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    ZERO
    05. Oktober 2017

    WAS WÄRE DENN, WENN STEPHEN PADDOCK TATSÄCHLICH GÄNZLICH OHNE MOTIV GEHANDELT HÄTTE? EINFACH SO. DANN HÄTTEN WIR ES – ZUM ERSTEN MAL KLAR BELEGT – MIT EINEM TÄTERTYPUS ZU TUN, DER NACHGERADE PERFEKT ZUM ZUSTAND UNSERER GEGENWART PASST.

    DENN DAS GEHEIMNIS SEINER TAT WÄRE, DASS ER KEINES HATTE. DIE SCHRANKEN SIND GEFALLEN, ZIVILISATORISCHE HEMMUNGEN SCHNEE VON GESTERN. REALITÄT IST VIRTUELL UND VIRTUALITÄT REAL.

    MIXED REALITY – WAS MÖGLICH IST, IST MÖGLICH, DIREKT UND OHNE UMSCHWEIFE. SELBST DAS DESTRUKTIVE BRAUCHT KEINE UMMANTELUNG MEHR, UM SICH SINN ZU GEBEN – PLÖTZLICH IST ES DA UND BRICHT SICH BAHN.

    DIE TRIVIALISIERUNG DES LEBENS HEIßT AUCH, ES BIS AUF DIE KNOCHEN ZU RADIKALISIEREN.

    „ICH HOFFE, SIE FINDEN EINEN TUMOR IN SEINEM KOPF“, SAGT PADDOCKS BRUDER, DER SICH DIE SACHE SCHÖNREDEN WILL.

    ABER SEINE HOFFNUNGEN WERDEN SICH VERMUTLICH NICHT ERFÜLLEN!

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  • MIERDA
    MIERDA
    WIEN, WIEN, NUR DU ALLEIN . . .
    25. September 2017

    Kürzlich machte ein Experiment der Universität Wien (Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethodik) Schlagzeilen, das bei Männern vermutlich für Furore sorgte: „Frauen bewerten Bilder von männlichen Gesichtern als attraktiver und daten diese Männer eher, wenn sie zuvor Musik gehört haben“, ließ die Pressestelle der Universität verlauten. FOCUS Online reagierte prompt: „So erhöhen sie ihre Chancen auf einen One-Night-Stand!“, informierte das Magazin die Männerwelt.

    Wow, welch bahnbrechende Erkenntnis, könnte man meinen, bricht ob der Klamotte jedoch spontan in schallendes Gelächter aus. Doch halt, die Grundlagenforscher meinen es todernst:

