des Kopfes mithilfe von Polyehtylenglykol (PEG) - eine Art Kleber für Nervenfasern - mit dem des Spenderkörpers verbunden werden. „Die beiden Enden des Rückenmarks ähnelten zwei dicht gepackten Bündeln Spaghetti, die mithilfe von PEG dazu angeregt werden sollen, sich zu verbinden, ähnlich wie heißes Wasser trockene Spaghetti zusammenkleben lässt“, schreibt die ÄrzteZeitung dazu.

    Der Coup soll einem Patienten mit chronischer Muskeldystrophie oder Querschnittslähmung zugute kommen, ihn von seinem moribunden, dem sicheren Tod geweihten Körper befreien, um ihm (und seinem gesunden Kopf) ein neues Leben zu schenken. Der 30 Jahre alte russische Programmierer Waleri Spiridonow, dem der Eingriff eigentlich gelten sollte, hat aus unerfindlichen Gründen abgesagt. Er sitzt im Rollstuhl und leidet an schweren körperlichen Verformungen. "Ich weiß, dass ich sterben kann. Aber ich mache keinen Rückzieher mehr", sagte Spiridonow noch vor wenigen Wochen. „Ich brauche einen neuen Körper. Niemand kann sich vorstellen, wie es ist, mit diesem zu leben. Ich habe nicht mehr viel Zeit und will der Erste sein. Du fühlst dich wie der Held eines Science-Fiction-Romans, fast so, als würdest du in den Kosmos fliegen.“

    Spiridonow leidet seit seiner Kindheit unter der Krankheit Morbus Werdnig-Hoffmann, eine Krankheit, die den irreversiblen Schwund von Muskeln, Gewebe und Organen bewirkt. Warum er jetzt aber so überraschend abgesprungen ist, verrät Spiridonow nicht. Offenbar will er nun doch nicht mehr durch den Kosmos fliegen. Aber damit hat Canavero kein Problem, eine „hohe Zahl“ an Freiwilligen  habe sich bereits gemeldet, die allesamt aus China stammen, lässt er die Welt wissen. Und in China soll der spektakuläre Eingriff auch stattfinden, wo Canavero sich mit Ren Xiaoping zusammengetan hat, einem chinesischen Superspezialisten für Kopf-Transplantationen, der diese bislang zwar nur an Tieren, aber immerhin an mehr als 1.000 Mäusen und einem Affen durchgeführt hat, wobei er den Affenkopf zwar problemlos mit dem Blutkreislauf eines Primatenkörpers zu verbinden wusste, am Rückenmark jedoch scheiterte. Der Affe blieb gelähmt und musste aus ethischen Gründen eingeschläfert werden. Jetzt aber stehtCanavero mit all seiner Erfahrung an Leichen Xiaoping zur Seite - ein visionäres Kopf-Transplantations-Dream-Team, das dem Tod den Kampf angesagt hat. Der ultimative Eingriff soll 10 Millionen Dollar kosten, etwa 36 Stunden dauern, und 150 Ärzte und Schwestern erfordern.

    Soweit es sich überblicken lässt, hat Canavero alles im Griff. So wird er einen Kopf natürlich nicht immer wieder transplantieren, schließlich altert auch dieser wie der Körper, auf dem er steckt. Aber Canavero weiß zu beruhigen: „Bei der heterochronen Parabiose (= das Zusammenfügen der Gewebe zweier Organismen mit unterschiedlichem Alter) tritt ein interessantes Phänomen auf“, erklärt er. „Wenn älteres Gewebe jüngerem ausgesetzt wird, verjüngt es sich. Aus Tierversuchen wissen wir, dass wenn wir einen alten Kopf auf einen jungen Körper pflanzen, das Gehirn verjüngt wird. Wenn man den Kopf eines 80-Jährigen auf den Körper eines 20-Jährigen verpflanzt, wird die Verjüngung nicht so stark sein, dass das Gehirn biologisch wieder 20 ist. Das Ergebnis wird irgendwo in der Mitte liegen. Das reicht aber vollkommen aus. Außerdem wollen wir im Projekt HEAVEN (was leider nicht „Himmel“, sondern nur „head anastomosis venture“ bedeutet), das Gesicht eines jungen Spenders verwenden und so dem Kopf ein jüngeres Aussehen verleihen.“ Darüber hinaus wäre es ästhetisch ohnehin am besten die Haut des Kopfes unter den Schlüsselbeinen zu durchtrennen und somit hässlichen Halsnarben vorzubeugen.

    Dem Kopf schwindelt - schon sieht er sich abgetrennt zwischen den Körpern schweben, mit unzähligen zu Boden hängenden Schläuchen, die ihm aus dem Halsansatz hervorquellen und künstlich am Leben erhalten, den ehemaligen Körper im Nacken und den anderen, ihm völlig fremden unmittelbar vor sich, aufrecht in einer Art Zahnarztstuhl festgezurrt und kopflos auf ihn wartend. Welcher Kopf weiß da schon, was auf ihn zukommt, wenn er auf diesen Torso platziert wird? Schließlich ist der Körper die Landschaft der Gefühle, wie der Hirnforscher António Damasio erklärt, das Gehirn hingegen absolut gefühllos und auf den Körper angewiesen, wenn es Gefühle haben will.

    Folglich ist es überaus riskant, einen nichtsahnenden, seiner Gefühle beraubten Kopf auf einen ihm völlig unbekannten Körper zu pflanzen, der ihn augenblicklich mit seinen wildfremden Gefühlen überschwemmt, die dem Kopf schwallartig zu Kopfe steigen, ohne dass er - der Hilf- und Gefühllose – auch nur die geringste Chance hätte, sich dieser die Sinne raubenden Attacke erwehren zu können, hin- und hergerissen zwischen eigenen Gedanken und fremden Gefühlen - ein Zustand, der rasch zum Wahnsinn führen kann.

    Canavero aber relativiert: „Die Neuroplastizität erlaubt dem Gehirn, sich an mechanische Arme zu gewöhnen. Das Gehirn akzeptiert eine Prothese als Teil des Körpers und kann sie ohne Probleme steuern, ohne dass der Träger wahnsinnig wird. Es gab einen Fall, bei dem es nach einer Handtransplantation zur psychischen Abstoßung gekommen ist. (Clint Hallam, dem ersten Mann, der eine neue Hand erhielt, musste diese gut zwei Jahre darauf wieder abgenommen werden, weil er die Gliedmaße eines Verstorbenen nie als seine eigene akzeptierte.) Seither wissen wir, dass psychologische Langzeitbetreuung wichtig ist, um die Integration ins Körperbild des Patienten zu unterstützen. Wir werden unsere Patienten schon lange vor der Operation mit VR-Brillen an einen neuen Körper gewöhnen. Auch Hypnose werden wir einsetzen.“ Dennoch gäbe es letztlich keine hundertprozentige Sicherheit, nach einer Kopf-Transplantation nicht doch an einer Psychose zu erkranken, räumt Canavero überraschend ehrlich ein. Aber er sei da zuversichtlich.

