• Aus dem Buch
    Buch 2: DER SCHREI - Film zum Film
    Teleportation/ Exoplanet/ Supererde
    aus dem Kapitel LA LIBERTÈ
    29. Oktober 2014

    „Sie haben den Punkt getroffen Mrs Craft, es gibt nur diese zwei Möglichkeiten. Entweder wir reißen das Steuer herum und kriegen die Dinge wieder in den Griff oder wir müssen weg, zu einem anderen Planeten, so einfach ist das. Stephen Hawking gibt uns noch 200 Jahre. Bis dahin sollten wir die notwendigen Technologien entwickelt haben, um für den Ernstfall gerüstet zu sein.“

    „An dieser Technologie wird schon gearbeitet, Mr Sueton?“

    „Davon können Sie ausgehen! Alles andere wäre fahrlässig, denn die Zukunft des Menschen liegt im Weltraum. Das sich rasant beschleunigende Wachstum der Weltbevölkerung, die begrenzten und zur Neige gehenden Ressourcen, die Wasserknappheit und nicht zuletzt der Klimawandel werden für uns alle zur Bedrohung. Und es wird schwierig, das Überleben des Superorganismus Mensch die nächsten hundert Jahre sicherzustellen, geschweige denn die nächsten tausend, da hat Hawking völlig recht.“

    „Muss man so pessimistisch sein?“
    „Was heißt pessimistisch, im Augenblick sieht es doch nicht gerade rosig aus auf unserem Planeten!"

  • Aus dem Buch
    Buch 2: DER SCHREI - Film zum Film
    Quantencomputer / NSA
    aus dem Kapitel THE TRUTH
    28. Oktober 2014

    Patrik schwirrte der Kopf. Fahrig wischte er sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn, die Kabine war überheizt und die Klimaanlage nicht abzustellen. Verdammt, die hatten einen Quantencomputer im Einsatz. Anders konnte es nicht sein. Warum war er nicht schon früher auf die Idee gekommen? Er schloss die Augen, konzentrierte sich mit aller Energie und sortierte die Gedanken, die auf ihn einströmten: Die Sache mit dem Quantencomputer war heiß. Wirklich heiß. Vor ein paar Monaten hatte es dafür sogar den Nobelpreis gegeben.

    Praktisch jeder Geheimdienst der Welt arbeitete fieberhaft an dieser Megamaschine. Denn die brächte den dringlich ersehnten Vorteil, den Cyberwar  endlich für sich entscheiden zu können, und das binnen kurzer Zeit. Die herkömmlichen Computer schossen zwar noch wild durch die Gegend, mit Stuxnet  und Flame  zum Beispiel. Mit dem Quantencomputer aber war der Feind wirklich unsichtbar geworden, als trüge er eine teuflische Tarnkappe. Und der verwandelte die alten Binärkisten im Nu zu jämmerlichen Schrotthaufen und zerfetzte – wenn man denn wollte – die transnationalen Computernetze und ließ globales Chaos losbrechen. Schließlich hing ja alle Welt am Netz – die Geheimdienste, die Militärs, die Finanzmärkte, die Industrie, das öffentliche Leben, die Stromversorgung, die Verkehrssicherheit und die Atomkraftwerke, einfach alles. Mit dem Quantencomputer hätte man im Handumdrehen die Hegemonie über die Welt errungen. Die Welt war ja zum Netz geworden – bis zum Zerreißen gespannt.

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    Buch 2: DER SCHREI - Film zum Film
    Cyborg
    aus dem Kapitel THE TRUTH
    27. Oktober 2014

    „In letzter Zeit spür ich ab und zu so ein ekelhaftes Sirren im Schädel. Vor allem dann, wenn mir der Azteke  in den Sinn kommt ... ich muss nur an ihn denken und schon vibriert der Schädel wie unter Strom. So, als kündige sich ein Anfall an, und ich sollte nicht an ihn denken und ihn provozieren.

    Dann flimmert es auch einen Moment vor meinen Augen, ziemlich heftig und wirklich unangenehm. Und wenn ich mal zornig werde, ist dieses Sirren auch da und blockiert mich für ein paar Sekunden, als hielte mich jemand fest, damit ich nicht aus der Haut fahre. Ist relativ neu, das Gefühl. Hab’s zunächst nicht so richtig bemerkt, hat aber mit meinen häufigen Kopfschmerzen nicht das Geringste zu tun. Irgendetwas stimmt nicht mit mir. Keine Ahnung was.“

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    Buch 2: DER SCHREI - Film zum Film
    Verschränkung
    aus dem Kapitel THE TRUTH
    27. Oktober 2014

    Der Zauberschlüssel zum Quantencomputer  war die Quantenverschränkung. Ein derart mysteriöses Phänomen, dass selbst Physiker enorme Schwierigkeiten hatten, sich darunter wirklich etwas vorstellen zu können. Einstein hatte sie eine spukhafte Fernwirkung genannt und einen Riesenbogen um das Phänomen gemacht.