    „Je größer die musikalische Erregung, desto größer ist der Effekt von Musik auf die sexuelle Anziehung.“ (Kurze Frage: Soll jetzt jeder Mann beim SACRE DU PRINTEMPS einen Orgasmus bekommen wenn eine Frau dirigiert?) „Musik ist Teil jeder Kultur, aber der Ursprung von Musik gibt nach wie vor große Rätsel auf. (So ist es. Trotzdem schön, dass es sie gibt!) „Warum investieren Menschen so viel Energie, Zeit und Geld in Musik?“ (Ist doch besser als in Drogen, oder?) „Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Entstehungstheorien, und einige davon betonen die biologischen und sozialen Aspekte von Musik. Charles Darwin meinte z.B. im Rahmen seiner Evolutionstheorie, dass sich Musik durch sexuelle Selektion entwickelt hat.“ (Aha Sex – der zieht immer, um in die Schlagzeilen zu kommen. Es gibt aber auch andere Theorien: Wie wär’s zum Beispiel mit der Mutter-Kind-Beziehung und dem Lullaby?) „Die motorischen und kognitiven Fähigkeiten, die beim Musizieren notwendig sind, dienen dabei als Indikator für gute Gene und erhöhen somit den Fortpflanzungserfolg. Dies ist vergleichbar mit dem Gesang von Vögeln in der Paarungszeit.“ (Welch windschiefer Vergleich, beim Menschen ist es doch genau andersherum. Hier sind nur die Frauen aufgebrezelt, und die Männer singen nicht, sondern wollen nur vögeln!) „Derzeit gibt es nur wenige empirische Befunde, die Darwins Theorie zum Ursprung von Musik stützen.“ (Wie schade. Aber jetzt kommt’s:) „Wir wollten ein neues experimentelles Paradigma anwenden, um die Rolle von Musik bei der Partnerwahl zu untersuchen. Die Attraktivität des Gesichts ist eines der wichtigsten körperlichen Merkmale, welche die Partnerwahl beeinflussen kann. Wir wollten herausfinden, wie Musik die Wahrnehmung dieses Merkmales verändern kann.“ (Ach so? Das ist doch sattsam bekannt!) „Da Musik vor allem vor der Technologisierung immer im Hier und Jetzt stattfand ...“ (Musik ereignet sich immer im Hier und Jetzt. ‚Musik befreit Zeit von Zeitlichkeit’ hat schon Novalis gesagt.) „ ... und meist im sozialen Kontext erlebt wurde, ist es plausibel anzunehmen, dass Musik die visuelle Wahrnehmung von Gesichtern positiv beeinflussen könnte.“ (Verdammt alter Zopf! Die Grundlagenforscher haben offenbar keine Ahnung von ihrem Metier: Als Ingrid Bergmann einmal von ihrer Tochter auf CASABLANCA angesprochen wurde, in dem die Bergmann an der Seite von Humphrey Bogart (Rick) und Paul Henreid (László) die weibliche Hauptrolle spielte, erzählte sie ihr, Michael Curtiz, der Regisseur, hätte sie schier in den Wahnsinn getrieben, weil er das Drehbuch erst während des Drehs konzipierte und Tag für Tag niederschrieb. So hätte sie nie gewusst, wie es weitergeht, geschweige denn, für welchen der beiden Rivalen sie sich am Ende entscheiden würde. Also hätte sie den beiden gegenüber eher neutral gespielt und sich dabei gedacht, die Filmmusik würde es dem Zuschauer am Ende schon verraten wer der Auserwählte sei!)

    „In ihrem Experiment präsentierten die WissenschaftlerInnen den heterosexuellen TeilnehmerInnen instrumentale Musikausschnitte, die in Bezug auf ihren emotionalen Gehalt variierten, gefolgt von Bildern von einem gegengeschlechtlichen Gesicht mit neutralem (Sic!) Gesichtsausdruck (Schon wieder die Bergmann!). Das Gesicht wurde in Bezug auf seine Attraktivität auf einer Skala bewertet. Zudem wurde auch die Bereitschaft, diese Person zu daten, erhoben. In der Kontrollgruppe wurden nur Gesichter ohne Musik präsentiert. Es gab drei Gruppen von TeilnehmerInnen: Frauen in der fruchtbaren Phase ihres Zyklus, Frauen in der unfruchtbaren Phase ihres Zyklus und Männer. Diese Gruppen waren sich in ihren musikalischen Vorlieben und ihrer musikalischen Ausbildung, sowie in ihrer Stimmung vor dem Experiment und in ihrem Beziehungsstatus ähnlich.“ (Was man nicht alles bedenken muss, um aufwühlende Ergebnisse zu erzielen!) „Die Resultate zeigten, dass Musik zu erhöhter Attraktivität von männlichen Gesichtern und Bereitschaft zu einem Date bei Frauen führte. Die Zyklusphase hatte keinen großen Einfluss auf die Bewertungen.“ (Von wegen Paarungszeit!) „Vor allem hoch erregende und somit komplexe Musik führte zum größten Effekt im Vergleich zur Kontrollbedingung. Bei Männern konnte dieser Effekt nicht nachgewiesen werden.“

