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    HÖLDERLIN - EINE EXPEDITION.
    Oper von Peter Ruzicka / Libretto von Peter Mussbach
    28. April 2015

    Hölderlin - Eine Expedition.

    Musiktheater in 4 Akten von Peter Ruzicka
    Libretto von Peter Mussbach

    Premiere: Sa. 30. Mai 2015 | Theater Basel | Schweizer Erstaufführung

    Musikalische Leitung: Peter Ruzicka
    Regie: Vera Nemirova

     

    Kann diese Welt ganz Heimat werden, mit solch zerrissenen Verhältnissen? Könnten diese anders sein, natürlicher, humaner, vernünftig, gar spirituell versöhnt?

    Peter Ruzickas «Hölderlin» ist eine künstlerische und menschliche Frage im Angesicht unserer Zeit – nicht der Dichter selbst, sondern dessen Werke leiten durch das Stück. Der Komponist und Dirigent Peter Ruzicka und der Textdichter Peter Mussbach nehmen die Ideenwelt Friedrich Hölderlins (1770 – 1843) auf und bieten dem Zuschauer ein Welttheater in dessen Geiste: Nach einer grossen Katastrophe haben dreizehn Figuren, sechs Frauen und sieben Männer, die Möglichkeit, die Welt und ihr Leben nochmals zu durchlaufen um schlussendlich, in einer utopischen Gemeinschaft, zusammenzufinden.

    Die Inszenierung nimmt die Reise beim Wort und entsendet die Figuren ins Theater. Eine Künstlergruppe, Sänger, Spieler und ihr Regisseur, wird von einer Katastrophe ganz real bedroht. Das Theater wird geschlossen und zwar: jetzt gleich! Es gilt, sich dagegen zu verteidigen! Die Expedition wird zum Stück über ein Stück und zieht durch das Theater im Theater, erstrebend die Freiheit spielender Menschen.

    Mit «Hölderlin – Eine Expedition» zeigt das Theater Basel zum Abschluss der Spielzeit 2014/2015 und am Ende der Intendanz Georges Delnons erneut einer zeitgenössischen Musiktheaterproduktion, die dem Publikum eine ganz eigene Klangwelt näher bringt: Peter Ruzickas Musik antwortet auf die Dichtungen Hölderlins in Annäherung an künstlerische Gesten des Poeten – mit Geschichtsbewusstsein und Selbstreflexion. Das musikalische Denken Ruzickas ist tief in der europäischen Tradition verwurzelt und erweitert und reflektiert diese durch die Erfahrung der Geschichte, mit Ernst und Lust, mit Spiel und Anspielungen auf Motive und Musik der musikalischen Moderne. Alban-Berg-Zitate tauchen ebenso auf, wie Anleihen bei Wagner oder melancholisch-leere Erinnerungen an Mozart. Die Sehnsucht, das fast Vergessene, Verlorene und schmerzliche Vermisste, mit Blick auf Historie und Gegenwart, sind der meditativen Innerlichkeit, den kristallinen Sphären, technischen Wiederholungen und bisweilen zornig-affektreichen Eruptionen dieses Orchester- und Stimmklangs anzuhören.

    Vera Nemirova, sie brachte in Basel bereits Giuseppe Verdis «Un ballo in maschera» und Richard Wagners «Lohengrin» erfolgreich auf die Bühne, stellt sich dem Basler Publikum mit «Hölderlin – Eine Expedition» als Regisseurin zeitgenössischer Musik vor. Das komplexe Werk ist ihre zweite Zusammenarbeit mit dem Komponisten Peter Ruzicka, dessen erste Oper «Celan» sie 2009 am Theater Bremen inszenierte. Ihre Interpretation liest die Themen Hölderlins und Ruzickas als Frage an uns alle: Ist das Theater für die Auseinandersetzung einer Gesellschaft mit sich und ihrer Geschichte derart verzichtbar geworden? Inspiriert von den allgegenwärtigen Nützlichkeitsdebatten stellen Vera Nemirova und ihre Ausstatterin Heike Scheele gemeinsam mit dem Werk Ruzickas und Mussbachs in unseren vermeintlich desillusionierten, postideologischen und funktionsorientierten Zeiten die drängende Frage: Wie würde sich unsere Gegenwart den Augen eines Hölderlin ausnehmen?

    Das Publikum erlebt das Sinfonieorchester Basel unter der Leitung des Komponisten.

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