    Doch Vorsicht: Mit dem nicht hundertprozentig auszuschließenden Fall, dass ein Kopf nach gelungener Transplantation das Gefühl nicht loswird, auf dem Körper eines Verstorbenen zu sitzen, wird Canavero bei seinen Schützlingen nur unnötige Nervosität provozieren. Vielleicht ist das ja der Grund, warum Spiridonow ihm absagte?

    Dabei gäbe es eine denkbar einfache Lösung, um eine Psychose oder gar seelische Abstoßungsreaktion (Kopf wehrt sich gegen Körper oder Körper gegen Kopf) zu verhindern: Diese widerspräche zwar dem gängigen Transplantationsgesetz, demzufolge der Empfänger die Identität des Spenders nicht kennen darf, wobei die Frage, ob es sich bei einer Kopf-Transplantation denn wirklich um eine Transplantation im herkömmlichen Sinne handelt, allerdings erlaubt sein muss, schließlich ist der Empfänger nachgerade gezwungen, seinen Spendenkörper nach gelungenem Eingriff kennenzulernen, ob er das nun will oder nicht! Folglich wäre es höchst ratsam, Kopf und Körper vor dem für beide so entscheidenden Eingriff schon einmal zusammenzuführen und abzuwarten, ob beide nun miteinander können, oder nicht - neue Methoden erfordern eben auch neue Gesetze. Canavero wird sich doch hoffentlich keinem Shitstorm aussetzen wollen, wenn ihm der Eingriff zwar gelungen, der Patient aber in die Klapse abgewandert wäre.

    Die Bedeutung eines solchen Treffens sollte Canavero unter keinen Umständen auf die leichte Schulter nehmen, schließlich hängt zu viel von diesem ab. In jedem Fall sollte er dafür Sorge tragen, dass das Rendezvous zwanglos vonstatten geht - ein entspanntes tête-à-tête zu arrangieren, wird doch auch für einen Kopftransplanteur nicht allzu kompliziert sein! Canavero selbst sollte sich da um Gottes willen persönlich erst einmal heraushalten, schließlich ist er als Initiator der ganzen Sache viel zu befangen. Er könnte sich noch um Kopf und Kragen reden, wenn er beispielsweise versuchte, einen Kopf dazu überreden zu wollen, es doch mit dem Körper zu versuchen, obwohl der erklärtermaßen nicht will. Erst recht sollten keine Psychologen vor Ort sein. Der falsche Druck, den solche Herrschaften auf die Gefühlslage ihrer Probanden ausüben, würde den Körper nur verwirren und im Kopf Unheil stiften, so viel ist sicher.

    Vielleicht wäre es am Schlauesten Kopf und Körper sich wie zufällig treffen zu lassen - wohlwollend in deren Rücken eingefädelt. Denn dann würde sich ohne Umschweife und großen Aufwand rasch herausstellen, ob sich beide nun riechen können oder auf Anhieb höchst unsympathisch finden und Abstand halten. Canavero sollte dem Instinkt seiner Köpfe und Körper vertrauen, sonst wird aus der von ihm geplanten Vereinigung nichts. Im Leben lässt sich nichts erzwingen – mein Gott. Das muss der Mann doch wissen!

    Erst im Falle eines eindeutig positiven Ergebnisses sollte Canavero die Szene betreten. Dann aber nicht als genialer Chirurg, sondern tapfer in der Rolle des profunden Menschenkenners, der die Fäden zusammenzuhalten weiß. So könnte er in letzter Sekunde beispielsweise noch herausfinden, dass der Kopf trotz all’ seiner überschwänglichen Sympathiebekundungen in Wahrheit nur deshalb auf den Körper scharf ist, weil der ein Sixpack hat. Der Ahnungslose würde sich später zu recht missbraucht fühlen und eine Hyperakute seelische Abstoßungsreaktion gegen seinen verlogenen Kopf vom Zaun brechen - im Gegensatz zu diesem hat der Körper ja immerhin Gefühle.

    Vielleicht aber wäre es am allerbesten wenn Canavero zunächst auf Sicht fahren und den Kopf mit einem intelligenten Maschinenkörper verbinden würde? Dank dessen algorithmischer Intelligenz käme es so zu einem  permanenten Abgleich der Gedanken und Gefühle, weil die Körpermaschine dem Kopf nur solche Gefühle präsentieren würde, die wirklich zu ihm und seinen noch so absonderlichen Gedanken passen.

    Canavero aber wehrt ab, offenbar hält er nichts von derartigen Überlegungen: „Derzeit arbeiten mindestens zwei Firmen in den USA daran, einen Kopf oder ein Gehirn in oder auf einen kybernetischen Körper zu verpflanzen, um das Gehirn mit Nährstoffen zu versorgen. Aber das ist nicht der Weg in die Zukunft, weil die Verjüngung des Gehirns fehlt", hält er dagegen. „Das kann nur funktionieren, wenn auch das Blut jüngerer Personen einen Verjüngungseffekt erzielen könnte. Das wissen wir derzeit aber nicht. Das langfristige Ziel ist es, die Lebensspanne des Menschen zu verlängern. Dazu braucht es allerdings auch Fortschritte im Bereich der Klontechnologie. Dann können wir Unsterblichkeit erreichen, indem wir Köpfe auf geklonte Körper verpflanzen.“

    Ein geklonter Körper – vielleicht wäre ein solcher die Lösung für das vertrackte Problem? Dann träfe der Kopf nach geglücktem Eingriff wieder auf seinen ursprünglichen, jetzt aber geklonten und darüber hinaus völlig verjüngten Körper, eingebettet in eine ihm völlig vertraute Gefühlslandschaft, die ihm wieder seine Seele gäbe. Der Kopf würde sich fühlen wie früher und so, als sei gar nichts gewesen - kein Wunder, dass Canavero von dieser Idee begeistert ist.

    Was ist eigentlich aus dem Klonen geworden? Seit DOLLY ist es still geworden um die einst so heiß diskutierte Methode? „Das Schaf Dolly (* 5. Juli 1996 in Roslin (Midlothian); † 14. Februar 2003) war ein walisisches Bergschaf und das erste aus einer ausdifferenzierten somatischen Zelle geklonte Säugetier“, erinnert uns Wikipedia, nennt aber leider nicht die Ruhestätte des tapferen Klonschafs, an der friedfertig zu demonstrieren es höchste Zeit wäre, um Industrie und Forschung gehörig den Marsch zu blasen, sich endlich ums Klonen von Menschenkörpern zu kümmern und Canavero und Xiaoping zur Seite zu stehen, schließlich geht es jetzt nicht mehr ums Tier, sondern um uns und unser verdammtes Leben!

