• MIERDA
    MIERDA
    VERÄPPELT!
    19. Oktober 2019

    Neulich machte eine Nachricht die Runde, die sprachlos macht. Zeigt sie doch auf besonders drastische Art und Weise, wie es wirklich um die instrumentale Mentalität der global agierenden Großkonzerne bestellt ist. So ist APPLE zwar ein amerikanischer Konzern, der im kalifornischen Cupertino seinen Sitz hat, das aber leider noch lange nicht heißt, dass dieser Megakonzern damit auch automatisch mit der Demokratie des Landes konform ginge und demgemäß agieren würde.

    So bekundet Apple nach außen hin zwar immer wieder, sich, zumindest in seiner Domäne, für ein transparenteres Internet einzusetzen – die sich ausbreitende Internetsucht sei wirklich eine Schande, wobei der Konzern auch nicht davor zurückscheut, dem Affen Political Correctness Zucker zu geben und für die Entwicklung neuer Emojis einzutreten, die Behinderte im Rollstuhl zeigen, als ob diese nicht weinen oder lachen könnten.

    Doch im Inneren des Konzerns scheint man von all dem nicht allzu viel wissen zu wollen und verfolgt offensichtlich eine ganz andere Strategie – und die heißt: Umsatz um jeden Preis. Mit dieser Ausverkauf-Devise scheint Apple mit allen Mitteln gegen den drohenden Imageverlust ankämpfen zu wollen, um weiterhin florierende Geschäfte machen zu können. Denn wirklich Neues hat der Konzern seit Jahren kaum mehr zu bieten, grundlegende innovative Ideen scheinen ihm auszugehen. Aber auch der ehemalige Absahner des Megakonzerns schwächelt – die Technologie des einst so erfolgreichen iPhones scheint völlig ausgelutscht. Steve Jobs, der Vater von Apple, der den Konzern mit seinen exorbitanten Erfindungen prägte und ihm damit seine vormals so schillernde Gestalt gab, ist schon eine Weile tot. Und ein frischer, ultrakreativer Kopf, der sein Erbe kühn weiterzuführen wüsste, bislang nicht in Sicht – APPLES Aura bröckelt.

    Also lebt der Konzern von dem, was er mehr oder weniger schon immer auf der Palette hatte. Was bleibt ihm sonst auch anderes übrig? Dabei ist APPLE gegenwärtig zu 20 Prozent seines Gesamtumsatzes von der Volksrepublik China abhängig. Und auf dieses Standbein will oder kann der Konzern offenbar unter keinen Umständen verzichten.

    Denn jetzt ist APPLE vor dem chinesischen Staatsapparat kurzerhand in die Knie gegangen und hat auf dessen harsches Drängen hin, die an sich relativ harmlose Verkehrsapp hkmap.live aus seinem Angebot entfernt. Da diese mobile Verkehrsanwendung aber auch die Bewegungen der Polizei dokumentiert hatte und deshalb von den Protestlern in Hongkong während deren Demonstrationen dazu benutzt worden war, ihre Aktionen und Bewegungen in der Stadt dementsprechend auszurichten, geriet APPLE rasch in den Fokus des chinesischen Regimes. APPLE hätte so die Aufständischen schamlos unterstützt und es ihnen so leichter gemacht, ihre gewalttätigen Aktionen durchzuführen, beklagte die Staats-Zeitung der Kommunistischen Partei aufgebracht. Man habe „Grund zu der Annahme, dass APPLE das Geschäft mit Politik und sogar illegalen Handlungen vermischt. Über die Konsequenzen seiner unklugen und rücksichtslosen Entscheidung“ müsse der Konzern nachdenken (Subtext: wisse er ja Bescheid), drohte das Parteiorgan. Das ließ sich APPLE offenbar nicht zweimal sagen und löschte die Anwendung umgehend aus seinem App Store Wer will sich schon seine Geschäfte verderben lassen? Diktatur hin, Diktatur her!

    Damit aber nicht genug: Denn schon vor zwei Jahren beugte sich APPLE der chinesischen Diktatur und entfernte auf deren Drohungen hin zahlreiche sogenannte VPN-Programme aus seinem Programm, mit deren Hilfe die ultrastrengen Internetsperren des Landes zu umgehen waren. Selbst die App der New York Times ließ APPLE schon in der Versenkung verschwinden und strich die Zeitung in seinem chinesischen Internetauftritt, weil der Staat es so wollte.

    In Wahrheit scheint APPLE mit dem demokratischen Rechtssystem nicht viel am Hut zu haben. Offenbar steht die Meinungsfreiheit für den Konzern zur Disposition. Im Gegensatz zum Prinzip der Gewinnmaximierung scheint APPLE von dieser nicht so viel zu halten. Stattdessen arbeitet das Unternehmen der gnadenlosen Zensur der chinesischen Diktatur kleinmütig zu, während es sich im Westen als liberal und aufgeschlossen präsentiert.

    Dem Kapitalismus aber sind solche Schlenker egal. Moralische oder gar ethische Kategorien sind ihm nun wirklich fremd. Und offenbar ebenso das politische System, mit dem er kooperiert, solange nur der Umsatz stimmt.

    Und damit operiert die chinesische Diktatur, die APPLE nun wahrlich nicht hängen lässt. So profitiert der Konzern gewaltig von den niedrigen Löhnen des Landes, in dem die Sonne nie untergeht, der dort allein im vergangenen Jahr 220 Millionen seiner iPhones und viele andere seiner Geräte produzieren ließ. Nicht zu vergessen, dass Foxconn, der einer der Vertragspartner von APPLE ist, zu den größten Arbeitgebern Chinas zählt.

    Im Grunde aber erscheinen APPLES chinesische Aktivitäten – so dumm es auch klingt – hinsichtlich ihrer menschenverachtenden Aspekte durchaus plausibel. Stehen sich Diktatur und Kapitalismus im Grunde doch wesentlich näher, als das zwischen Kapitalismus und Demokratie der Fall ist: Denn während diese all ihre Karten auf den Menschen setzt und ihn zum Volkssouverän erhebt, halten Kapitalismus und Diktatur nicht viel von diesem – es sei denn, er ist Konsument und funktioniert. Wie überhaupt der Konsum das einzige Phänomen zu sein scheint, das die Gesellschaften noch einigermaßen zusammenhält.

    So scheint auch Tim Cook, der gegenwärtige Chef von APPLE, genau der richtige Mann für das Unternehmen und vor allem für die Situation, in der es sich befindet, zu sein. Cook ist es nämlich gelungen, einen direkten Draht zum gegenwärtigen Präsidenten der USA Donald Trump herzustellen, ohne damit seine eigene multinationale Belegschaft oder gar die Kunden des Unternehmens zu vergraulen, die diesen Präsidenten verachten. Immer diskret im Hintergrund scheint Cook – den Trump schon mal Tim Apple nannte – stets das Optimale für seinen Konzern herauszuholen. So war es auch er, der Trump dazu überredete, zumindest das Weihnachtsgeschäft der Branche von den Strafzöllen gegen China zu verschonen.

    Hauptsache der Umsatz stimmt!

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