    Trotz allem, der letzte Satz hat’s in sich und birgt wahrlich Sprengstoff. Denn wieder einmal bekommt der Mann sein Fett weg – und das auch noch wissenschaftlich unterfüttert. Offenbar ist er ein Ignorant und mit seinen Vogelkollegen in keiner Weise vergleichbar. Wer ist er denn, die Frauen so im Regen stehen zu lassen, wenn sie sich in aufreizende Klangwolken hüllen, um ihrem Look den ultimativen Kick zu verleihen, nur um ihn aufzugeilen? Offenbar hat er jeglichen Sinn für Romantik und betörende Musik verloren, das Weichei. Wo ist der Macho geblieben, der die Frau einst erst mal tanzen ließ, bevor er richtig zupackte – zu welchen Klängen und Rhythmen auch immer? Hat er denn vor lauter Feminismus derart Muffensausen, dass er seine erotischen Instinkte unter der Vorhaut versteckt, wenn er angemacht wird, vor lauter Angst, er könne falsch reagieren und sich lächerlich machen? Die Männer scheinen nur noch der Schatten ihrer selbst. Selbst die Spermien kommen ihnen allmählich abhanden, was ebenfalls wissenschaftlich belegt ist.

    Und dennoch, hinsichtlich ihres musikalischen Affronts sollten die Männer den Frauen wenigstens etwas entgegen kommen. Und das vielleicht auch nur, um das weibliche Vorurteil, der Mann von heute sei passiv und unbedarft, endlich aus der Welt zu schaffen. Folglich sollte sich der Mann den Frauen künftig nur noch musikalisch präsentieren, wenn er geil ist. Bei Schwulen aber sollte er vorsichtig sein, das sind nämlich Männer, die auf Musik anspringen. Aber die wurden von den Forschern nasskalt übergangen, offenkundig sollte das Experiment eindeutige Ergebnisse liefern und die Sache nicht unnötig verkomplizieren.

    Aber wie auch immer, um sich entsprechend zu präsentieren könnten die Heteros beispielsweise in einer Lounge ohne Muzak Platz nehmen, mit einem zweiten Handy unterm Jackett oder in der Hosentasche verborgen, aus dem supercoole Musik erklänge, von sanften, aber unerbittlichen Rhythmen unterlegt – die Frauen in der Lounge gerieten außer Rand und Band und würden sie wegen eines ONE-NIGHT-STANDS nur so umschwirren, wie das Wiener Grundlagenexperiment ja nahelegt. Auf einem Dating Portal hätte es der Hetero allerdings leichter, mit geilen Klängen und seinem Bild in der WEBCAM. Aber welcher Song wäre der richtige, welche Musik, verdammt, um die Frauen in der Lounge oder im Netz so richtig in Ekstase zu versetzten?

    In dieser Frage flüchten sich die Wiener Forscher ins Vage. Offensichtlich wollen sie sich keine Blöße geben, schließlich ist Musik reine Geschmackssache, wie jedes Kind weiß: Was die eine antörnt, törnt die andere ab. Also stehlen sich die Experimentatoren aus der Affäre und werden sybillinisch: „Die instrumentalen Musikausschnitte variierten in Bezug auf ihren emotionalen Gehalt. ... Vor allem hoch erregende und somit komplexe Musik führte zum größten Effekt!“ – Musik ohne Gesang, okay! Aber was heißt „hoch erregend“? Hoch erregend kann vieles sein – ein Instrumentalmedley der Stones zum Beispiel oder Berlioz Romeo und Julia. Es kommt da eben ganz auf die Frau an. Und „komplex“? Hauptsache das Mädel hat keine Komplexe, wenn sie ihren ONE-NIGHT-STAND einfordern will.

    Auch der Blick in die Studie selbst, publiziert in PLoS ONE 12(9): Marin, M. M., Schober, R., Gingras, B., & Leder, H. (2017). Misattribution of musical arousal increases sexual attraction towards opposite-sex faces in females bringt den Ratlosen nicht weiter und erhärtet den Verdacht des gewollt Nebulösen: „Eighty excerpts of 19th-century piano solo music were chosen from the stimulus set. ... This musical style was selected because it is mostly unfamiliar (!) to participants, and because we previously showed that music in this style can be used to prime the emotional processing of environmental scenes.“ 

    Unfamiliar? Durften die Probanden die Musik nicht mögen, die sie eigentlich elektrifizieren sollte? Sollte sie ungewohnt, unvertraut und fremd auf sie wirken? Wie konnte sie dann sexuelle Gefühle provozieren? Waren die weiblichen Probanden allesamt Masochistinnen? Kein Wunder, dass den Männern bei den achtzig (!) Ausschnitten antiquierter Klaviermusik aus dem 19. Jahrhunderts nicht das Herz überging. Beethoven, Schubert oder Chopin sind nun alles andere als Heißmacher. War da etwa auch die Hammerklaviersonate dabei? Und die sollte die Frauen heiß gemacht haben? Warum dann nicht gleich Gregorianische Gesänge auf der Playlist, die wären zwar von vorvorgestern, aber momentan ziemlich in.