    Bis dahin aber heißt es sich gedulden und die Zähne zusammenbeißen – es sei denn, es kommen doch noch frohe Botschaften aus China, sollte Canavero die Ratschläge befolgen.

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  • TEXTE
    MUSIK
    SOMNIUM SCIPIONIS
    VOM URSPRUNG DER MUSIK
    13. November 2017

    Gravitationswellen existieren! Einstein hatte mit seiner Annahme recht, der er anlässlich eines Vortrags am 22. Juni 1916 in der Preußischen Akademie der Wissenschaften Ausdruck verlieh, ergäben sich diese doch direkt aus der von ihm entwickelten Allgemeinen Relativitätstheorie.

    Die Entdecker, Rainer Weiss, Kip Thorne und Barry Barish, fingen die Gravitationswellen von zwei verschmelzenden Schwarzen Löchern mit LIGO-DETEKTOREN (Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatories in Hanford, Washington, und Livingston, Louisiana) und Dank der über Tausend am Experiment beteiligten Forscher erstmals am 14. September 2015 ein, und erhielten für diese bahnbrechende Entdeckung gerade den Physiknobelpreis. Eine neue Ära der Astrophysik ist angebrochen: Laut Karsten Danzmann, der am Detektor GEO600 nahe Hannover die Suche nach Gravitationswellen leitet, „ging es den Forschern bei ihrer Suche um mehr, als deren bloße Existenz nachzuweisen. Sie wollten Gravitationswellen direkt messen, weil sie sich davon einen neuen Zugang zum Kosmos versprechen. Man kann das Universum so nicht nur sehen, sondern auch hören.“ Über 99 Prozent des Universums seien dunkel und entzögen sich somit der direkten visuellen Beobachtung, so Danzmann lapidar, „aber alles unterläge der Schwerkraft.“ Trotz allem aber ist es eine Sensation, die Gravitationswellen nicht nur nachgewiesen, sondern auch hörbar gemacht zu haben. Es jagt einem den Schauder über den Rücken, wenn man den Aufnahmen im Internet lauscht.

    Wie aus dem Nichts ist da zunächst ein tiefes Brummen, das allerdings rasch anschwillt, sich währenddessen mit einem gewagten Glissando in die Höhe schwingt, und mit einem sich überschlagenden Impuls urplötzlich endet. Stille. Dann wieder das Brummen, das waghalsige Glissando und juchzende Ende – CHIRP. So nennen die Astrophysiker den Klang der Gravitationswellen, der in der Tat an das Zirpen oder Zwitschern eines Vogels erinnert. Mit unfassbarer Geschwindigkeit jagen die Wellen periodisch durchs All und lassen es erzittern. Pulsartige  Transversalwellen, die – ganz im Gegensatz zu Schallwellen – nirgendwo abprallen, hingegen alles durchdringen, was ihnen in die Quere kommt und es dehnen und stauchen, dass die Raumzeit zittert. Gravitationswellen ebben nie ab. Einmal ausgelöst, verschwinden sie nie wieder aus dem kosmischen Raum. Alle, die jemals erzeugt wurden, sind heute noch da – Zeugnisse Hunderte von Millionen Lichtjahren entfernter Ereignisse irgendwo im Kosmos, die sich Ewigkeiten vor unserer Zeitrechnung zutrugen wie die Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher oder zweier Neutronensterne zum Beispiel. CHIRP!

    Wen wundert es da, wenn die Forscher der beiden LIGO-DETEKTOREN, die aufgrund ihrer Disziplin ein ganz anderes Raumbewusstsein haben als der Normalbürger, mächtig ins Schwärmen gerieten, da sie endlich die Musik ihrer Träume hören konnten wie die Presseaussendung des Stockholmer Nobelpreiskomitees die Welt wissen ließ. Schon 1993 hatte Kip Thorne in seinem Buch Black Holes & Time Warps die Gravitationswellen als Musik beschrieben: „Diese Kräuselungen der Raumzeit lassen sich mit den Schallwellen einer Symphonie vergleichen. So wie die Symphonie in den Modulationen der Schallwellen verschlüsselt ist, enthalten die Modulationen der Gravitationswellen, die in einem wilden Crescendo münden, die Geschichte der verschmelzenden Schwarzen Löcher.“                                                                                               

    Kip Thornes Anschauung mag versponnen oder gar verrückt erscheinen, wäre der Physiker nicht ganz offenkundig völlig bei Sinnen, was der Blick in seine Biographie beweist: Born June 1, 1940, Thorne is an American theoretical physicist and Nobel laureate, known for his contributions in gravitational physics and astrophysics. A longtime friend and colleague of Stephen Hawking and Carl Sagan, he was the Feynman Professor of Theoretical Physics at the California Institute of Technology (Caltech) until 2009 and is one of the world's leading experts on the astrophysical implications of Einstein's general theory of relativity. He continues to do scientific research and scientific consulting, most notably for the Christopher Nolan film Interstellar.

    Mit seiner tief gründenden Empfindung, das Universum klänge wie Musik, steht Thorne in uralter Tradition der astronomischen Wissenschaftsgeschichte. Und womöglich ist diese Empfindung so alt wie die Musik selbst und aufs Engste mit ihr verbunden. Und noch heute würde kein wirklich engagierter Musiker bestreiten, dass der Musik auch eine kosmische Dimension innewohne. Selbst in den trivialsten Ausformungen dieser Anschauung wie in Gustav Holst Die Planeten, die mit der Tür ins Haus fallen und auf der Sache herumreiten, ist diese Faszination noch spürbar. Musik weitet den Raum ins Grenzenlose, in dem man sich aufzulösen glaubt.

    Das älteste bislang aufgefundene Instrument ist eine etwa 35 000 Jahre alte FLÖTE, ausgegraben im Sommer 2008 in einer Höhle auf der Schwäbischen Alb. Gefertigt aus der Speiche eines Gänsegeierflügels, also von Natur aus hohl und mit zum Atmungsorgan des Vogels gehörend. Die Töne des vorzeitlichen Flötenspielers scheinen Flügel zu besitzen und tirilierend hoch in den Himmel emporzusteigen – CHIRP. Vielleicht auch, um sich den kosmischen Harmonien anzuschließen und sich von ihnen davontragen zu lassen – ganz Ohr den sphärischen Klängen gegenüber und gespielt mit hörendem Herzen, dem geistigen Ohr.

