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    GESELLSCHAFT X.O
    GESELLSCHAFT / 19HYDROXYCHLOROQUIN
    12. Juni 2020

    Vor wenigen Monaten verbreitete sich COVID-19 in Windeseile über die gesamte Welt und brachte diese binnen kurzem praktisch zum Stillstand. Mit dieser enormen Wucht aber überdeckte diese Pandemie auch eine ganz andere virale Massenerkrankung, die schon seit Jahren die Welt durchseucht. Dies anfangs allerdings eher schleichend und hinsichtlich ihrer katastrophalen Auswirkungen, die gegenwärtig eklatant zutage treten, zunächst lange nicht absehbar.

    Die Rede ist vom Virus des Virtuellen, das über die technischen Stränge des Digitalen direkt in die Köpfe der Menschen vordringt, und in der Folge deren Realitätsbewusstsein schwer in Mitleidenschaft zieht, sodass diese zwischen Wirklichkeit und Fiktion bald kaum mehr zu unterscheiden vermögen. In fortgeschrittenen Stadien kann es bei solchen Fällen sogar zu gravierenden Realitätsverkennungen kommen, was dazu führt, dass die an diesem Virus Erkrankten praktisch nur noch das von ihrer Umwelt wahrnehmen, was ihrer pathologisch-eingeschränkten Weltsicht auch tatsächlich entspricht.

    Doch im Vergleich zu COVID-19, das tödlich sein kann, befällt das Virus des Virtuellen allein den Geist des Menschen und schwächt die kognitiven Areale und Strukturen seines Gehirns – Regionen also, die auf die Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen spezialisiert sind, und damit die Denkprozesse und Empfindungen des Einzelnen nicht nur konstituieren, sondern auch immerfort in Fluss und Ausgleich mit der Realität zu halten versuchen. Zu diesen zerebralen Funktionen zählen u. a. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Denken und Problemlösungsverhalten, die allesamt durch dieses ominöse Virus schwer beeinträchtigt werden.

    Aus diesem Grund könnte man dieses Virus schlichtweg „KOG-O“ nennen, da es das kritisch-abwägende Urteilsvermögen des Erkrankten kognitiv praktisch auf null zusammenschrumpfen lässt.

    Allein aus diesem Grund ist KOG-O um ein Vielfaches gefährlicher als COVID-19: So ist dieser virtuelle Virus zwar ebenso unsichtbar wie sein Kollege, darüber hinaus aber rein immaterieller Natur, was dessen Bekämpfung, virologisch und epidemiologisch gesehen praktisch aussichtslos erscheinen lässt, da ein geistiger Impfstoff wohl für immer reines Wunschdenken bleiben wird.

    Wobei die schweren geistigen Schäden, den KOG-O bei den von ihm Infizierten hinterlässt, natürlich nicht auf den Einzelnen beschränkt bleiben, sondern aufgrund seiner massenhaften Ausbreitung mittlerweile auch ganze Gesellschaften mental auseinanderzureißen drohen, da KOG-O das kollektive Bewusstsein dieser Kollektive sukzessive zerrüttet, und dieses in lauter scheuklappenartige Privatanschauungen und individuell-gestanzte Einzelweltbilder zerfallen lässt.

    Deswegen ist mittlerweile sogar die Realität selbst zum Opfer dieser sich pandemisch ausbreitenden Sinnkrise geworden, da diese für die an KOG-O Erkrankten hinsichtlich ihres Wesens und Charakters mittlerweile rein optional geworden ist: Was real sein soll, bestimmen diese demzufolge nun selbst, wobei sich die Fakten in deren Köpfen in Luft auflösen und ihrer kognitiven Willkür zum Opfer fallen.

    Aber damit sind nun auch die Gesellschaften dieser Welt mächtig unter Druck geraten, weil deren Zusammenhalt aufgrund dieser geistigen Zersetzungsprozesse schwer in Mitleidenschaft gezogen wird - zermürbt von wahnhaften Debatten um Wahr oder Falsch, die diesen Kollektiven zusehends ihre basale Legitimation rauben.

     

    COVID-19 ALS HIRNGESPINST

    Jetzt aber, da COVID-19 urplötzlich auf die schon seit Jahren schwelende KOG-O-Pandemie trifft, wird auch hinsichtlich dieses Phänomens die ganze geistige Misere, die KOG-O in den Köpfen der Menschen angerichtet hat, wieder einmal auf erschreckende Art und Weise offenbar: So leugnen gegenwärtig überraschend viele Menschen den wahren Charakter von COVID-19 ohne mit der Wimper zu zucken, und halten dieses für ein banales Grippevirus, an dem nichts weiter dran wäre. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass andere trotz all der Satellitenbilder vom Weltraum hinab zur Erde, sogar immer noch felsenfest davon überzeugt sind, die Erde wäre eine Scheibe. Wie besessen von Ihrem Glauben, ohne einfach mal hinzusehen.

    Dass es in den Köpfen der Menschen in Zeiten der Pest nachgerade zwangsläufig zu kognitiven Verwirrungen und wilden Spekulationen über die möglichen Ursachen des schwarzen Tods kommen musste, scheint durchaus nachvollziehbar, da diese in ihrer Epoche ja noch keinerlei Ahnung von bakteriellen oder viralen Erregern hatten, und sich demzufolge urplötzlich einem absolut unsichtbaren Feind gegenübersahen, dem sie machtlos ausgeliefert waren und der sie zu Abermillionen sterben ließ. Schließlich liegt es in der Natur des Gehirns begründet, eklatant verwirrende Ereignisse baldmöglichst sinnhaft wieder ins Lot zu bringen, um die psychophysische Stabilität des Individuums und dessen Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten und zu gewährleisten.

    Dabei aber scheint das menschliche Denkorgan nicht davor zurückzuschrecken, sich von aus der Luft gegriffenen oder gar hinterhältigen und reaktionären Scheinerklärungen dann täuschen zu lassen, wenn es ihm damit gelingt, frei flottierende Ängste und entsetzliche Ohnmachtsgefühle, die den Menschen aufgrund unerklärlicher Katastrophen beuteln, das das Sinnlose zu nehmen, um die kognitive Krise zu befrieden. Das Gehirn sucht nach Ausgleich, es hasst Konflikte im System.

     

    DEM GEHIRN IST NICHT ZU TRAUEN

    Ganz offenbar weist das menschliche Gehirn bei der Verarbeitung der Wirklichkeit unter extremen Bedingungen gehörige Schwachstellen auf. Und dies ganz offensichtlich auch im geistig völlig gesunden Zustand und zunächst gänzlich unabhängig von den schädlichen Einwirkungen von KOG-O auf Denkvermögen und Empfindungsfähigkeit. Denn die Anfälligkeit der menschlichen Kognition, das Virtuelle mit dem Realen zu verwechseln, liegt vor allem im Prinzip seiner Wahrnehmungseigenheiten begründet.

    Am besten lässt sich diese Malaise anhand der besonderen anatomischen und neurophysiologischen Situation, in der sich das Gehirn befindet, erklären: Denn unter der Schädeldecke relativ sicher geborgen, ist es völlig abgeschnitten von der Welt und auf Gedeih und Verderb auf die Wahrnehmungsorgane in der körperlichen Peripherie angewiesen, die allerdings jeden Sinneseindruck, den sie von der Umwelt empfangen, augenblicklich in elektrische Impulse verwandeln, bevor diese dann ans Gehirn weitergeleitet werden.

    So sieht sich das Gehirn dazu gezwungen, sich aus derart abstrakten Signalen Bilder und Eindrücke von der Welt draußen zu verschaffen, die folglich neuronalen Mutmaßungen über die Realität draußen gleichen und folglich ihrem Wesen nach von vorneherein absolut virtuell sind – Abbilder von etwas, zu der das Gehirn keinerlei direkten Draht besitzt.

    Deshalb ist es auch nicht sonderlich erstaunlich, dass das Gehirn dem Phänomen der Realität höchst unsicher gegenübersteht, da es allein schon aufgrund seiner Funktionsweise keinen wirklichen Begriff vom Realen haben kann. Demgemäß ist das „Wirkliche“ für das Gehirn nichts anderes als irgendein Außenraum, den es ausschließlich aufgrund elektrischer Nervenimpulse imaginiert und rein hypothetisch als real begreift. „Damit konstruiert das Gehirn Realität, die der Mensch wahrnimmt, als eine Art kontrollierte Halluzination“, wie es der britische Kognitionsforscher Anil K. Seth umschreibt.