    Verdammt, haben die Grundlagenforscher denn noch nie etwas von Baby-Making Music gehört? I Wanna Sex You Up von Color Me Badd beispielsweise. Der Song ist auf der Playlist von Spotify – also selbst in Wien für jedermann ohne großen Aufwand zugänglich. Die Ergebnisse wären wahrlich berauschender gewesen und die Männer mit Spaß an der Sache, soviel ist sicher.

    Etwas erfreulicher hingegen mag für manche Heteros die Nachricht klingen, dass die Wissenschaftler ein neues Experiment planen: Nun wollen sie nämlich untersuchen, inwieweit „musikalische Fähigkeiten und Kreativität Schwächen in Bezug auf körperliche Erscheinung und Fitness zum Teil (!) kompensieren können.“ Das Experiment lässt hellhörig werden, bietet sich vielleicht doch bald auch den Hässlichen die Chance, allein durch Musik wenigstens teilweise etwas ansehnlicher zu erscheinen. Wie wär’s in diesem Zusammenhang beispielsweise mit dem altbekannten Song „Man müsste Klavier spielen können, wer Klavier spielt, hat Glück bei den Frauen!“ als erotischer Stimulus? Diesen Gassenhauer ins Experiment einzubauen wäre doch mal eine Idee. Wenn der aber nicht wirkt, könnten die Männer ja die Flucht nach vorn ergreifen und sich selbst ans Klavier setzen. Klavierspielen kann man auch noch im Erwachsenenalter lernen.

    Wem das aber alles nichts hilft, sollte den ganzen Kram vergessen, sich entspannt vor seinem Laptop fläzen und sich seinen Lieblingsporno reinziehen. Dabei könnte er ja mit ALEXA Dirty Talk pflegen. So was ist zwar keine Musik, aber trotzdem geil.

    "Du bekommst gleich den Aal abgezogen", sagt sie im Originalton. „Ich butter dir dein Brötchen, du Dreamboy. Es wird Zeit, dass du auf der G-Saite spielst."

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    ANTHROPOZÄN
    KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
    DAS ENDE? TEIL 2
    22. August 2017

    Der Mensch, den man mittlerweile User nennt, ist auf dem besten Weg, sich mit jeder Faser seines Herzens im Cyberspace zu verlieren. Der Sog, den diese virtuelle Parallelwelt auf sein Gehirn ausübt, ist einfach zu groß, basieren dessen neurophysiologisch-kognitiven Funktionen wie Wahrnehmung, Denken und Erinnern im Wesentlichen doch ebenso auf Virtualität und spiegeln dem Menschen die Welt lediglich vor, die es – außer in seinem Kopf – sonst so nicht gibt.

    Das instinktive Wissen darüber ist alt. Schon Platon ließ es im HÖHLENGLEICHNIS seiner Politeía anschaulich werden. Dort hocken die Menschen angekettet auf dem Boden einer finsteren Höhle und starren gebannt auf die Dinge, deren Schatten sie auf einer Höhlenwand an sich vorüberziehen sehen und diese für die Wirklichkeit halten. In Wahrheit aber befindet sich die Welt außerhalb der Höhle im Rücken der Menschen. Nur durch eine schmale Öffnung oben im Gestein mit dieser verbunden. Draußen wird die Welt von einem Feuer illuminiert, dessen flackerndes Licht die Schatten der Dinge durch die Öffnung an die Höhlenwand wirft, auf welche die Menschen gezwungenermaßen blicken.