    Es ist kein Zufall, dass hören und fühlen so nah beieinander liegen“, schreibt der Astrophysiker Bruno Binggeli. „Unser Gehör besitzt eine Eigenschaft, die es unter allen Sinnesorganen besonders auszeichnet: Wir können verschiedene Töne – akustische Schwingungen der Luft verschiedener Frequenzen – zusammen und dennoch separat hören. Tonfrequenzen vermischen sich nicht. Ganz anders unser Sehsinn: Wir können nicht, sagen wir, rot und grün (die Farben entsprechen verschiedenen Wellenlängen des Lichts) an derselben Stelle – als separate Farben – sehen. Farben vermischen sich, rot und grün zusammen empfinden wir als braun. Ein hoher Ton und ein tiefer Ton dagegen verschmelzen nicht zu einem mittleren Ton, wir hören beide gleichzeitig. Wenn wir von einem Zusammenspiel von Farben sagen, es sei schön (wie auch immer wir dieses Schönsein definieren), so ist es doch ein räumliches Nebeneinander der Farben, das wir empfinden. Bei Tönen gibt es nicht nur ein zeitliches Nacheinander, sondern auch ein zeitliches Miteinander, einen Zusammenklang, den wir als harmonisch, oder auch als disharmonisch empfinden können. Dies verschafft dem Hörsinn eine Unmittelbarkeit und Intensität, und deswegen auch eine psychische Wirksamkeit, die mit nichts vergleichbar ist. Darin wurzelt mithin die große Macht der Musik über unsere Gefühle. 

    Was macht nun, dass wir diesen Klang als harmonisch empfinden, jenen aber als disharmonisch? Worin unterscheidet sich das Zusammenspiel der Töne? Es sind die Zahlenverhältnisse der Tonfrequenzen, die das bestimmen. Dieser Zusammenhang – zwischen Wohlklang und ganzzahliger Proportion – geht zurück auf eine Entdeckung des sagenumwobenen griechischen Philosophen Pythagoras im 6. Jh. v. Chr. Das klassische Experiment benutzt das sog. MONOCHORD, ein Instrument mit nur einer Saite. Zupft man diese Saite an, so erklingt ein Grundton. Wird die Saite auf genau halber Länge festgehalten, erklingt ein Ton, der um genau eine Oktave höher liegt und mit dem Grundton harmoniert. Fixiert man die Saite an andern Punkten, die einfachen Bruchteilen ihrer Gesamtlänge entsprechen, so können weitere harmonische Töne erzeugt werden: die Quinte bei 2:3, die Quarte bei 3:4, die große Terz bei 4:5 – so kriegt man die “Obertöne” der Saite.

    Wo immer man in der Außenwelt ganzzahlige Verhältnisse vorfand, durfte man folglich – ausgehend von diesem Urexperiment mit dem MONOCHORD – auch umgekehrt verfahren und sich im Geiste eine unterliegende musikalische Harmonie vorstellen, oder allgemeiner: Quantitatives als etwas Qualitatives erleben. Und wo vor allem stieß – und stößt man noch immer – in der Außenwelt auf solche schönen Zahlenverhältnisse? Natürlich am gestirnten Firmament. Es sind die ewig gleichen Bewegungen der Himmelskörper, von Sonne, Mond und Sternen, die unserem Leben den festen Rhythmus von Tag, Monat und Jahr aufprägen. Hier fand die pythagoreeische Zahlenlehre ihren natürlichen Gegenstand, hier drängte sich eine erste mathematische Durchdringung der Wirklichkeit auf; Astronomie ist deshalb auch die älteste Wissenschaft.

    In Pythagoras’ geozentrischem Weltbild ruht die kugelförmige Erde im Zentrum. Um sie herum schließen sich, so ähnlich wie bei einer Zwiebel, konzentrisch acht kristalline Kugelschalen an, und in diesen befinden sich die sieben Planeten, zu denen man auch Sonne und Mond zählte. Es sind die Kugelschalen, die sich um die Erde drehen; die äußerste Schale mit den Fixsternen dreht sich mit einer Umdrehung pro Tag am schnellsten. Die inneren Sphären mit den Planeten drehen sich von außen nach innen, bzw. von oben nach unten immer langsamer, bis zur stillstehenden Erde!

    Pythagoras stellte sich nun vor, dass die Sphären klängen und für die Umdrehungsgeschwindigkeiten und/oder die Abstände der Himmelssphären ganzzahlige Verhältnisse gelten würden, so dass das ganze Himmelsgebilde – indem sich die Tonhöhe, in Analogie zur Saitenschwingung (eines Monochords), aus der Geschwindigkeit oder aus dem Abstand einer Sphäre ableiteten – einen harmonischen Zusammenklang erzeuge (griechisch: symphōnía). Auch in Pythagoras’ Begriff des Kosmos spiegelt sich die ästhetische Seite des Weltganzen, denn Kosmos heißt sowohl Ordnung als auch Schmuck. Der ganze Kosmos als Instrument, als wohlklingende Weltordnung – das ist die Idee der SPHÄRENMUSIK.“ (Bruno Binggeli, Sphärenmusik – das Unhörbare hören.)

    Das Stupende an Pythagoras’ Idee ist das ruhige und ausgleichende Grundgefühl den Dingen gegenüber, das in ihr zum Ausdruck kommt. Denken und Empfinden durchdringen sich gegenseitig und schwingen in Harmonie. So wie das Weltall in Musik. Was die Sinne stimuliert wird im Geiste zur Gestalt. Und was das Denken animiert, verleiht den Sinnen Anschauung.

    Pythagoras war von der Kugelform der Erde überzeugt. Die Sphäre galt ihm als die mathematisch vollkommenste Form. Für seinen Zeitgenossen Thales von Milet hingegen blieb die Erde eine Scheibe, die im unendlichen Ozean schwamm. Damit entsprach er der herrschenden Auffassung der Religion, die unwidersprochen sein sollte.

    Pythagoras gewann seine Überzeugung durch geistige Imagination. Thales untermauerte eine Doktrin, ohne sie zu hinterfragen. 200 Jahre später beobachtete Aristoteles eine Mondfinsternis und sah den runden Erdschatten durch das Mondlicht ziehen. Er wusste, nur eine Kugel wirft in jeder Stellung einen kreisförmigen Schatten.

    2:3, 3:4, 4:5 – „die Pythagoreer beschäftigten sich zuerst mit der Mathematik, förderten sie, und so in sie hineingewachsen, hielten sie die mathematischen Prinzipien für die Prinzipien alles Seienden. Und in den Zahlen die Eigenschaften und Gründe der Harmonie erblickend, da ihnen das andere seiner ganzen Natur nach den Zahlen nachgebildet erschien, die Zahlen aber als das Erste in der ganzen Natur, so fassten sie die Elemente der Zahlen als die Elemente aller Dinge auf und das ganze Weltall als Harmonie und Zahl.“ (Aristoteles. Metaphysik, I, 5).

    Angesichts solch allumfassender Harmonie muss es den Pythagoreern unsagbar leicht ums Herz gewesen sein. Durchdrungen von einem ganzheitlichen Lebensgefühl, das ihnen eine erstaunliche Gelassenheit der Welt und ihren Erscheinungen gegenüber schenkte. So waren sie auch die ersten, die sich der reinen Mathematik hingaben – der absolut zweckfreien und streng wissenschaftlichen Erforschung ihrer Funktionen und Gesetzmäßigkeiten. Die Ruhe, die sie dazu befähigte, verdankten sie ihrer inneren Gewissheit der harmonischen Kongruenz allen Seins, schwingend in Mathematik und Musik.