    Damit aber wäre auch jede virtuelle und perfekt generierte Simulation des Außenraums für das Gehirn zwangsläufig „Realität“, solange jedenfalls, bis dieses irgendwann eindeutige, dem zuwiderlaufende Impulse bekäme, diese Annahme korrigieren zu müssen. Matrix lässt grüßen.

    Hatte die Pest im 15. Jahrhundert den Verschwörungsmythos der Brunnenvergiftung geboren, wonach Juden mit der Vergiftung der öffentlichen Brunnen diese Seuche verursacht hätten, um das Christentum zu vernichten, ist es jetzt eben Bill Gates, der wegen COVID-19 mächtig Dreck am Stecken haben soll und deswegen in sozialen Netzwerken am Pranger steht: So wolle dieser im Kampf gegen diesen Erreger den Menschen Mikrochips einpflanzen, um auf diese Weise die totale Kontrolle über diese zu erlangen, lautet eine der weitverbreiteten zeitgenössischen Verschwörungsmythen.

    Dass sich solch kognitive Kurzschlüsse auch heutzutage noch ereignen, lässt tief blicken: Denn im Grunde hat sich das menschliche Gehirn einschließlich seiner kognitiven Kapazitäten seit etwa 10.000 Jahren nicht wesentlich weiterentwickelt. Darüber hinaus lassen auch jene aktuellen Forschungsergebnisse aufmerken, die eine konsekutive Abnahme der menschlichen Intelligenz zumindest in vielen westlichen Ländern belegen, die sich alle zehn Jahre um etwa zwei Prozentpunkte vermindern würde, wie es der britische Anthropologe Edward Dutton vom Ulster Institut für Sozialforschung herausgefunden hat.

    So neigen nicht wenige Menschen in extrem-ungewissen und besonders angsteinflößende Zeiten wie der COVID-19-Pandemie offenbar immer noch dazu, den abstrusesten Erklärungsmodellen und Verschwörungsmythen dann bereitwillig Glauben zu schenken, wenn diese ihnen dazu verhelfen, das scheinbar Sinnfreie vermeintlich nun endlich verstanden und durchschaut zu haben.

    Aber auch im Fall von COVID-19 müsste es diesen kleinkarierten Paranoikern aufgrund der Faktenlage doch eigentlich klar sein, dass es sich bei diesem neuartigen Erreger ganz eindeutig um ein Virus aus der Corona-Familie handelt, das, urplötzlich vom Tier auf den Menschen übersprungen, hinsichtlich seiner Pathogenität und Virulenz nun eben äußerst schwer einzuschätzen ist.

     

    IM HIRN DES VERSCHWÖRUNGSTHEORETIKERS

    Und dennoch blühen auch in diesem Fall die absurdesten Fantasien und irrwitzigsten Wahngebäude auf und verbreiteten sich in Windeseile im Cyberspace über den gesamten Globus: Und wiederum bekommen auch die Juden wie schon vor sieben hundert Jahren wieder ihr Fett ab. Und das geht so: Die Juden kontrollieren die Federal Emergency Management Agency (FEMA) und nutzen die globale Krise für ihren Plan, die Amerikaner unter dem Vorwand der Quarantäne in Konzentrationslager zu stecken. Oder: COVID-19 ist die biologische Waffe eines jüdisch-amerikanischen Komplotts, mit dessen Hilfe die Weltbevölkerung dezimiert werden soll.

    Bislang waren es vor allem Menschen mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung, die voller Misstrauen der Welt gegenüber dazu neigten, derartigen Wahnwitz in die Welt zu setzen, um endlich die wahren Gründe der sie bedrohenden Lebensbedingungen ans Tageslicht zu befördern.

    Menschen dieser Charakterart stehen permanent unter Strom und trauen anderen partout nicht über den Weg. Immer mit der fixen Idee im Kopf, selbst von ihren Freunden oder Partnern angelogen oder gar ausgenutzt zu werden. Deshalb haben sie auch große Probleme, sich anderen anzuvertrauen, aus blanker Angst, diese könnten solch intime Informationen in böswilliger Absicht gegen sie verwenden. Deshalb neigen Paranoiker auch dazu, völlig harmlose Bemerkungen schnell als abwertende oder gar feindselige Kommentare über sie zu missverstehen. Darüber hinaus sind diese auch überaus nachtragend und fahren in der Regel schnell aus der Haut, wenn sie den Anlass dazu sehen, sich zu rechtfertigen und zum Gegenangriff überzugehen – beständig geplagt vom Gefühl des Kontrollverlusts über ihr eigenes Leben.

     

    KOGNITIVES MISCHMASCH GEBIERT UNGEHEUER

    Doch unter den geisttötenden Bedingungen von KOG-O verflachen auch die charakterlichen Eigenheiten der Erkrankten und werden sukzessive von paranoiden und autoritären Denkstrukturen überlagert, die ja ohnehin Merkmale einer an Wahrnehmungs- und Denkkompetenz eingeschränkten Persönlichkeitsstruktur darstellen. Übrig bleibt ein Einheitsmixcharakter prinzipiell missgelaunter Menschen, die beständig auf der Lauer sind, weil ihnen womöglich etwas nicht in den Kram passen könnte.

    Im KOG-O-Charakter drehen sich die Verhältnisse quasi um: So bedeutet Paranoia in dessen Erleben nicht mehr die lähmende Empfindung, in jedem und allem eine Bedrohung zu erahnen, die womöglich ihm gelten könnte, sondern findet sich ersetzt durch eine herabgetunte Haltung chronischen Misstrauens einer Welt gegenüber, die seiner schablonisierten Privatsicht auf die Dinge einfach nicht entsprechen will. Also grätscht er liebend gerne mal rein, wenn er den willkommenen Anlass dazu findet, und zeigt es dem Gegner, was eine Harke ist, nur weil dieser einer anderen Meinung ist.

    Natürlich macht er dies am liebsten in den sozialen Netzwerken, wo der KOG-O-Infizierte sich ansonsten mit seinem virtuellen kognitiven Mischmasch im Hirn am wohlsten fühlt. Besonders dann, wenn er sich mit seinen hirnrissigen Ansichten im einsilbigen Austausch mit Gleichgesinnten in seiner Cyberblase aufhält, die im Grunde nichts anderes als der banale Ausdruck seiner eigenen hermetischen Weltsicht ist. Nachgerade autistisch abgeschottet von der Wirklichkeit der Welt, die er so partout nicht gelten lassen will, auf beständiger Suche danach, seinen Missmut und Hass zerstörerisch unter die Leute zu bringen.

    Deshalb kann der wahre Paranoiker, der nur immer das Schlimmstes vermutet und sich demzufolge auch immer verteidigen muss, als Person durchaus gefährlich werden, wohingegen der KOG-O-Zombie es allein in der Masse ist, wenn dieser sich gemeinsam mit anderen Geistlosen endlich mal Luft verschaffen will, um nicht vor lauter Wut im Bauch zu zerplatzen. Allein das ist es, was diesen im Vergleich zum paranoiden Charakter gesellschaftlich noch weitaus gefährlicher macht.

    Demzufolge ist der KOG-O-Zombie dieser ausgehöhlten Weltrepräsentanz komplett ausgeliefert und deren wahnhaften Sphären aus nichts als unkontrollierten Halluzinationen zerebral verfallen, um Anil K. Seth zu paraphrasieren. Mental gefangen in einem blindwütigen Taumel von Billiarden Bots, Pop-ups, Videoclips, Fake News, Tweeds, Influencern, Memes, Sina Weibo, WhatsApp, Facebook und Unzähligem mehr. Verloren in einer verschrobenen Realität aus nichts als dumpf-gefühlten Wahrheiten! Den Opfern von KOG-O ist nicht zu helfen!

     

    KOG-O: CHINA UND DIE USA

    Die gesellschaftlichen Konsequenzen dieser KOG-O-Pandemie zeigen sich gegenwärtig besonders drastisch am Beispiel von China und den USA, den beiden Supermächten dieser Erde, was die Brisanz dieser von COVID-19 überdeckten Massenerkrankung nur umso deutlicher werden lässt.