    Platons Höhlengleichnis kommt nicht nur der morphologischen Struktur, sondern auch den spezifischen Funktionsweisen des visuellen Systems des Menschen ziemlich nah. Denn dessen Sehrinde genanntes Areal, das tief im Hinterhauptlappen des Gehirns verborgen liegt, erinnert an eine dunkle Höhle und ist dabei auch noch genau jener Ort, an dem der Mensch die Dinge tatsächlich sieht. Auf einer mikroanatomisch sich wölbenden Projektionsfläche in seinem Kopfkino wie auf einer Höhlenwand, höchst indirekt, vermutlich auch nur schemenhaft, aber letztlich virtuell, ohne dass er es bemerkte. Der Mensch sieht nicht mit Augen, er sieht mit seinem Gehirn.

    Die Dinge im Kopf ins Lot zu bringen und wirklich real und sinnvoll erscheinen zu lassen ist die wohl wichtigste Aufgabe des Gehirns. Vor allem aber die seiner kognitiven Funktionen, welche die Aufrechterhaltung der individuellen Orientierung und Stabilität gewährleisten und – den Ergebnissen seriöser Hirnforschung zufolge – sogar die Selbst-Empfindung lediglich simulieren, um den Menschen als vermeintlich ganzheitliches Wesen der Außenwelt gegenüber handlungsfähig zu erhalten. Denn auch die im Frontalhirn lokalisierten Ich-Empfindungen sind im Grunde nichts anderes als eine virtuose Simulation zentralnervös gesteuerter Prozesse, die sich im Unbewussten abspielen und dem Zugriff des Bewusstseins unweigerlich entziehen. „Es geht hier um ein Lügen ohne Vorsatz“, bemerkt Michael Gazzaniga in diesem Zusammenhang. „Es sind Illusionen, aber es sind sehr nützliche Illusionen. Wenn man die Ich-Instanz zerstört, kann der Mensch nicht mehr in komplexen Situationen handeln. Das wäre in etwa so, als wenn man jemandem, der ein kompliziertes Verkehrssystem leitet, seinen Computer wegnimmt. Dann ist er verloren.“

    Der Mensch ist nicht die selbstbestimmte Individualität, für die er sich hält, sein Selbst nur Suggestion, und die Wirklichkeit, in der er lebt, nichts als Imagination, zusammengeklittert aus Milliarden von Nervenimpulsen, die das Gehirn – als einzigen Kontakt zur Umwelt – nur über die Sinnesrezeptoren des Körpers empfangen kann, die es augenblicklich in elektrische Impulse umwandelt, um diese überhaupt bearbeiten zu können – Signale aus einer Welt, die es nicht kennt, sondern notgedrungen selbst kreieren muss.

    Der Cyberspace entlastet das per se träge, bevorzugt in eingefahrenen Gleisen arbeitende Gehirn, und vereinfacht dessen hochkomplexe und energieaufwendigen Transformations- und Täuschungsprozesse. Er setzt es gleichsam frei von Realität und lässt den Wahrnehmungsprozessen freien Lauf. Auch die Ich-Instanzen der Großhirnrinde finden Erleichterung, denn angesichts der imaginären Parallelwelt fühlt sich der User frei und hinterfragt sich nicht. Ganz im Gegenteil. Seiner Ich-Grenzen gleichsam entledigt kann er in jede Rolle schlüpfen und spielt mit der eigenen Identität, um sich die geheimsten Wünsche zu erfüllen. Die Realität schindet das Ich, der Cyberspace verflüssigt es. Das Gehirn scheint sich die ihm adäquate Weltmaschine erschaffen zu haben – es ist süchtig nach ihr. Virtualität trifft auf Virtualität. Eine evolutionsbiologisch fatale Koinzidenz – die digitale Mutation