    Da erstaunt es auch nicht, dass die Pythagoreer von einer unsterblichen Seele göttlichen Ursprungs überzeugt waren, deren Aufgabe es sei, beizeiten in ihre kosmischen Gefilde zurückzukehren, um dort Erfüllung zu finden und aufzugehen. So sahen sie in der Natur beileibe keine abstrakten Zahlenverhältnisse wirken, wie Vorurteile vermuten, sondern kraftvolle Energien, die das All in einzigartiger Harmonie strukturierten und in mathematischen Proportionen zum Ausdruck kämen. Eine beseelte Kosmologie, die in Ciceros SOMNIUM SCIPIONIS besonders eindrücklich veranschaulicht wird.

    In diesem Traum findet sich der römische Feldherr und Staatsmann Scipio Aemilianus völlig unvermittelt im Weltall wieder. Auf der Milchstraße, der Heimstatt der Seelen. Dort trifft er auf seinen Großvater, Publius Cornelius Africanus, und seinen ebenso verstorbenen Vater, Lucius Aemilius Paullus. Vor seinen ungläubigen Augen offenbart sich der gesamte Kosmos in all seiner Herrlichkeit mit der ihm eigenen Ordnung und Struktur – genau so, wie Pythagoras ihn beschrieben hatte: Majestätisch kreisen die Planeten im Klang ihrer ewigen Bewegung, sphärische Töne erzeugend, die der Ursprung aller Musik sind wie ihm erklärt wird.

    Inmitten des tönenden Geschehens blickt Scipio auf die winzige Erde hinunter, auf der die Menschen auf der unteren Seite kopfüber gehen, während Scipios Großvater ihm die Zukunft prophezeit, unter anderem auch die erfolgreiche Belagerung und Zerstörung Karthagos der von ihm befehligten Heerscharen. Der Ruhm aber, den er erlange, sei nur von geringer Dauer und überstehe kein Weltenjahr. Scipio dürfe weder auf das Gerede der Masse hören noch von irgendjemanden menschlichen Lohn erwarten. Der Körper halte die Seele gefangen und nur die lebten wirklich, die schon gestorben seien.

    Ein Traum vom Sein in kosmischer Musik. – Und auch heute noch scheint der Kosmos voller Musik, zumindest wenn man den Astrophysikern Glauben schenken darf. In seinem Buch Das elegante Universum, schreibt Brian Greene im Kapitel KOSMISCHE SYMPHONIE. NICHTS ALS MUSIK: DIE GRUNDLAGEN DER STRINGTHEORIE: „Seit langem schon dient die Musik den Philosophen und Naturforschern, die sich über die Rätsel des Kosmos den Kopf zerbrechen, als Lieblingsmetapher. Von den ‚Sphärenklängen’ der Pythagoreer im antiken Griechenland bis zu den ‚Harmonien der Natur’, die Jahrhunderte lang das Leitmotiv der Forschung waren – immer wieder haben wir im majestätischen Gang der Himmelskörper wie im ausgelassenen Treiben der subatomaren Teilchen das Lied der Natur gesucht. Mit der Entdeckung der Superstringtheorie gewinnen diese musikalischen Metaphern eine verblüffende Realität, denn die Theorie geht davon aus, dass die mikroskopische Landschaft mit winzigen Saiten – den Strings – gefüllt ist, aus deren Schwingungsmustern die Evolution des Universums komponiert ist. Nach der Superstringtheorie bringt der Wind der Veränderung das ganze Universum wie eine riesige Äolsharfe zum Klingen!“

    Ist die Äolsharfe aber wirklich nur eine euphorische Metapher für die prinzipiell unhörbaren Klänge des Universums? Oder sind deren Töne nicht doch zu hören, zumindest bei außerordentlicher Begabung? Wohlgemerkt, auch die LIGO-Physiker übersetzen das CHIRPEN der Gravitationswellen in Schall, damit sie hörbar werden. Und auch die im Universum allgegenwärtigen Schwingungsfrequenzen wie das Trillern der Pulsare und Säuseln der Quasare, das Pulsieren der Sterne oder Brummen Schwarzer Löcher entziehen sich der akustischen Wahrnehmung und werden von Astrophysikern lediglich in hörbare Tonbereiche transformiert, um diese Phänomene sinnlich erfahrbar werden zu lassen.

    Pythagoras hingegen wurde die Fähigkeit, die Sphärenmusik tatsächlich hören zu können, von manchen seiner Zeitgenossen nachgesagt. Dies stellten sie sich ganz naturalistisch vor: Da schnelle Bewegungen großer Körper auf der Erde heftige Geräusche verursachen würden, würde dies erst recht für die viel größeren und schnelleren Himmelssphären gelten, lautete die Erklärung. Ganz ähnlich verhält es sich übrigens auch mit Gravitationswellen, die durch die Beschleunigung von Massen entstehen und sich mit Lichtgeschwindigkeit im Universum ausbreiten. Je stärker die Beschleunigung oder je größer die Masse, desto intensiver die Wellen.

    Dass viele andere die Sphärenklänge nicht wahrnehmen würden, begründeten die Pythagoreer mit einer überraschend plausiblen Erklärung: Die Sphären erklängen ja ununterbrochen, so dass der Kontrast zur Stille fehle. Dem pflichtete Cicero, der ein großer Bewunderer der pythagoreischen Kosmologie war, Jahrhunderte später bei: Den Menschen erginge es nicht anders als denjenigen der Nilkatarakte, behauptete er, denn beim ständigen Lärm des Wassers würden sie diesen nicht bemerken können. Seiner Überzeugung nach hatte Pythagoras der Menschheit die Sphärenmusik offenbart, weil er sie – wie nur ganz wenige – tatsächlich hätte hören können. Wer Ohren hat, der höre! – AHNUNG UND GEGENWART.