    Dies allerdings aus äußerst unterschiedlichen Gründen, obwohl die Mentalität und soziale Haltung der KOG-O-Infizierten ganz generell autokratische oder diktatorische Bestrebungen in der Politik nachgerade herausfordern. Bestrebungen also, die dem Grundwesen dieser Infizierten im Prinzip ziemlich genau entsprechen: Denn Freund und Feind sind glasklar definiert, und die wahre Wahrheit steht im Netz. Allein aber ist dieser Sozialzombie allerdings verloren. Er giert nach Resonanz und Beistand: Wie es in den Wald ruft, so schallt es heraus!

    Allerdings hat China aus dieser Tatsache eine extrem bösartige Volte geschlagen und den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. Denn da die geistlosen KOG-O-Opfer sich praktisch selbst entmündigen, griff die chinesische Diktatur, wie dazu aufgefordert, einfach zu, behauptete, zu helfen und führte im Handumdrehen das sogenannte Sozialkreditsystem ein.

    Ein die KOG-O-Opfer gnadenlos unterdrückendes Kontrollsystem, das diese perfider Weise einfach dort abholt und rund um die Uhr überwacht, wo sie sich ohnehin schon befinden, im Cyberspace nämlich. Computerüberwachung zuhause und Gesichtserkennung draußen in den Städten – jetzt dürfen sich diese Opfer wohler und geborgener fühlen, weil das System vorgibt, sie so vor sich selbst zu schützen. Allerdings nur solange sich diese auch wirklich absolut systemkonform verhalten, denn sonst bekommen sie keine Punkte mehr und stürzen sozial ab, wenn sie sich nicht daranhalten.

    Auf der amerikanischen Seite hingegen sieht es ganz anders aus. Denn dort herrscht Demokratie. Diese aber wird nicht nur durch COVID-19, sondern vor allem auch durch KOG-O schwer gebeutelt. Doch im Gegensatz zu China durften sich die an KOG-O Erkrankten dort ihren Präsidenten frei wählen, und gerieten nicht unversehens unter die Knute des Staats. So ist es diesen Hirnlosen auch gelungen, demjenigen ins weise Haus zu verhelfen, der einer von ihnen ist, und selbstredend ebenso autoritäre Züge trägt wie sie selbst. Und dieser regiert natürlich durch Twitter: Schließlich will sich dieser Präsident einfach rund um die Uhr mit seinen 80 Millionen Follower im Cyberspace per Tweets kurzschließen und diese so immer auf dem Laufenden halten. Natürlich mit Fake News und Verschwörungstheorien, denn dies ist ja die Realität, in der der Präsident und seine KOG-O-Adepten leben.

    Und dabei schreckt dieser Präsident ganz folgerichtig auch nicht davor zurück, seinen KOG-O-Wählern das Antimalariamedikament HYDROXYCHLOROQUIN als Allerheilmittel gegen COVID-19 zu verkaufen, denn wenn dieser das sagt, ist das Fakt, nur weil es für seine Wähler aus dem richtigen Mund kommt.

    Wahrscheinlich handelt es sich beim gegenwärtigen Präsidenten der USA auch um einen KOG-O-Erkrankten. Das aber ist lediglich nur eine Vermutung. Denn wie gesagt, leider gibt es für diese pandemische Seuche keinerlei Nachweis, geschweige denn einen Impfstoff, der das Schlimmste verhüten könnte.

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    ANTHROPOZÄN
    COVID-19
    DU HOLDE KUNST – EIN NACHRUF
    05. Mai 2020

    COVID-19 sei die Stunde der Wahrheit, wird mancherorts behauptet: Die globale Pandemie sprenge den Schein von den Dingen ab und reiße den Menschen die Maske vom Gesicht, sodass deren wahrer Charakter mit einem Mal schonungslos zutage trete.

    Diese Einschätzung scheint durchaus nachvollziehbar: Insbesondere dann, wenn man sich beispielsweise die internationale Konzert- und Opernindustrie vor Augen führt, den sogenannten Klassikmarkt also, der mit seiner schönen Musik zumindest noch die letzten Reste des spätbürgerlichen Milieus in Wallung versetzten konnte. Und die dem ansonsten mehr im Verborgenen lebenden Kreis der Finanzaristokratie mit ihren pompösen Klängen immer dann höchst willkommen war, wenn dieser sich bei dessen seltenen öffentlichen Auftritten – nach dem obligatorischen Golf am Nachmittag – am Abend in der Oper entsprechend in Szene zu setzen versuchte: Champagner für die Ohren oder Labsal für eingeschüchterte Herzen – viel mehr war von der klassischen Musik im öffentlichen Leben nicht übriggeblieben.

    Doch jetzt lässt COVID-19 diesen scheinbar so illustren Schein, den die Klassikszene wie kaum eine andere Luxusindustrie perfekt zu inszenieren wusste, mit einem Mal wie eine fade schillernde Blase zerplatzen. Wie vor den Kopf geschlagen und von Gott und Welt schnöde verlassen, findet sie sich mit einem Mal mutterseelenallein in ihren verwaisten goldenen Sälen wieder.

    Eine Branche wohlgemerkt, die noch gestern nicht müde wurde immer wieder zu behaupten, sich in der Mitte der Gesellschaft verankert zu sehen, schließlich sei Kunst ein Grundrecht, also hätte jeder auch das Anrecht ihre einzigartigen Kunstproduktionen genießen zu dürfen.

    Doch abgesehen von der Tatsache, dass die sogenannten Klassiktempel dieser Branche, beileibe nicht nur in Europa, immer noch in den Zentren vieler Städte herumstehen, scheint die Behauptung des Klassikmarkts nichts als hohle Luft gewesen zu sein. Denn offenkundig schert sich keiner in der Gesellschaft auch nur die Bohne darum, dass dieser seine abgestandenen Rituale nicht mehr zelebrieren darf. Kein Hahn kräht danach – der faule Zauber scheint mit einem Mal schlichtweg vergessen. Systemrelevanz sieht anders aus!


    WO BLEIBT DIE RETTENDE POLITIK?

    Demzufolge sieht sich auch die Politik nicht sonderlich dazu aufgefordert, sich in Zeiten der globalen Pandemie auch noch um den Klassikmarkt Gedanken machen müssen. Und außerdem: was kann die Politik dafür, dass Konzert- und Opernvorstellungen unter die Rubrik „Großveranstaltungen“ fallen, und mit ihren jeweils mehr als tausend Besuchern wegen COVID-19 eben einfach nicht mehr stattfinden dürfen. Denn als wahre Virusschleudern würden diese ja alle Versuche, die Pandemie einzudämmen, im Nu zunichtemachen, und allein aus diesem Grund, und nicht etwa wegen ihres völlig belanglosen Musikgetöne auf einmal mächtig ins Gerede kommen.

    So war es mit dem globalen Klassikmarkt schon vor COVID-19 nicht mehr allzu weit her gewesen: Denn über die Jahre hinweg war auch aus diesem ein knallhartes, völlig durchkapitalisiertes Geschäft geworden, in der die Musik nur noch eine Nebenrolle spielte und zur wohltönenden Ware verkommen war.

    Produziert von einer vermeintlichen Hochkulturbranche, die vorwiegend von Managern statt von Künstlern geleitet wurde, die sich früher beispielsweise um den Absatz von Joghurt oder Parfüm kümmerten, und jetzt eben für den Verkauf von Klassikmusik verantwortlich waren. Wobei sich der Umsatz dieser Produkte einzig am Ticketing bemaß, also an der Anzahl der verkauften Eintrittskarten, die es einem mächtig in die Jahre gekommenen Publikum ermöglichten, sich Zugang zu den heiligen Hallen dieser Branche zu verschaffen, um deren betörende Klangprodukte mehr oder weniger gebannt konsumieren zu können. „Ausverkauft“ – mehr als das aber war an einem Abend selbst für abgefeimte Manager aus dem ganzen Zinnober nicht herauszuholen.


    ÖDE REPRODUKTIONSMASCHINEN

    Das aber, was die Besucher in den Klassiktempeln wirklich erwartete, war alles andere als lebendige Kunst. Denn aus den globalen Konzert- und Opernunternehmen, die einst ein erstaunlich vitales und überaus reichhaltiges Programm anzubieten wussten, waren über die Jahre hinweg anödende und reaktionäre Reproduktionsmaschinen des immer Gleichen geworden, die nur mehr ein völlig eingedampftes und verarmtes Repertoire mutmaßlicher Highlights der Musikliteratur hervorbrachten, und – bis auf wenige glückliche Ausnahmen – außer sündhaft teurer und eitler Routine nichts mehr anzubieten wussten.