    Der Cyberspace ist zur neuen Wirklichkeit des Menschen geworden. Er hat den offensichtlich in die Jahre gekommenen Blick auf die Welt, der über Jahrtausende hinweg der Vorherrschende war und all sein Fühlen, Denken und Handeln bestimmte, ins Innere der Virtualität abwandern lassen – in eine das Selbst entblößende Welt, die nicht etwa anderen, sondern gar keinen Gesetzmäßigkeiten mehr unterliegt. Der Mensch hat seine alte Wirklichkeit aus den Augen verloren und nur mehr solche fürs Display. Das Gehirn hat ihn in die Zange genommen und in eine genuin virtuelle Welt versetzt, die nicht mehr ins Virtuelle transformiert werden muss um den Menschen bei Sinnen zu halten. Sein ohnehin schon immer virtuelles ICH scheint endlich am (!) rechten Ort angekommen, um sich nicht mehr allzu ernst nehmen zu müssen – jetzt kann die Identität jede Wette eingehen.

    Der Identitäts-Shift, der das menschliche Wesen erfasst hat, kommt einem mentalen Paradigmenwechsel gleich und wird in seiner wahren Dimension fatalerweise nur unzureichend erkannt, wobei sich die wissenschaftliche Debatte möglicher Gründe im Regelfall auf die Problematisierung der Onlinesucht beschränkt und sich in der Skizzierung psychologischer Randphänomene erschöpft. Der Abhängige suche „nach neuen Handlungsmöglichkeiten“ und „fliehe vor der Realität“, heißt es da. Er unterläge „negativen Emotionen“ oder „persönlichen Problemen“, litte unter „Minderwertigkeitskomplexen“ oder hätte „Probleme mit der sozialen Kontaktaufnahme“, was zur „Vereinsamung“ führe. Eine Onlinesucht in diesem Sinne gäbe es gar nicht, halten andere dagegen, denn sie könne sich in den verschiedensten Formen äußern, so beispielsweise im „Chatten, Gamen oder Surfen“ oder im „Online-Porno-Konsum“. Von wegen, die Onlinesucht sei gar keine Krankheit, widersprechen andere. Es handele sich hierbei lediglich um Symptome anderer Grunderkrankungen wie der „Störung der Impulskontrolle“ oder der „Zwangsstörung“.

    Konfusion wohin man blickt. Ebenso ratlos zeigt man sich (wohl notwendigerweise) hinsichtlich möglicher Therapieansätze: So gibt es beispielsweise im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf seit 2009 eine sogenannte „PC-Sprechstunde“. Diese wendet sich an „Jugendliche, deren Internet- oder Computergebrauch so exzessiv wurde, dass er ein Problem darstellt. Für die meisten (!) Patienten bietet sich an, einmal in der Woche an unserem Gruppenprogramm ‚Lebenslust statt Online-Flucht’ teilzunehmen“, lässt eine Psychologin der Klinik wissen, die zu allem Überfluss auch noch Moll heißt.

    Überhaupt kriegen die Jugendlichen beim Thema Onlinesucht ihr Fett weg: fast 300 000 seien in Deutschland abhängig, behauptet der Deutschlandfunk im Februar 2017. 600 000, berichtet die SZ im darauf folgenden Mai. Aber nein doch, behaupten andere, nicht nur Jugendliche sind betroffen, sondern auch „Ältere“ und „Frauen“, das belegen unsere Statistiken. Von wegen, möchte man kontern, praktisch alle hängen mittlerweile im Netz. Selbst die Alten, wie man auf Reisen beobachten kann – da erübrigt sich jegliche Statistik.

    Aber bei allem hin und her, die der Onlinesucht zugrunde liegenden Prozesse sind grundsätzlich nicht pathologischer Natur, beruhen sie doch primär auf GESUNDEN und nicht etwa auf KRANKEN Hirnprozessen. Gehirn und Cyberspace sind wahlverwandt und treffen sich gleichsam auf kognitiver Ebene: Die virtuelle Welt macht es dem Gehirn bequem, also stellt es sich auf sie ein und passt sich an. Und dabei verändern sich zwangsläufig dessen Strukturen: neuronale Vernetzungsmuster nehmen einen anderen Charakter an und neuroanatomische Areale wachsen oder schrumpfen, je nach Grad des Gebrauchs und ihrer Aktivität. Das Gehirn verändert sich, je nach Aufgabe, mit der es sich konfrontiert sieht. Dessen KORTIKALE PLASTIZITÄT genannte Kapazität bewirkt die überlebensnotwendigen Anpassungsprozesse an die Umgebung des Menschen. Es passt ihn an die Wirklichkeit, in der er sich aufhält, an und garantiert seine Funktionsfähigkeit in ihr. Fatalerweise ist der Cyberspace zur vorherrschenden Lebenswirklichkeit des Menschen geworden – der Präferenzwelt des Gehirns in der es aus Bequemlichkeit die ihm adäquate Weltrepräsentanz gefunden hat. Der mentale Identitäts-Shift – der Mensch wird ein anderer.