    Eine solche Ahnung, die ihn von frühauf an die Musik fesselte, scheint auch den Physiker Rainer Weiss , den ältesten der drei Gravitationswellen-Physiknobelpreisträger, schon als Knabe durchdrungen zu haben. Lange bevor er als Erwachsener endlich sagen konnte, warum? Als der Sechsjährige, der mit seiner Familie vor den Nazis in die Tschechoslowakei geflohen war, anlässlich einer Radioansprache Churchills ein großes Symphonieorchester spielen hörte, „war er zutiefst fasziniert von der Technologie, die auch die klassische Musik ferner Orchester auf wundersame Weise übertragen kann. Als Zwölfjähriger, nach der Flucht aus Europa, baute Weiss selbst Verstärker für Radios und Hi-Fi-Anlagen und verkaufte sie an andere Immigranten in New York. Als Student verliebte sich der gebürtige Berliner schließlich in eine deutlich ältere Klavierlehrerin.“ (Robert Gast. Der Klang der Sterne. Spektrum der Wissenschaft)

    Musik mithilfe Technologie! Das ist die große Faszination, die den späteren Physiker schon als Kind in den Bann zieht. Als der Sechsjährige ein Symphonieorchester zufällig im Radio spielen hört, kommt er spontan auf die Idee, diese eindrucksvolle Musik, wenn sie denn irgendwo auf der Welt ertönt, mithilfe technischer Mittel jedem zu Gehör zu bringen, egal wo sich dieser gerade auf dem Erdenrund befindet. Die Musik, die das Kind so fesselt, soll jeder hören können! Die wahre Dimension seiner Idee aber, die erst Jahrzehnte später, und dann in völlig unerwartbarer Form zur Vision des Physikers werden wird, bleibt dem Kind naturgemäß verborgen. Es wird lange dauern, bis sich ihm die Gründe endlich erschließen und er die Nuss knacken wird – gut Ding will Weile haben.

    „In der Hoffnung, die Klangqualität von Schallplattenspielern zu verbessern, beginnt er am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ein Studium der Elektrotechnik, ist aber enttäuscht, dass es darin vor allem um Kraftwerke ging. Also wechselt er in den Studiengang Physik des Colleges – angeblich, weil dieser die geringsten Zugangshürden aufwies. Als Weiss der Klavierlehrerin nach Chicago hinterherläuft, bricht er sein Studium ab. Erst nach seiner Rückkehr an die Ostküste besinnt er sich wieder auf seine Technikleidenschaft. Für zwei Jahre arbeitet er als Labortechniker im berühmten Bostoner "Plywood Palace". Einem ehemaligen Weltkriegslabor, in dem Generationen von Physikern ihre kreativen Ideen verwirklichten. Der Atomphysiker Jerrold Zacharias fördert den jungen Tüftler, der 1955 seinen Bachelorabschluss nachholt und schließlich den Sprung in ein Promotionsprogramm schafft. Schließlich wird Weiss Physikprofessor am MIT, muss aber lange um seine Entfristung bangen, weil er es nicht einsieht, regelmäßig Fachartikel zu veröffentlichen.“ (Robert Gast)

    Der Physiker taumelt orientierungslos durchs Leben. Seine Idee, die ihn als Kind so leidenschaftlich bewegte, ist ihm abhanden gekommen, zusammengeschnurrt auf den kommerziellen Gedanken, die Klangqualität von Schallplattenspielern zu verbessern, so als läge seine Zukunft in der Phonoindustrie. Lustlos wirft er bald hin und macht planlos weiter. Und dennoch bleibt er am Ball, ohne dass es ihm bewusst wäre – geleitet von tief in seinem Inneren wirkenden Energien, die seine einstige Vision speisten, ihn über Wasser halten und - über die Physik zur Astrophysik – seiner Bestimmung zutreiben. Begleitet von seiner Liebe zur Musik, die ihn trotz allem hilflosem Hin und Her glücklicherweise nicht versanden lässt. Im Nachhinein erscheint diese völlig zerfaserte Phase seines Lebens wie die behutsame, viele Umwege nehmende Vorbereitung auf den mentalen Eklat hin, der ihn Jahre später urplötzlich auf die Idee kommen lassen wird, Einsteins Gravitationswellen entdecken zu wollen – wenn das mal Zufall ist.

    „Eher per Zufall stößt er auf das Gebiet, das ihm letztlich großen Ruhm bringen sollte: Als er Ende der 1960er Jahre eine Vorlesung über allgemeine Relativitätstheorie halten muss, kämpft er mit der zu Grunde liegenden Mathematik. Also flüchtet er sich in Gedankenexperimente, um zumindest die Idee von Einsteins Theorie den Studenten zu vermitteln. Bei der Vorbereitung einer Vorlesung hat er plötzlich die Idee, die vom Meister vorhergesagten Gravitationswellen mittels eines Michelson-Interferometers nachzuweisen und baut in den Jahren darauf einen 1,5-Meter-Prototypen!“ (Robert Gast)

    Wie aus heiterem Himmel scheint dem Physiker die uralte Idee aus Kindestagen wieder zuzufallen, die ihm eine schiere Ewigkeit lang aus dem Bewusstsein geraten war und sich ihm nun mit einem Mal in ihrem wahren Kern offenbart: Großartige Musik (= Gravitationswellen) mithilfe von Technologie (= LIGO) für alle hörbar werden zu lassen. Dass die damals noch in den Kinderschuhen steckende Idee so lange tief in seinem Inneren reifen musste, ist nicht allzu erstaunlich. Denn um auf fruchtbaren Boden zu fallen und in ihm wirksam werden zu können, brauchte sie Zeit um sich zu vervollkommnen. Jetzt aber, da er als Physiker (endlich) um die Dinge weiß, brechen sich deren Energien schlagartig Bahn und kehren ihm in ganzer Gestalt ins Hirn zurück. HEUREKA – Erleuchtung kommt immer von innen, nie von außen. Sonst hieße sie ja Beleuchtung.

    Ob Weiss Bachs h-moll Messe kennt, ist ungewiss. Jedenfalls hätte er in dieser Musik die durch manche Takte jagenden Gravitationswellen schon hören können, bevor er schier ewig durchs Leben irren musste ohne recht zu wissen wohin. Dann wäre dem Frühbestimmten vielleicht schon damals die Idee gekommen, die wahren Quellen dieser Wellen im Kosmos zu suchen.

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    ANTHROPOZÄN
    KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
    DAS ENDE? TEIL 3
    09. Oktober 2017

    Die besondere Affinität des Gehirns zur Welt des Cyberspace beruht – wie in Teil 2 beschrieben – primär auf gesunden kognitiven Prozessen, denen, ganz im Gegenteil zur herrschenden Auffassung, zunächst überhaupt nichts Pathologisches anhaftet. Diese Tatsache, so befremdlich sie auch sein mag, ist für die Epidemiologie der Internetabhängigkeit der Menschen, die im Netz ihrem Gehirn freien Lauf lassen, von zentraler Bedeutung und lässt deren Verhalten in einem ganz anderen Licht erscheinen. Sind sie doch eher Opfer ihres Gehirns, statt es im Zaum zu halten oder es gar kontrollieren zu können. Dem Gehirn ist nicht zu trauen – es tendiert dazu, ein Eigenleben zu führen.