    So setzte sich das Opernrepertoire weltweit nur mehr aus ca. 50 Werken der Musikgeschichte zusammen, die immer wieder aufs Neue wiedergekaut und durchexerziert wurden – gnadenlos durch die Mangel gedreht bis zur Unkenntlichkeit. Folglich waren aus Opernpremieren Inszenierungspremieren der immer gleichen Stücke geworden, in denen die Partitur nur noch dem Vorwand diente, die Opernregie als zeitgenössischen Berufsstand zu legitimieren, was aber beim tausendsten Don Giovanni nur scheitern konnte.

    So war das eingeschworene und allmählich sedierte Klassikpublikum der Opernregie schließlich überdrüssig geworden – es gierte sehnsüchtig nach dem vermeintlichen Original: Und dies brachte so manche Klassikmanager auf die perfide Idee, uralte Inszenierungen, die längst in der Versenkung verschwunden waren, kurzerhand zu reanimieren und diese als originelle Meilensteine der Regiekunst auf den Markt zu werfen, um dem Publikum einmal einen richtigen Happen vorzusetzen.

    So wurde bei den Salzburger Opernfestspielen im Jahre 2017 die fünfzig Jahre alte Inszenierung der Walküre von Richard Wagner in der Regie von Herbert von Karajan szenisch rekonstruiert, und dies selbstverständlich im Originalbühnenbild von Günther Schneider-Siemssen. Gestanzte Szene bei wohlbekannter Musik – das Publikum flippte aus: ENDLICH MAL WAS NEUES! raunte es hingerissen, statt nur immer wieder dasselbe: Aida im Raumschiff, Don Giovanni in den Suburbs, Tosca im Genlabor oder Die Zauberflöte als Familienaufstellung.


    DIE KLASSIKBRANCHE ZERSETZTE DIE MUSIK

    Auf diese Weise trocknete auch diese Kunstform allmählich aus: Die großen Opernwerke verloren mehr und mehr an Kontur, ihre Physiognomie verblasste – ihnen wurde förmlich der Atem genommen. Übrig blieben sattsam ausgeweidete Filetstücke der Musikliteratur, die bald völlig ausgeblutet und ausgedorrt im matten Bühnenlicht schimmerten, und ihrer Verwesung harrten. Säuselnde oder wuchtige, immerfort repetierte Klänge, die zur akustischen Staffage einer progredienten szenischen Leichenfledderei gerieten. Internationale Akustik-Ware mit superber Optik, allseits wiederverwendbar und derart zeitgenössisch, wie es die Zeitgenossen wirklich nicht verdient hatten, weil sie ja nichts anderes kannten

    Aber auch um das internationale Konzertwesen war es schon vor COVID-19 alles andere als gutbestellt. Denn auch hier litt man an der Krankheit des mumifizierten Repertoires und schöpfte letztlich nur noch aus Altbekanntem und lutschte es schamlos aus: Brahms, Bruckner und Beethoven. Mehr schien dem Management offenbar nicht mehr verkäuflich, der Markt war eng. Und richtig: Das Publikum lechzte nach deren Werken, mehr wollte es offenbar nicht, um sich dem Kunstgenuss hinzugeben – das Gewohnte war schließlich vertraut, und das Fremde sollte eben draußen bleiben. So durchwehte auch hier der Hauch des Reaktionären die Säle – man sehnte sich wenigstens nach akustischer Sicherheit.

    Und bis vor wenigen Wochen noch war mit Beethoven, dem Megajubilar der Klassikszene in diesem Jahr, richtig viel Geld zu verdienen: Man musste nur dessen Oeuvre komplett durch die Mangel drehen und zu Kleinholz verarbeiten, um endlich mal wieder richtig absahnen zu können. Doch dazu kam es glücklicherweise nicht, denn COVID-19 setzte dem ganzen Ausverkauf ein vorschnelles Ende.

    Doch einer der Darstellerstars der Musikindustrie, der Pianist Igor Levit, will offenbar selbst in Pandemiezeiten nicht klein beigeben und entblödet sich nicht, weiterhin Werbung für seine Einspielung von Beethovens Klaviersonaten zu betreiben und multimedial zu verwerten – ob nun im Radio oder Fernsehen oder im Internet. Das hätte er besser bleiben lassen. Denn dessen Werbekommentare zu diesen Sonaten sind an ignoranter Dreistigkeit und allgemeinem Sentimentalitätsquark nicht zu überbieten. „Du hast das Gefühl, dir fliegen Blitz um die Ohren!“, posaunt er. Oder: „Allein Freiheit, Weitergehen ist in der Kunstwelt wie in der ganzen großen Schöpfung Zweck!“ – „Ohne zu denken, kann man Beethoven nicht spielen“, hat Daniel Barenboim einmal bemerkt. Wie recht er doch hat!

    So ist es auch schlichtweg verlogen, wenn die Klassikindustrie lauthals verkündet, Beethoven sei der Urvater der klassischen Konzertform gewesen, die heute wie ein Wunder immer noch existiere, was nicht zuletzt auch ihre große Tradition beweise. Welch Ignoranz: Denn in Wahrheit bestanden Beethovens Konzerte, in denen er als Pianist oder Dirigent fungierte, praktisch nur aus Uraufführungen seiner jeweils neuesten Werke, wohingegen das internationale Konzertgebaren nur noch die Repertoire-Leier drehte, als bestünde die Musikgeschichte lediglich aus etwa 100 Kompositionen. Doch aus der Verarmung des Geistes lässt sich viel Kapital schlagen. Dies bewies nicht zuletzt auch die Klassikbranche zu ihrer Zeit.


    DER INTERPRET – NICHTS ALS EIN MARKTVIEH

    Dass es bei diesen anödenden und routinierten akustischen Klassikallerlei schließlich nur noch auf die ausführenden Künstler ankam, scheint klar. Denn was da gerade gespielt wurde, war nebensächlich geworden, es kam nur noch auf die sogenannte Interpretation an. „Macht der Dirigent bei Bruckner 7. Symphonie nun im zweiten Satz den ominösen Beckenschlag kurz vor dessen Ende oder nicht?“ Das waren die Fragen, die wenigstens noch den Connaisseur beschäftigten, wohingegen sich andere im Publikum einfach dem Weihrauchgetue hingaben und sich keine Sorgen machen mussten. Oder: „Mein Gott, wie will diese in die Jahre gekommene Sängerin überhaupt noch die Spitzentöne im vierten Satz von Beethovens 9. Symphonie hinkriegen? Da bin ich nun wirklich gespannt!“

    Um beim Publikum zumindest noch diese Art von innerer Erregung aufrechtzuerhalten, züchtete sich die internationale Musikszene ein globales Solistenheer heran, das sich aus Dirigenten, Sängern und Instrumentalisten rekrutierte, die sich rund um den Globus gegenseitig die Klinke in die Hand gaben, meist auf Nummer sicher gingen und dementsprechend kurz und knapp probierten, wobei diese aber nicht müde werden durften, sich am hinlänglich ausgenudelten Repertoire engagiert abzuarbeiten – tagein, tagaus. Und dies natürlich in enger Kooperation mit einer schwer in die Jahre gekommenen Phonoindustrie, die ihre Klassik-CDs kaum mehr an den Mann brachte und deshalb ebenfalls nur auf Altbewährtes setzte – Brahms, Bruckner und Beethoven.

    Doch auch in diesem Fall kam man natürlich nicht ganz ohne Nachwuchs aus. Folglich setzte man auf jene Jungdirigenten oder Junginstrumentalisten, die irgendeinen internationalen Musikwettbewerb gewonnen hatten, also technisch brillieren konnten. Das aber reichte bei Weitem nicht, mussten diese doch darüber hinaus auch gehörig was von sich hermachen können und besonders gut aussehen, wenn sie überhaupt eine Chance haben wollten - das geistige Niveau ihrer Interpretationen war dabei völlig nebensächlich. Nur wer vor den Kameras der Klassikwerbung mit oder ohne Instrument entsprechend zu posieren wusste, wurde akzeptiert und in den glitzernden Zirkel aufgenommen.