    Fortsetzung folgt

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    ANTHROPOZÄN
    KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
    DAS ENDE? / TEIL 1
    17. Juli 2017

    Der Homo Sapiens hat den Glauben an sich verloren – die Dinge entgleiten ihm. Nach seinem in der Evolutionsgeschichte allen irdischen Lebens wohl einzigartigen Siegeszug rund um den Globus, den er sich binnen 10.000 Jahren – ein Wimperschlag im Vergleich zur Erdgeschichte – untertan machte und sich selbst die Krone der Schöpfung aufs Haupt setzte, schlottern ihm auf einmal die Knie. Selbstzweifel zernagen ihn. Sein Selbstverständnis gerät ins Wanken. Schon werden Unkenrufe laut, die ihm und seiner Art ein baldiges Ende prophezeien.

    Solch ein Schicksal könnte den Menschen bereits 2050 ereilt haben, mutmaßt Jeff Nesbitt, der ehemalige Leiter für Rechts- und Öffentlichkeitsangelegenheiten der National Science Foundation, und warnt, wie unter anderen auch der KI-Pionier Stuart Russel von der Universität Berkeley, ausdrücklich vor den Folgen einer außer Kontrolle geratenen KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ, die sich zu einem Supercomputer weiterentwickeln könne, der, dem menschlichen Verstand weit überlegen, als Superintelligenz alle Probleme völlig autonom lösen und den Menschen letztlich überflüssig machen werde.

    Düstere, nicht selten von Weltuntergangsphantasien begleitete Warnungen vor Maschinen sind in der jüngeren Geschichte des Menschen wahrlich nicht neu: mit jeder die Lebensbedingungen von Grund auf verändernden technischen Innovation oder gar Revolution gingen beileibe nicht nur Jubel, sondern immer auch tiefes Misstrauen und abgründige Ängste einher. Heutzutage mag es vielleicht amüsieren, in Hans Christian Andersens En Digters Bazar (1842) von dessen Eisenbahnfieber zu lesen, das den Autor auf einer Zugfahrt von Magdeburg nach Leipzig ereilte. Der Geschwindigkeitsrausch und die damit verbundene Verschiebung der Raumwahrnehmung raubten ihm förmlich die Sinne. Jahre früher schon hatte ein Geistlicher aus dem Mittelfränkischen gegen die erste deutsche Eisenbahn gewettert, die ab 1835 zwischen Nürnberg und Fürth unterwegs war. Die Maschine sei ein Teufelsding, ereiferte sich der Geistliche von der Kanzel herab, die Menschheit werde die höllische Erfindung büßen: Der Qualm vergifte Fahrgäste und grasendes Vieh. Der Fahrtwind führe zu Lungenentzündungen, und das rasante Tempo unweigerlich zur Gehirnverwirrung. Es dauerte nicht lange, dann war das Eisenbahnfieber eine ärztliche Diagnose, und die Krankheit, das Delirium furiosum, die böse Folge einer menschenfeindlichen Technik.