    Es ist die auf Virtualität beruhende Weltrepräsentanz, mit der sowohl Gehirn als auch Cyberspace operieren und beide auf so fatale Art und Weise zusammenschweißt: Denn ganz im Gegensatz zur herkömmlichen Realität sind die kognitiven Hirnprozesse in den irrealen Sphären des Cyberspace kaum gefordert und haben leichtes Spiel – in ihnen gibt es nichts, das ins Virtuelle transformiert werden müsste: Schein und Sein sind identisch, die Dinge gestanzt und eindimensional und deren Sinn täuschend bunt, aber schal – eine seichte Welt ohne Geheimnis. Das von Hause aus träge Gehirn hat sich in der ihm extrem affinen Welt der Algorithmen eingerichtet und baut sich konsequenterweise neuroplastisch um.

    Allein schon am BLICK DES USERS werden diese Veränderungen rein äußerlich besonders deutlich. Hatte man früher noch behauptet, die Augen des Menschen seien der Spiegel der Seele, so findet sich heutzutage im Userblick kaum mehr Beseeltes wieder: Dem einst aufmerksam oder ziellos durch die Umgebung schweifende Blick ist die Welt draußen aus dem Fokus geraten, stur gesenkt und wie abwesend aufs Display des Smartphones fixiert – dem Graphical User Interface, das der IT-Technologie zufolge genau jene Stelle und Ort markiert, an welcher der User mit seiner Weltmaschine in Kontakt treten kann. – Das DISPLAY, die Pforte zur Userrealität, von Panzerglas gedeckelt und flach wie eine Scheibe – die Chimäre eines Orts.

    Die grellbunte, mit Icons übersäte Benutzerschnittstelle muss natürlich auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Users zugeschnitten sein, sonst kann er, der zunehmend Überforderte, seinen Weg in die ersehnten Sphären nicht finden. Um ihn nicht hängen zu lassen, haben die IT-Experten eigens für ihn das sogenannte usability engineering ins Leben gerufen und überschütten den Bedürftigen mit immer wieder neuen und noch attraktiveren Produktsensationen – dem User gehen die Augen über:

    Das Highlight ist das große, nahezu randlose DISPLAY. Bereits der Vorgänger sorgte mit seinem DISPLAY, einigen innovativen Techniken und der ungewöhnlichen Platzierung der Selfie-Cam für Aufsehen. So hat das erste etwa einen Ultraschall-Näherungssensor und einen Speziallautsprecher, der unter dem DISPLAY liegt. Diese Technik ist einzigartig und ermöglicht das radikale Design, das diesen Trend fortführt, im Inneren aber mit verbesserter Hardware überrascht. So lässt sich das Gerät mit den aktuell schnellsten Mobilprozessoren nicht lumpen. Das DISPLAY fällt mit 5,99 Zoll kleiner als das des Vorgängers aus, es hat ein Seitenverhältnis von 18:9 und löst mit 2.160 x 1.080 Pixel auf. An drei Seiten ist es randlos und auch an der Unterseite hat sich die Breite des Rahmens um 12 Prozent gegenüber dem Vorgänger verringert. In diesem unteren Teil des DISPLAY-Rahmens sind die Front-Kamera und die Benachrichtigungs-LED verbaut. Das ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, bedeutet aber, dass das Gerät ohne die bekannte Lasche im oberen Teil des DISPLAYS auskommt - optisch auf jeden Fall ein Vorteil. Die Kamera schießt Fotos in 12 Megapixel. Der Arbeitsspeicher wird 6 GByte groß sein, der Datenspeicher hat entweder 64, 128 oder 256 GByte. Zudem verfügt der Akku über eine Kapazität von 3.400 mAh ...

     ... und so weiter und so fort. Aber was soll’s? Ein leichtes Tippen aufs Panzerglas seines berührungsempfindlichen Handys genügt dem User jedenfalls, um sich erst einmal getrost auf den Weg zu machen. Das Glas – auch GORILLA GLASS genannt – soll mit seiner Version 5 bereits 80% aller Stürze aus 1,6 Metern Höhe auf harte Oberflächen überstehen. Na also, welcher User will sich schon eine SPIDER-APP einhandeln – ein Netz auf dem Netz? Aber was soll’s? Auf in die unendlichen Weiten der Verheißung, ein sachtes Anklopfen genügt – SESAM ÖFFNE DICH!

    Das Cyberuniversum aber ist kein grenzenloser Raum, für den der User es hält, denn wie das physikalische, so ist auch das virtuelle begrenzt. Mit dem eklatanten Unterschied allerdings, dass es im Vergleich zum Kosmos im Cyberspace nichts Natürliches oder Fremdes, geschweige denn Mysteriöses zu entdecken gibt, wie beispielsweise ein schwarzes Loch, eine Supernova oder eine Außerirdische Intelligenz, nein, im Cyberspace sammelt sich ausschließlich Menschliches an – allzu Menschliches, und zwar jeden Moment mehr. Wie über eine unvorstellbar große Müllkippe, über die sich Myriaden von Artefakte menschlichen Denkens und Fühlens, Wollens und Meinens, Hassens und Irrens ergießen – in einen Raum. der eigentlich keiner ist. In dessen algorithmischen Landschaften führt nirgends ein Weg in unbekanntes Terrain, vielmehr nur immer wieder dorthin, wo andere längst waren, animiert von Links und Hyperlinks – ein irre gesponnenes Netz, in dem sich ausnahmslos das verfängt, was vom User in die Megamaschine hineingestopft bzw. „eingestellt“ wird. Eine WELTKOMMUNIKATIONSKONSUMMASCHINE, wie er vermeint, voller FRIENDS und FOLLOWERS, SHARES und LIKES, vor allem aber überbordend vor grellbunten Verheißungen, die dem User die Erfüllung seiner Begierden und Obsessionen verspricht – eine wirklich freie Welt, in welcher der Pornomarkt boomt wie nirgends sonst. Manche können schon nicht mehr anders.

    In Wahrheit aber ist der User im Cyberspace allein und auf sich zurückgeworfen. Ist das SELFIE nicht der Beweis dafür? Der alles Wollende spiegelt sich im Netz ohne es zu wollen und hinterlässt doch seine Spuren – sein PROFIL ist begehrt. Eine digitale Usermonade, die von sozialen Medien träumend Gemeinschaftlichkeit halluziniert. Gefangen in ihrem illusionären Wahn und abgeschottet von der Realität während Natur und Kosmos in der CLOUD verdunsten.

    Einige Stichpunkte zur Situation (zitiert aus einem Artikel in Spektrum der Wissenschaft. Juliette Irmer: Warum wird uns die Natur immer fremder?)

    Heute verbringen Kinder einen großen Teil ihrer Zeit in Innenräumen. Mit der Natur kommen sie kaum noch in Berührung. Der Trend scheint eindeutig.

    Jugendreport Natur. 7. Report 2016. Die Distanz zur Natur wird immer größer. Grundlegendes Wissen geht verloren. 35 Prozent der Befragten wussten nicht, wo die Sonne aufgeht. Ein Fünftel kreuzte "Norden" an. Nicht wenige gehen davon aus, dass man tropische Früchte aus dem Supermarkt im Wald draußen sammeln kann.