    Doch von da an war es mit dem schönen Leben vorbei, denn jetzt mussten diese Youngsters alle Kräfte darauf verwenden, den schönen Schein der Klassikwelt auch entsprechend professionell zu produzieren, da kannte das Musikmanagement keine Gnade. Selbst die Stücke, die sie auf ihren CDs zu musizieren hatten, wurde ihnen diktiert. Mit dem nämlichen Programm ging es dann ab durch die Konzertsäle dieser Welt, um deren CD-Absatz in Schwung zu bringen. Selbstverständlich mit Signierstunden nach dem jeweiligen Auftritt und jeder Menge Pressetermine und Interviews, das war obligatorisch. „Mein Gott, Sie sind ja noch so jung und spielen schon so fantastisch virtuos. Wie schaffen Sie das eigentlich?“

    Doch in den völlig durchökonomisierten Gefilden der Klassikwelt herrschten natürlich auch unerbittliche Konkurrenz und rigoroses Ellenbogengeschiebe wie überall – der Run auf die Spitzenplätze war einfach zu groß. Schließlich wollte jeder der Jungstars eines Tages auch mal zig Millionen verdienen.

    Aber auch die wenigen, die es endlich geschafft hatten, konnten sich als Superstars und brandaktuelle Klassikikonen nicht so recht sicher sein, wie lange sie das hochakrobatische Bühnengeschäft denn wirklich durchhalten würden, immer mit der Frage im Kopf, ob sie darüberhinaus auf das Vertrauen des Managements auch wirklich bauen könnten.

    Dass sich aber selbst solche Spitzenkräfte eines Tages einmal als Marktvieh vorkommen müssten, wurde ihnen vor wenigen Tagen ausgerechnet bei den Salzburger Festspielen, dem wohl bedeutendsten Klassikfestival der Welt, überraschend deutlich vor Augen geführt: Denn auf die Frage, warum das Festival denn angesichts von COVID-19 so lange zögere, die diesjährige Saison von Mitte Juli bis Ende August endlich abzusagen, nahm sich dessen Präsidentin Helga Rabl Stadler – gewollt oder ungewollt – die Maske vom Gesicht und erklärte der Presse unumwunden den wahren Hintergrund ihres vermeintlichen Zögerns. „Die Festspiele müssten am 30. Mai als Stichtag für eine Absage festhallten. Denn erst dann, wenn die österreichische Regierung Mitte Mai Festivals dieser Größenordnung per offiziellen Dekret weiter verbieten würde, könnten die Festspiele auch für die Auflösung der meisten bestehenden Verträge nicht mehr haftbar gemacht werden. Dann wären die mitwirkenden Künstler und Mitarbeiter von einem auf den anderen Tag eben einfach vor die Tür gesetzt, könnte man fortfahren. Welch Offenbarungseid!

    Beinahe glaubt man ein Lächeln über das Antlitz von Dionysos hinweghuschen zu sehen. Denn vermutlich atmet der Theatergott erleichtert auf, das ganze leertönende und Geld schachernde Treiben nicht mehr mitansehen zu müssen, das mit dem von ihm ursprünglich erfundenen Theater nun wahrlich nicht mehr das Geringste zu tun hatte.

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    ANTHROPOZÄN
    COVID-19
    CIRCULUS VITIOSUS
    14. April 2020

    Noch vor wenigen Wochen stöhnte alle Welt ob des ewigen Stresses, den man nicht mehr aushielte, beschwerte sich über den permanenten Druck, der auf einem laste und bejammerte all die Probleme und katastrophalen Ereignisse, die sich um einen herum häuften – und dies mit einem Affenzahn. Die Zeit rase immer schneller, als würde man durchs Leben katapultiert, klagten die Menschen. Das mulmige, tief verunsichernde Gefühl, in einem Zug zu sitzen, der, von niemandem abgebremst, unweigerlich auf den Abgrund zurase, rumorte in ihnen.

    Doch jetzt steht der Zug völlig unerwartet still. Jäh zum Stillstand gebracht von der Natur – brutal gestoppt von einem hochansteckenden Virus, der das Leben des Menschen unmittelbar bedroht, weil dieser gegen diesen völlig neuartigen Erreger noch keinerlei Immunität besitzt. Folglich bleibt dem Verstörten zunächst einmal auch nichts anderes übrig, als sich – wie vor den Kopf geschlagen und in Todesangst – in seinen vier Wänden zu verkriechen und der Welt draußen auf unbestimmte Zeit Adieu zu sagen. In der inständigen Hoffnung, nicht infiziert zu werden, schließlich kann es beinahe jeden treffen. Stillhalten und Warten, mehr bleibt dem Menschen im Augenblick nicht übrig.

    Eine nachgerade mythische Konstellation, in der die Natur den Menschen urplötzlich dazu zwingt, innezuhalten, damit er zur Besinnung kommen möge – etwas, wozu er von sich aus offenbar nicht fähig scheint.

    In längst vergangenen Zeiten wäre solch ein ungeheuerliches Ereignis als fürchterliches Gotteszeichen empfunden worden, dem man sich demütig unterworfen hätte. Heutzutage aber schert sich keiner mehr um solche Fantastereien, geschweige denn um die Natur, die der Mensch trotz allem, was ihm gerade widerfährt, immer noch glaubt im Griff zu haben. Dabei denken immer noch viele, der Mensch hätte mit COVID-19 nicht das Geringste zu tun – offensichtlich hat er nur noch Augen für sich selbst. „Heute ist das, worauf der Mensch beharrt, genau der Teil, auf dem er nicht beharren sollte – er selbst“, ließ Gilbert Keith Chesterton bereits im vergangenen Jahrhundert seine Zeitgenossen wissen. (1)

    COVID-19: Ein global viraler Albtraum, denn mit einem Mal scheint der Mensch die Wirklichkeit, wie sie vor Kurzem noch herrschte, völlig vergessen zu haben: Druck, Stress und alle Sorgen scheinen Schnee von gestern. In diesen schicksalshaften Tagen wirkt der Mensch wie in ein Zeitloch gefallen und sitzt in Schockstarre in einer nicht enden wollenden Gegenwart fest. Im ewigen Einerlei seiner Quarantäne gefangen, kreisen die Tage gestaltlos um ihn herum und verschwimmen ihm unversehens zum immer gleichen Tag, der sich nur noch durch seine Infektions- und Todesraten von den anderen unterscheidet.

    Der innige Wunsch, es möge morgen doch wieder so sein, wie es gestern noch war, scheint das Einzige, was den Menschen gegenwärtig weltweit zu bekümmern scheint: Unter der Hand gerinnt ihm das Morgen zum Spiegel des Vergangenen. Abgründige Angst und Ungewissheit machen sich breit: Von einem auf den anderen Tag hat die Welt alles Wirkliche für den Menschen verloren, und wirkt auf einmal wie auf den Horrorbildern, die er bislang nur aus Filmen kannte.

     

    DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILLSTAND

    In diesem Science-Fiction-Film aus dem Jahre 2008, versuchen Aliens den Menschen zur Räson zu bringen, indem sie dessen Technologie mit einem gigantischen elektromagnetischen Impuls für immer außer Funktion setzen, um diese daran zu hindern, die Zerstörung des Erdplaneten weiter voranzutreiben.

    Doch auch dieses Thema scheint über Nacht vergessen. Außerdem hat COVID-19 keine Absichten und ist ganz einfach ein Virus, das seinen natürlichen Weg nimmt, sagt die Wissenschaft, das allerdings aus dem Giftlabor einer hinterhältigen Macht käme, ergänzen Andere hinter vorgehaltener Hand: Die Fake News blühen auf – ohne Glauben scheint der Mensch einfach nicht auszukommen.

    Jetzt aber muss jeder erst einmal selbst sehen, wo er bleibt. So rückt die Welt nun noch weiter auseinander, als sie es ohnehin schon war. Schließlich gilt es das Schlimmste zu verhüten und COVID-19 letztlich zu besiegen.

    Und dennoch: Auch in diesem Fall erweist sich der Mensch der Natur weit unterlegen. So kann er die unabänderliche Durchseuchung der Weltbevölkerung mit dem neuartigen Virus durch ein praktisch globales LOCKDOWN zunächst zwar verlangsamen, diese im Prinzip aber mittelfristig nicht im Geringsten verhindern. Und selbst mit einem Impfstoff wird COVID-19 nicht von heute auf morgen nicht aus der Welt sein, sondern den Menschen auch weiterhin zwingen, mit diesem Virus einigermaßen zurechtzukommen. Darüber hinaus ist die Gefahr einer neuerlichen Pandemie nun wahrlich nicht vom Tisch. Das aber sage jetzt einer mal, er würde auf der Stelle gelyncht.