    Verschränkung  bedeutete, dass Quanten wie Photonen oder Elektronen sich auf wundersame Weise so inniglich verbinden konnten, dass sie in ihrem Verhalten absolut identisch wurden wie zwei superperfekte Synchronschwimmer: Was der eine machte, machte der andere, absolut synchron, also gleichzeitig. Und das, obwohl die Teilchen tausende von Lichtjahren voneinander entfernt durch den Kosmos schossen. Eine magische Energie ließ sie sich paaren und verlieh ihnen einen völlig identischen Puls. Würfelte das eine Elektron mit drei Würfeln eine 1, 3 und 6, dann hatte das andere im selben Moment dieselben Zahlen geworfen. Aus zwei Elektronen war mit einem Mal ein Elektron zweimal geworden. Eine Art Doppelgänger, der sich exakt so verhielt wie der andere. Patrik erschrak, als er sich plötzlich neben sich sah, weil er sich im Plexiglas der Nasszelle spiegelte.

    Der geheimnisumwitterten Allianz hatte der Physiker Erwin Schrödinger 1930 den Namen Verschränkung  gegeben. Patrik war völlig aus dem Häuschen geraten, als er erstmals von ihr erfuhr. Im Zusammenhang mit dem Quantencomputer natürlich. Vor zwei Jahren, als er gerade zu Anonymous gestoßen war und ihm sein Hackerkollege Sabu von LulzSec von der Verschränkung  erzählt hatte. Seit einem halben Jahr etwa hatte er sich wesentlich konkreter mit dem Phänomen auseinandergesetzt, da hatte er die Dateien der IARPA gehackt und in der Folge deren Arbeit am hochgeheimen Quantencomputer ausspioniert.

    Verschränkung  – automatisch hatte er Liebe assoziiert, als er das Wort erstmals hörte. Da wurde ja auch aus zweien schnell mal eins, vor allem wenn es blitzte und Hals über Kopf geschah.

    Worin dieser mysteriöse Informationsaustausch gründete, war völlig unklar. Die Physik rätselte und forschte mit Hochdruck. Neulich hatte Patrik ein Interview mit Nicolas Gisin gelesen, der mit Kollegen in einem Genfer Labor versucht hatte, die Geschwindigkeit der spukhaften Fernwirkung zu messen. Die Physiker kippten aus dem Sessel, als sie sich über ihre Messergebnisse beugten: 10.000 mal schneller als Licht war die Geschwindigkeit dieses sogenannten Informationsaustauschs. Sie bewegte sich im nicht mehr messbaren Bereich. Die Instrumente versagten. Patrik hatte nur mit dem Kopf geschüttelt. Da floss kein Strom zwischen beiden Teilchen, keine Energie, die tausendmal schneller war als Licht, das sie verschränkte, da war sich Patrik instinktiv sicher. So schnell war keine Information auszutauschen, wenn sie bei beiden Teilchen gleichzeitig ankommen sollte. Gisin hatte Recht, wenn er behauptete, dass jede Theorie, welche die Quantenverschränkung mit einem Übermittlungsmechanismus zu erklären versuchte, selbst wahrhaft spukhaft sei. 

    Plötzlich kam Patrik der Starenschwarm in den Sinn, den er als Kind mit Robert auf einem ihrer Streifzüge durch die Natur in Maine beobachtet hatte: Tausende Vögel waren da am Himmel herumgeflogen, aber alle wie einer. Jeder Vogel dieser magischen Wolke, die am Himmel permanent ihre wabernde Form veränderte, war in identischer und synchroner Bewegung begriffen, als steuerte sie eine Geisterhand. Patrik war es vorgekommen, als wären es nicht die Vögel, welche die pulsierende Wolke bildeten, sondern vielmehr die Energie der Wolke selbst, die den Schwarm synchron bewegte. Er hatte nicht mehr wegschauen können und war noch Minuten später völlig entgeistert durch die Landschaft gestolpert. Mein Gott, jetzt erinnerte er sich: Robert hatte ihm erklärt, es sei die Verschränkung, die sie da gerade beobachtet hatten. Einen Augenblick habe die Natur ihnen eines ihrer ewigen Rätsel offenbart. „Die Vögel sind verschränkt“, hatte ihm Robert gesagt, er aber kein Wort verstanden und es bald vergessen. Patrik drehte das Wasser so kalt, wie es ging. Er war völlig aufgewühlt. Die Welt der Quanten war wahrlich ein Universum voller fantastischer Rätsel. Am besten gab man alle Vorstellungen aus der bekannten Welt an der Garderobe ab, bevor man sich in dieses Paralleluniversum  vorwagte, in dem sich so unglaubliche Dinge ereigneten.