• Aus dem Buch
    Buch 2: DER SCHREI - Film zum Film
    Bewusstsein / II
    aus dem Kapitel THE LAB
    03. November 2014

    „Frederik hat recht“, unterbrach Sarah Forster. „Man sollte das Bewusstsein nicht überschätzen. Und man sollte mit ihm spielen, wie es mit uns spielt.“
    „Ach so? Wie soll ich das verstehen?“
    „Das Bewusstsein ist keine objektive Größe. Es zeigt uns nicht die Welt, wie sie ist. Es zeigt uns die Welt, wie wir sie sehen sollen, damit wir nicht in Panik verfallen und die Orientierung verlieren, sonst wären wir verloren. In diesem Sinne ist es vor allem eine Schutzfunktion, die aber in ihrer offenkundigen Begrenztheit vorsichtig erweitert werden kann. Da sind Schätze zu heben in unseren Köpfen. Und dabei geht es nicht um Manipulation, sondern um die positive Entfaltung zerebraler Kapazitäten.“
    „Ist ja interessant! Und wie funktioniert die Erweiterung des Bewusstseins, Sarah, rein praktisch, meine ich“, fragte Patrik und versuchte ihrem Blick standzuhalten.
    „Gute Frage! Wollen Sie’s mal ausprobieren?“
    „Warum nicht?“
    „Ein kleines, harmloses Experiment, Sie werden staunen.“
    „Na dann mal los!“
    Frederik packte Patrik entsetzt am Arm und riss ihn herum.

  • Lesung
    Novelle 1: CHRISTL / Video
    Christl Kapitel 12/ 2
    von Peter Mussbach
    01. November 2014

    gelesen von Peter Mussbach

    „Jetzt aber kommt das Allerwichtigste“, fährt die Mori unbeirrt fort, „denn im Grunde gibt es bei uns gar keine eindeutige Trennung zwischen Körper und Seele. Keinen prinzipiellen Unterschied zwischen Materiellem und Geistigem, aber da werden Sie mir sicher nicht folgen können.

    Wir verwandeln uns nämlich ineinander, wie es uns beliebt. Das macht es uns allen leichter, weil ein Körper weiß, was es bedeutet, Seele zu sein, und umgekehrt.“

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  • Aus dem Buch
    Buch 2: DER SCHREI - Film zum Film
    Bewusstsein / I
    aus dem Kapitel THE TRUTH
    31. Oktober 2014

    Finis Temporis, von wegen Neuzeit, alles ist dunkel geworden und aus dem Individuum ein nasser Sack mit krankem Bewusstsein. Da will man sich in seiner Not doch noch wenigstens irgendein funktionierendes Bewusstsein kaufen, wenn es denn schon überall von Wirtschaft und Medien angeboten wird. Da wird man doch mal in einen Ratgeber für Unglückliche blicken dürfen, der für jedermann das geeignete bereithält; ein Fitnessbewusstsein bis 120 zum Beispiel. Oder ein Amüsier-dich-zu-Tode-Bewusstsein, um nichts mitzubekommen. Oder ein Halte-durch-du-bist-der-King-Bewusstsein für die Karriereleiter. Oder ein esoterisches Komme-zu-dir-selbst-Bewusstsein. Oder ein Rette-sich-wer-kann-Bewusstsein für Defätisten. Überall ist was dabei auf dem Markt der Bewusstseinsindustrie, die Milliarden scheffelt und sich seine Untertanen per Inserat sucht. Alle Welt kämpft um das Bewusstsein, die Medien, der Cyberspace, die Automobilverkäufer, die Ratgeber und Populisten, die Rechten und die Linken, der Islam und das Christentum. Nur die Banker nicht. Denn die wollen gar keins haben. Das können sie sich in ihrem Job auch nicht leisten.

    Das Bewusstsein hängt am Tropf und geht vor die Hunde. Und das Fatale ist, dass es keiner bemerkt. Oder nicht merken will! Denn möglicherweise ist das Gehirn ja bereits in seiner Absterbephase angekommen, wie die Biologen sagen würden. Ein Bewusstsein haben wir zwar seit
    50 000 Jahren, aber wer sagt uns, dass wir es in 50 000 Jahren auch noch haben werden?

    Das Bewusstsein erstickt am allgemeinen Irrsinn der Reizüberflutung. Von wegen Multitasking! Es verbarrikadiert sich und engt sich immer mehr ein, es ist einfach überfordert. Und seine ohnehin äußerst eingeschränkte Kapazität erlahmt und schrumpft, bevor wir es noch richtig für uns entdecken konnten. Es schmilzt uns förmlich unter der Schädeldecke weg und gerinnt zu formloser Gallerte.

  • Aus dem Buch
    Buch 2: DER SCHREI - Film zum Film
    Zukunft der Menschheit
    aus dem Kapitel THE TRUTH
    30. Oktober 2014

    „Uns bleiben im Grunde nur zwei Möglichkeiten, meine Damen und Herren“, begann er völlig überraschend und kam sofort zur Sache. „Entweder gehen wir in einer riesigen, von uns selbst angezettelten Katastrophe unter und die wenigen Überlebenden, die es dann noch gibt, werden als versprengte Horden durch die Pampa irren wie damals vor ca. 100 000 Jahren der Homo sapiens sapiens. Nein, meine Damen und Herren, ich stottere nicht! So haben ihn seine Nachfahren getauft, als glaubten sie nicht so recht an dessen Verstand und wiederholten das Wort sapiens nur, um ihn zu beschwören, doch endlich zur Vernunft zu kommen.

    Die zweite Möglichkeit, die wir haben, besteht in der Beantwortung der Frage, ob es uns gelingt, gleichsam im letzten Augenblick, den Kurs der Entwicklung, den der Mensch nimmt, zu ändern und ihn dazu zu befähigen, sich auf diesem Planeten doch noch einzurichten. "Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns die Hoffnung gegeben", hat mal ein deutscher Philosoph gesagt. Und: "Nur um der Vernunft willen, ist uns Vernunft gegeben", könnte man hinzufügen.