     

    EIN ZEICHEN?

    Bei alldem aber könnte die virale Megakrise dem Menschen doch wenigstens ein Zeichen sein – etwa: Zuckerbrot und Peitsche. Denn während COVID-19 die menschlichen Zivilisationen außer Funktion zu setzen droht, zeigt ihm die Natur doch gleichzeitig auch ein ganz anderes, nämlich wesentlich freundlicheres Gesicht. Denn binnen weniger Wochen scheint sich die Atmosphäre des Planeten auf völlig überraschende Art und Weise erholt zu haben – der Globus atmet förmlich auf.

    Doch die ungewohnt frische Luft draußen im Freien kriegt der Mensch nicht so recht mit, da er sich zuhause ja einbunkern muss, und das auch noch, wie in manchen Regionen Deutschlands mittlerweile so üblich, mit freiwillig herabgelassenen Rollläden, damit das widerliche Virus nicht durch die Fensterritzen ins Haus eindringen kann – da hilft auch keine Alarmanlage.

    Dabei aber könnte der Eingeschlossene das klimatische Wunder in seiner Festung doch zumindest sehen. Auf den Satellitenbildern der NASA nämlich, die ab und an durchs Internet geistern, doch von brandaktuellem Pseudonews pausenlos überlagert werden, sodass ihm die zerstörerischen Auswirkungen seiner Lebensweise auch in dieser Hinsicht leider entgehen muss.

    So hat sich der Smog über dem chinesischen Wuhan gleichsam über Nacht sprichwörtlich in Luft aufgelöst, wobei sich die CO2-Emissionen des Landes verlässlichen Messungen zufolge insgesamt um mindestens ein Viertel reduziert haben. (2) Aber auch sonst hat sich die Luftqualität auf der Welt erstaunlich verbessert, weil kaum noch Autos oder Flugzeuge unterwegs sind und viele Fabriken geschlossen haben, wobei auch praktisch kein Kreuzfahrtschiff mehr munter durch die Weltmeere dümpelt.

    Dass an der Luftverschmutzung aber jährlich Millionen Menschen erkranken und viele daran sogar sterben (3), scheint bislang nur Wenige so richtig interessiert zu haben. Doch diese Opfer, die allein aufs Konto des Menschen gehen, siechen schleichend und nicht öffentlich in ihren Betten dahin und machen deshalb auch keinerlei Schlagzeilen.

    Und dennoch ist es überaus verblüffend zu beobachten, wie stark die Regenrationskräfte der Natur offenbar zu wirken scheinen. Das könnte dem Menschen doch eigentlich Hoffnung machen und ihn spontan darin beflügeln, sein Leben den Gesetz- und Funktionsweisen der Natur endlich anzupassen, um auf diesem Globus langfristig noch wirklich eine Chance haben.

    Ein absurdes Menetekel: Während die Natur das Leben des Menschen auf grausame Art und Weise bedroht, reicht sie ihm doch gleichzeitig auch die Hand, als wolle sie sich mit ihm versöhnen. Denn nicht nur die Welt, sondern auch der Klimawandel sind dem Anschein nach auf einmal gestoppt. Aber auch dieses Zeichen scheint der Mensch neben ein paar wundersamen Satellitenbildern nicht wirklich wahrzunehmen.

     

    KEIN ZUFALL!

    Und doch ist das Virus beileibe nicht vom Himmel gefallen, sondern ebenso wie der Klimawandel eine zwangsläufige Folge des ausbeuterischen Verhaltens und der intrikaten Respektlosigkeit des Menschen der Natur gegenüber. Denn epidemiologischen Erkenntnissen zufolge provozieren sogar bestimmte Essgewohnheiten in einigen Regionen dieser Erde Zoonosen, also Prozesse, die Viren vom Tier auf den Menschen überspringen lassen.

    So wie es offenbar auch auf dem Wildtiermarkt in Wuhan, einem sogenannten wet market, geschehen ist, wo Schildkröten, Salamander, Krokodile, Skorpione, Ratten, Füchse, Wolfsjunge, Zibetkatzen und Schuppentiere zum allgemeinen Verzehr angeboten werden, wobei letztere als besondere Delikatesse gelten und darüber hinaus ironischerweise auch noch vom Aussterben bedroht sind.

    Diese illegal nach China eingeschmuggelten Pangoline stehen nun im Verdacht, als Zwischenwirte COVID-19 von Fledermäusen an den Menschen weitergegeben zu haben. Wobei Fledermäuse Virologen zufolge für derartige Erreger ein wohlbekanntes und hochgefährliches Reservoir bildeten, da diese Flugtiere ein außergewöhnlich starkes und überaus resistentes Immunsystem besäßen, mit dem die Viren so richtig „trainieren“ könnten, um so zu Höchstleistungen aufzulaufen. Denn Fledermäuse überlebten deren pausenlosen Attacken unbeschadet und blieben als deren Wirt stets stabil, ohne dabei je an ihnen zu erkranken. Darüber hinaus gäben diese den Viren fatalerweise aber auch die Chance, sich in ihnen in Unzahl zu vermehren, da Fledermäuse – tagsüber schlafend – extrem eng nebeneinanderhingen – von wegen social distancing: „Das Vorkommen eines großen Reservoirs an Sars-CoV-ähnlichen Viren in Hufeisennasen-Fledermäusen, zusammen mit der Tradition in Südchina exotische Säugetiere zu essen, ist eine Zeitbombe", warnte schon 2007 eine Studie des Fachblatts Clinical Microbiology Reviews.

    Und damit schließt sich der Kreis auf perverse Art und Weise: Denn mit dem internationalen, vorwiegend massentouristischen Flugverkehr wurde es Covid-19 doch mehr als leicht gemacht, sich in Windeseile über den gesamten Globus zu verbreiten und trifft nun vor allem diejenigen Menschen, die ohnehin schon schwer unter vergifteter Luft und Lungenschwäche leiden. Denn dort, wo die Luft am Schlechtesten ist, sterben auch die meisten Menschen an COVID-19, wie eine aktuelle Studie der School of Public Health der Universität Harvard belegt. (4)

    Ein Circulus vitiosus, mit dem die Dinge mit einem Mal vom Kopf auf die Füße fallen: Liegen die wahren Existenzbedrohungen für den Menschen mittlerweile doch nicht mehr grundsätzlich in der Natur selbst begründet, sondern vielmehr im überaus provokanten und völlig unkontrollierten Charakter seines besinnungslosen Verhaltens ihr gegenüber. Dessen globale Zivilisationen nannte Ulrich Beck einst eine Weltrisikogesellschaft. Wenn das nicht mal untertrieben ist?

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    GESELLSCHAFT X.O
    GESELLSCHAFT / 18THANATOS – DIE ULTIMATIVE VERSCHWÖRUNGSTHEORIE
    17. März 2020

    Vor einigen Tagen hat Chinas Internetkontrollbehörde Cyberspace Administration das strategische Videospiel PLAGUE INC. kurzerhand aus dem landeseigenen Netz gelöscht: Das Spiel transportiere „illegale Inhalte“ teilte die Kontrollbehörde sibyllinisch mit. Und dennoch ist diese zunächst autoritär erscheinende Maßnahme durchaus nachvollziehbar, denn angesichts von COVID-19, das nicht nur China, sondern praktisch die gesamte Welt lahmzulegen droht, tritt der ganze Irrsinn dieses Computerspiels mit einem Mal brutal zutage.

     

    Kannst du die Welt infizieren?

    Genau dies ist die ungeheuerliche Frage, mit der PLAGUE INC. die Gamer der Welt zu umwerben sucht, wobei dieser Slogan so lapidar und dummdreist daherkommt, als wäre es ein Klacks, mal so eben die gesamte Weltbevölkerung zu durchseuchen. Doch der Gamer kann aufatmen, denn das Simulationsspiel lässt ihn bei dieser gigantischen Aufgabe wahrlich nicht allein und stellt ihm zu diesem Behuf jede Menge hochinfektiöser Bakterien und Viren zur Verfügung, die ihm dabei helfen sollen, sein Ziel auch wirklich zu erreichen.