    Im deutschsprachigen Raum wird das Thema Natur im Alltag kaum wahrgenommen. In Amerika und England hingegen gibt es ein wachsendes Bewusstsein dafür und eine Vielzahl von Studien – NATURE DEFICIT DISORDER. Schon die Elterngeneration hat wichtige Verbindungen zur Natur verloren und kann sie daher auch nicht mehr für ihren Nachwuchs knüpfen. Viele Kinder kennen heute nur noch wenige einheimische Tierarten. Naturbegriffe verschwinden auch aus Songtexten, Romanen und Filmen.

    Laut einer Studie der Vereinten Nationen leben mittlerweile 75 Prozent der Bevölkerung in den Industriestaaten in Städten, eine Tendenz, die sich in den nächsten Jahrzehnten verstärken wird. Und wer in der Stadt aufwächst, hat selten die Möglichkeit, Baumhütten zu bauen und Tiere zu beobachten. Früher war es selbstverständlich, sich als Kind ein Einmachglas mit Kaulquappen zu holen und die Umwandlung zum Frosch zu beobachten. Heute macht man sich damit strafbar. Wenn sich aber niemand mehr für die belebte Natur interessiert, woher kommen dann die zukünftigen Naturschützer? So sterben nicht nur Insekten und Vögel aus, sondern auch diejenigen, die sie auseinanderhalten können. Soweit der Bericht.

    Im Gegensatz zur natürlichen Umgebung besitzt der Cyberspace keine Topografie. Er ist strukturlos und diffus. Ein virtueller, sich praktisch jeder Vorstellung entziehender Raum, der am ehesten vielleicht an eine riesige Disk erinnert, die dem User den Kopf abtrennt. Im schier endlosen Wirrwarr der ihrer Körperlichkeit und Bedeutung entkleideten Dinge ist er jedenfalls aufgeschmissen – sein Orientierungssinn hat keine Chance. Wo sind die GUIDES, die APPS und LINKS?

    Aber weiß der User eigentlich immer so genau, wohin er im Netz will? Voll innerer Unruhe getrieben von Langeweile und Ablenkungssucht. Surft er nicht am liebsten durchs Netz wenn er ehrlich ist? Durch die Sphären seiner neu gewonnenen Realität zu treiben, ist seine klammheimliche Sucht – ein Besinnungsloser, der bald vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Sein Gehirn verführt ihn dazu – was heißt hier schon Baum, was Wald?

    Menschlich gesehen ist der User ein eher schwächlicher Typ, droht ihm doch das Leben draußen abhanden zu kommen, das ihm schnöde zum Alltagsallerlei zusammenschrumpft. Ein Tag gleicht dem anderen – und täglich grüßt das Murmeltier. Immer weniger findet sich der Unsichere in seiner in die Jahre gekommenen Realität zurecht, weil er bis zum Kopf im Cyberspace feststeckt. Nur damit ihm nichts entgeht. Aber nicht nur im Cyberspace auch im Öffentlichen Raum ist der Bemitleidenswerte auf Unterstützung angewiesen. Ohne NAVI kann er’s beispielsweise vergessen. Der entsinnlichte Sinn – der DIGITALISIERTE BLICK .

    Aber auch sich selbst gegenüber fremdelt der User. Dass sich sein Wahrnehmen, Denken und Erinnerungsvermögen verändern, scheint er am allerwenigsten mitzubekommen. Selbst sein Innerstes ist affiziert – seine Gefühle, ja sein Wesen, der User aber will es nicht wahrhaben. Längst hat er sich ans Seichte des Virtuellen gewöhnt das ihn innerlich verkümmern lässt.

    Ohne Netz ist der User ein eher unaufmerksamer und hibbeliger Zeitgenosse. Latent unsicher und misstrauisch. Vor allem der äußeren Welt gegenüber, die er mit Argusaugen belinst, wenn er schon mal hinschauen muss. Im Netz aber ist er für gewöhnlich im Rausch und deshalb auch leicht auf die falsche Seite zu ziehen. Weniger politisch oder gesellschaftlich allerdings, sondern vielmehr kommerziell: Der User konsumiert ums Verrecken gern und lässt sich dabei rasch über den Tisch ziehen, der Rest ist ihm egal. PARSHIP – keine Chance soll ihm entgehen. Aber verdammt, die schnöde Realität!

    Just dies ist der Augenblick, in dem die KÜNSTLICHE INTELLIGENZ die Szene betritt. Maschinen also, die dem User versprechen, ihm seine Lebenstüchtigkeit zurückzugeben und dabei helfen sollen, seine Alltagsschwächen zu kompensieren: Der Benutzer wird zum Benutzten. Freiwillig und ohne mit der Wimper zu zucken. Was soll er auch machen? Ohne Maschinen ist er schlichtweg verloren – das Einfallstor für den globalen Kommerz, der den Hilflosen durchs Leben schleust und abkassiert. Ein Teufelskreis, der den vom Turbokapitalismus schon ohnehin Geschwächten endgültig in die kognitive Verwahrlosung treibt und ihn in seinen Filterblasen zappeln lässt. Wer weiß, ob er sich daraus je wieder befreit?

    Fortsetzung folgt

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    ZERO
    05. Oktober 2017

    WAS WÄRE DENN, WENN STEPHEN PADDOCK TATSÄCHLICH GÄNZLICH OHNE MOTIV GEHANDELT HÄTTE? EINFACH SO. DANN HÄTTEN WIR ES – ZUM ERSTEN MAL KLAR BELEGT – MIT EINEM TÄTERTYPUS ZU TUN, DER NACHGERADE PERFEKT ZUM ZUSTAND UNSERER GEGENWART PASST.

    DENN DAS GEHEIMNIS SEINER TAT WÄRE, DASS ER KEINES HATTE. DIE SCHRANKEN SIND GEFALLEN, ZIVILISATORISCHE HEMMUNGEN SCHNEE VON GESTERN. REALITÄT IST VIRTUELL UND VIRTUALITÄT REAL.

    MIXED REALITY – WAS MÖGLICH IST, IST MÖGLICH, DIREKT UND OHNE UMSCHWEIFE. SELBST DAS DESTRUKTIVE BRAUCHT KEINE UMMANTELUNG MEHR, UM SICH SINN ZU GEBEN – PLÖTZLICH IST ES DA UND BRICHT SICH BAHN.

    DIE TRIVIALISIERUNG DES LEBENS HEIßT AUCH, ES BIS AUF DIE KNOCHEN ZU RADIKALISIEREN.

    „ICH HOFFE, SIE FINDEN EINEN TUMOR IN SEINEM KOPF“, SAGT PADDOCKS BRUDER, DER SICH DIE SACHE SCHÖNREDEN WILL.

    ABER SEINE HOFFNUNGEN WERDEN SICH VERMUTLICH NICHT ERFÜLLEN!

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