    Aber damit nicht genug. Denn bei PLAGUE INC. geht es in Wahrheit gar nicht nur darum, möglichst alle Menschen auf der Welt mit hochgefährlichen Erregern zu infizieren, sondern diese darüber hinaus mithilfe dieser Erreger auch in Gänze zu vernichten – die gesamte Weltbevölkerung also. Nur das zählt!

    PLAGUE INC. wurde von der britischen Entwicklerfirma Ndemic Creations bereits 2012 auf den Internetmarkt gebracht, die ihr Produkt selbst „erschreckend realistisch“ nennt, was in der Tat auch der Fall ist. Noch erschreckender ist jedoch die Masse der 130 Millionen Gamer rund um den Globus, die mittlerweile auf dieses Spiel offenbar voll abfahren. Wobei der ganze Irrsinn in der makabren Tatsache gipfelt, dass die Downloadzahlen von PLAGUE INC. mit dem Ausbruch von realen Virusseuchen jeweils drastisch zunehmen, so wie es in der Vergangenheit bereits beim Ausbruch von Ebola oder dem Sars-Virus der Fall gewesen war. Und jetzt eben wieder bei Covid-19.

    Dass sich der Gamer am Ende allein auf der Erde wiederfinden wird, wenn er denn gewinnen sollte, verschweigt Ndemic Creations allerdings, setzt die Firma doch ganz offensichtlich auf hochpathologische Charaktere, die sich am unsäglichen Infektionsmassaker rasch berauschen, und sich angesichts all der Milliarden von ihnen Getöteter bald in ihren infantilen Allmachtsfantasien verlieren wie in einem scheinbar ewigen Orgasmus.

    Aber schon gleich zu Anfang wird der Gamer von Ndemic Creations mächtig aufgeheizt, weil dieser für seine globalen Infektionsattacken zunächst zwischen verschiedenen Schwierigkeitsstufen wählen darf, die von Einfach oder Normal bis hin zu Brutal oder Mega-Brutal reichen, sollten Gamer gleich richtig zur Sache kommen, und sich ein derart bestialisches Vorgehen nicht erst fürs Finale aufheben wollen, wenn es dann ja nur noch darum geht, noch schnell die letzten paar Millionen zu infizieren und abzumurksen, und sich diese dann schon als Herrscher aller Reußen fühlen, weil sie bereits zu Beginn mit Mega-Brutal instinktiv aufs richtige Pferd gesetzt hatten.

     

    Zunächst nur schnöde Bakterien

    Und dennoch muss jeder Gamer – ob er nun will oder nicht – zunächst mit ein paar mehr oder weniger gefährlichen Bakterien Vorlieb nehmen. Nicht zuletzt auch deshalb, um sich zunächst wenigstens einigermaßen mit den Grundregeln der Seuchenlehre vertraut machen zu können, damit er bei seinen künftigen Infektionsmassenmordaktionen nicht allzu dilettantisch vorgeht und das angestrebte Ziel schon im Ansatz verfehlt.

    Und erst dann, wenn der Gamer es wirklich geschafft haben sollte, mithilfe dieser eher harmloseren Mikroben schon einmal ein paar Millionen Menschen beiseite geschafft zu haben, darf er nun auch auf das überaus reich ausgestattete Sortiment tödlicher Erreger zurückgreifen, und sich Viren oder Parasiten seiner Wahl freischalten, um im Weiteren womöglich mit veritablen Epidemien zu reüssieren, die binnen kurzem ganze Länder leerfegen.

    Wer aber glaubt, das ganze bakterielle und virale Gemetzel sei ein Kinderspiel, der täuscht sich gewaltig. Denn in der Welt von PLAGUE INC. geht es zu wie in der Realität: So entspricht dessen Weltkarte auch exakt den real existierenden Staaten der Erde, die sich demzufolge hinsichtlich ihrer Wirtschaftskraft, Niederschlagsmenge, Temperatur und Bevölkerungsdichte gehörig voneinander unterscheiden. Dabei spielt es natürlich auch eine gewichtige Rolle, wie es diese mit der Hygiene in ihrem Land und der ärztlichen Versorgung ihrer Bevölkerung halten und vor allem, wie sie mit ihren Infizierten und Erkrankten umzugehen wissen (= Good Governance). Demzufolge sind ärmere Staaten selbstredend wesentlich schlechter aufgestellt, als wohlhabende oder gar reiche Nationen – wie gesagt, in PLAGUE INC. geht es zu wie in der Wirklichkeit.

    Doch wie bei jeder realen Epidemie, die sich über den gesamten Globus ausbreiten und schließlich zu einer waschechten Pandemie auswachsen soll, muss der Gamer zunächst einmal einen einzigen Menschen mit einem von ihm selbst ausgewählten Erreger infizieren (= Patient 0). Wie sonst sollte dieser Erreger überhaupt in die Welt kommen und sich in der Folge über die gesamte Erde ausbreiten können?

    Und dafür stehen dem Gamer jetzt auch eine Menge Möglichkeiten und Strategien zur Verfügung: So kann dieser nun beispielsweise dafür sorgen, dass möglichst viele der von ihm Infizierten – natürlich noch absolut symptomfrei und klinisch völlig unauffällig – das Flugzeug oder das Schiff nehmen, um sich fortzubewegen, so dass diese Unschuldigen dann selbst für die globale Verbreitung des Erregers sorgen und dem hinterhältigen Gamer unwissentlich dabei helfen, bei seinen massenmörderischen Aktionen einen gewaltigen Schritt weiter voranzukommen.

    Darüber hinaus kann dieser nun auch beim globalen Schiffsverkehr noch einen Zahn drauflegen, wenn er denn will, und kurzerhand alle Containerwaren mit x-beliebigen Mikroben kontaminieren, die sich, im vermeintlich harmlosen Transportgut perfekt tarnend, in der Folge dann in Unzahl über den Erdball verteilen, um so auch mal eben von einer ganz anderen Seite anzugreifen.

    Doch damit nicht genug: Denn mit jedem Teilerfolg unzähliger Infizierter und Getöteter erhält der Gamer als Anerkennung für seine Mühen umgehend eine stattliche Anzahl von DNA-Punkten, mit denen er sich dann auch noch wesentlich virulentere und widerstandsfähigere Erreger kaufen kann, die noch x-mal gefährlicher sind, als die bisher von ihm eingesetzten. Sollte er allerdings in DNA-Punkten schwelgen, kann er sich mit diesen jetzt auch sündhaft teure Keime beschaffen, die multiresistent sind und binnen kurzem zum totalen Organversagen seiner Opfer führen.

     

    Die Welt versucht sich zu wehren

    Dem wahnwitzigen Infektionsgeschehen aber sieht die Welt nicht tatenlos zu und versucht – wie in der Realität, aber in Panik – möglichst gegenzuhalten: So setzt diese nun alles daran, möglichst schnell mit der Entwicklung und dem Einsatz von HEILMITTELN zu beginnen, wie Ndemic Creations die Antibiotika süffisant und abschätzig benennt.

    Denn deren Wirkung kann der gewitzte Gamer selbstverständlich immer wieder unterlaufen, indem er beispielsweise in die Erhöhung der Resistenzen seiner Erreger investiert, oder gar in deren Mutation, um so noch üblere oder gar völlig neue Krankheitsbilder in die Welt zu bringen, was die Wissenschaftler und Mediziner verständlicherweise bald aus der Kurve trägt und sie kopflos werden lässt, weil keines ihrer Medikamente mehr wirkt und sie schließlich auch nicht mehr wissen, mit welchen Erregern sie es da eigentlich gerade zu tun haben.

     

    Ein chinesischer Gamer in Peking

    Man stelle sich nun einmal einen chinesischen Gamer vor, der sich dieser Tage in der leergefegten 20-Millionen-Metropole in Todesangst vor COVID-19 zuhause in seinem Appartement verschanzt, und am Computer PLAGUE INC. spielt. Was in dessen Kopf wohl vor sich gehen mag?

    Das absolute Chaos wahrscheinlich. Ein aberwitziges mentales Tohuwabohu nämlich, das das Hirn des Gamers außer Funktion zu setzen droht. Im Widerstreit zweier sich existentiell völlig widersprechenden Impulse zum Zerreißen gespannt – einem lebensbejahenden und einem lebensverneinenden zur gleichen Zeit, die sich gegenseitig auszulöschen drohen wie Materie und Antimaterie. Denn während der Gamer in Todesangst um sein Leben bangt, wünscht er im selben Moment den anderen die Pest an den Hals – ein seelisch nachgerade auswegloser Konflikt.

    Dabei ist der lebensverneinende Trieb nun wahrlich nicht typisch für das Leben, da er sich ja gegen dieses selbst richten würde. Und dennoch kann es vorkommen, dass der Todeswunsch vom Menschen Besitz ergreift – dann nämlich, wenn diesen eine schwere existentielle psychische oder physische Krise ereilt, weil er beispielsweise an einer unheilbaren Krankheit mit unerträglichen Schmerzen leidet, oder an einer manifesten Depression oder Psychose, und allein aus diesen Gründen nicht mehr leben will.

    Eine vitale, dem Lebensprozess aktiv zugewandte Existenz hingegen kennt den Todestrieb nicht. Es sei denn, es hängt jemand einer fundamentalen Religion an, die ideologisch auf die lebensfeindliche Haltung ihrer Gläubigen setzt, wobei diese dann gleichsam automatisch nach ihren Feinden Ausschau halten, an denen sie sich hochaggressiv und brutal zu entladen versuchen, indem sie diese kaltblütig um die Ecke bringen – der Hass aufs Lebendige betritt die Szene.


    Thanatos – Der Todestrieb

    Genau an diesem Punkt hakt Sigmund Freud ein, der in seiner Schrift Jenseits des Lustprinzips (1920) dem Menschen – wohl erstmals in der Geistesgeschichte – einen Todestrieb unterstellte: Seiner Überzeugung nach strebe dieser Trieb, den er Thanatos nannte, nach einem spannungsfreien und anorganischen Zustand des Unbelebten und Starren, wohingegen der Lebenstrieb, den er als Eros bezeichnete, die Sexual- und Selbsterhaltungsimpulse repräsentiere. „Ein Trieb wäre also ein dem belebten Organischen innenwohnender Drang zur Wiederherstellung eines früheren Zustands“, so Freud. Beide Strebungen seien im Menschen angelegt und durchmischten sich, meint dieser. So unterlägen jeder gesunden sexuellen Beziehung auch immer aggressive Züge, so etwa im nicht immer nur latenten Wunsch, den Partner unbedingt erobern zu wollen.

    In diesem Zusammenhang scheint es äußerst bemerkenswert, dass chinesische Männer eher zu einem übergriffigen, ja sadistischen Sexualverhalten neigen, wie die chinesische Frauenrechtlerin Alex Chang zu Bedenken gibt. „Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass chinesische Männer endlich begreifen, wie sehr sie hinterherhinken und dass sie chinesische Frauen nicht verdienen", sagt diese.

    Freuds Überzeugung gemäß kann sich der Todestrieb sowohl nach innen als auch nach außen richten. Im ersten Fall offenbare sich dieser durch autoaggressive Tendenzen, sich selbst Schmerzen und Leid zuzufügen wie beispielsweise beim Masochismus oder der Selbstverstümmelung. Im zweiten imponiere dieser jedoch durch ausgeprägte Aggressionsfantasien anderen Menschen gegenüber, die die Betroffenen nach deren Verletzung oder gar Tötung drängten. Freud schlug vor, in diesem Zusammenhang vom menschlichen Destruktionstrieb zu sprechen.

    Freuds Theorie aber war von Anfang an heftig umstritten. Dessen Versuch, das menschliche Aggressionsverhalten allein aus dem Todestrieb heraus zu erklären und ableiten zu wollen, stieß schon bei einigen seiner damaligen Kollegen auf heftigen Widerspruch. So sahen diese im Aggressionsverhalten des Menschen im Wesentlichen eine gleichsam natürliche und nachvollziehbare Reaktion auf Entsagungs- und Frustrationserlebnisse. Darüber hinaus betonten diese aber auch die produktiven Aspekte der Aggression, die es dem Menschen ermögliche, die Dinge auch angriffslustig anzupacken und kämpferisch voranzutreiben, statt schon beim geringsten Anlass vorzeitig aufzugeben. So ist es bei all diesem Disput bis heute noch völlig unklar, woher die Tendenz zur Destruktivität denn eigentlich kommt.

     

    Das Geheimnis der menschlichen Destruktivität

    Jetzt aber gibt der Astrophysiker Paul Davies von der Arizona State University der Frage nach dem Ursprung der menschlichen DESTRUKTIVITÄT eine ganz neue, wirklich überraschende Richtung.

    Davies leitet seit 2005 eine Forschergruppe, die herausfinden will, wie man am Sinnvollsten reagieren sollte, wenn man eines Tages tatsächlich auf Signale Außerirdischer stoßen würde. Davies Anliegen scheint durchaus nachvollziehbar: Bräuchte es in einem solchen Fall doch tatsächlich einen wirklich kühlen und überaus erfahrenen Kopf, der sich in dieser Situation unter keinen Umständen von seinen unbewussten Ängsten vor Außerirdischen leiten lassen, und deshalb gleich das Allerschlimmste befürchten sollte. Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer.

    Doch Davies geht noch einen entscheidenden Schritt weiter, indem er behauptet, dass die nervtötende und extrem aufwendige Suche nach extraterrestrischem Leben in den Weiten des Alls womöglich gar nicht notwendig sei, da die Aliens der Menschheit schon längst Spuren ihrer Existenz auf der Erde hinterlassen hätten. So etwa im menschlichen Erbgut – einer Art genomischen SETI (= Search for Extraterrestrial Intelligence), wie es Davies lapidar nennt.

    Denn für eine dem menschlichen Wesen weit überlegene Existenz wäre es relativ einfach gewesen, eine derartige Nachricht in dessen Erbgut hinterlassen zu haben, so Davies. Eine auffällige Abfolge von Buchstaben, die zum Beispiel den Primzahlen entspräche. Schließlich habe es der amerikanische Biochemiker Craig Venter ja bereits bewiesen, dass ein solches Vorgehen funktioniere, indem er seine eigene E-Mail-Adresse als Code in ein beliebiges Genom eingebaut hätte. Und was dem Menschen schon gelungen wäre, sei für solch hyperintelligente Wesen doch wirklich ein Klacks.

    Nun stellt sich aber die Frage, warum es die Aliens ausgerechnet mit derart komplizierten Methoden versucht haben sollten, den Menschen einen Hinweis auf ihre Existenz  hinterlassen zu haben? Versteckt in deren Erbgut, wo der Code der Aliens für diese doch ohnehin kaum auffindbar wäre. Zudem ist ein Code in aller Regel eine hochkomplex verschlüsselte Angelegenheit und beileibe alles andere als eine Botschaft.

    Wenn uns die Aliens tatsächlich von ihrer Existenz hätten überzeugen wollen, hätten sie es den Menschen sicherlich viel leichter gemacht, deren Nachricht auch glasklar verstehen zu können. Schließlich weiß jede dem Menschen weit überlegene Zivilisation doch sicherlich, wie sie mit diesem zu kommunizieren hat, wenn sie von ihm denn verstanden werden will.

     

    Des Rätsels Lösung

    Was aber wäre, wenn die Aliens auf eine ganz andere Art und Weise in die menschlichen Gene eingegriffen und diese womöglich manipuliert hätten? Und dies allein aus dem Grund, weil sie auf die Menschheit tatsächlich nicht so gut zu sprechen wären und diese am Liebsten ausrotten würden, da diese sich anschickten, den Erdplaneten zu vernichten, der den Aliens nicht zuletzt auch als strategisch wichtiger Stützpunkt dienen würde?

    Um sich aber nicht selbst die Hände schmutzig zu machen, könnten diese in weiser Voraussicht schon damals dafür gesorgt haben, dieses blutige Mördergeschäft der Menschheit selbst zu überlassen, indem sie ihr den Trieb zur Destruktivität schon damals ins Erbgut eingeschmuggelt hätten, ohne selbst je einen Finger krumm machen zu müssen. Der fatale Schachzug einer übergeordneten und wahrhaft weitsichtigen Intelligenz – das destruktive Genom!

    Damit wäre der Ursprung der menschlichen Destruktivität endgültig enträtselt. Eine wie immer auch wahrlich erschreckende Konstellation, die den Menschen jedoch in keiner Weise entlasten würde, sollte dieser jetzt denn behaupten wollen, einfach nicht anders zu können, als sich gegenseitig abzuschlachten oder um die Ecke zu bringen. Schließlich ist und bleibt er ein Mensch!

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