    Episoden dieserart könnte man rasch als „verschroben“ abtun oder in der Schublade „Neurasthenie“ ablegen, verrieten sie nicht Grundsätzliches über das Verhältnis des Menschen zur Maschine, die er seinerseits immer auch mit gemischten Gefühlen wahrgenommen hatte. Maschinen sind dazu da, das Leben zu erleichtern. Und es angenehmer zu machen und – wenn möglich – stetig zu perfektionieren. Die Dampfmaschine aber hatte ihren Eigenlauf. Bald schon diktierte sie den Lebensrhythmus der Menschen (MODERN TIMES – CHAPLIN) und stellte die Gesellschaft auf den Kopf: Aus einer ständischen, auf Handel beruhenden Gesellschaft wurde im Handumdrehen eine Klassengesellschaft aus Kapitalisten und Lohnarbeitern. Das aber war denjenigen, die am Ruder saßen völlig egal – der Umsatz musste stimmen. Die Konsequenzen waren immens: Der Mensch hatte seine Arbeit aus den Händen gegeben und den Maschinen überlassen. Die Industrielle Revolution hatte begonnen und nahm ihren Lauf.

    Man muss keine große Phantasie entwickeln, um sich vorzustellen, dass die auf Schienen dahindonnernde Dampfmaschine auf viele Zeitgenossen furchteinflößend gewirkt haben muss. Ihr monströser Eindruck war so verstörend, dass selbst Pferde scheuten und Passanten bei ihrem bloßen Anblick erstarrten. Und natürlich war die Maschine viel zu schnell. An ein Tempo von 40 km/h – heute eine Lächerlichkeit – waren die Menschen damals einfach nicht gewöhnt – ihr Gehirn war von dieser Geschwindigkeit schlichtweg überfordert. Es konnte die völlig ungewohnt auf es einstürzenden Impulse so auf die Schnelle einfach nicht sinnvoll verarbeiten. Statt den Fahrgästen Orientierung und Stabilität zu verleihen (was immerhin mit zu seinen primären Aufgaben zählt), produzierte es nur Schwindel und Erbrechen – das Gehirn hatte das Eisenbahnfieber ereilt.

    Das soll heutzutage vielen Gehirnen mit der VR-Brille nicht viel anders ergehen: denen wird ebenso übel und schwindlig, wenn sich die User mit der Spaßbrille vor Augen urplötzlich im virtuellen Raum wiederfinden und ihr Gehirn aufgrund der bizarren Raumdimensionen außer Kontrolle gerät –  erfasst von einer Art Elektronikfieber, dem Eisenbahnfieber nicht ganz unähnlich.

    Das Gehirn ist ein faules Organ. Neurowissenschaftler werfen ihm sogar vor, mit dem einen oder anderen Reaktionsmuster noch in der Steinzeit festzustecken. Vornehm ausgedrückt arbeitet das Gehirn ökonomisch, wie es so schön heißt, stützt sich am Liebsten auf klassische Denkschubladen und bevorzugt im Wesentlichen Erfahrung – Routine und bekannte Wege. Seine dabei nun wirklich nicht unkomplizierte Aufgabe besteht auf der Reduktion von Komplexität, sonst würde der Mensch durchdrehen und wäre nicht überlebensfähig. Pro Sekunde prallen ca. 11 Millionen Sinneseindrücke auf das Gehirn ein. Und davon nimmt es glücklicherweise nur 40 bewusst wahr – ein Schutzmechanismus der vitale Gründe hat: Stabilität und Orientierung lautet die Devise. Deshalb überrascht es auch nicht, wenn Maschinen, die das Gehirn urplötzlich in völlig ungewohnte Dimensionen katapultieren, dieses erst einmal kapitulieren lässt. Ein Gehirn wohlgemerkt, das sich diese Maschinen selbst ausgedacht hatte.

    Aber zurück zur Eisenbahn, die im Grunde nichts anderes als die konsequente Weiterentwicklung der Dampfmaschinen war, die in eigens für sie aus dem Boden gestampften Fabriken massenhaft Ware produzierten, die an den Mann gebracht werden musste. Markterweiterung um jeden Preis lautete die Devise der Industriellen Revolution, die von Großbritannien ihren Ausgang nahm. Also begann man die bis dahin schier unüberwindbaren Unwegsamkeiten des Raums mit Schienensträngen zu überwinden. Die RAILWAY MANIA setzte ein: Eine globale „Verkehrsrevolution“ (Hans Rosenberg), mit der sich der Mensch die Erde ein zweites Mal unterwarf. Diesmal aber nicht neugierig auf die Welt und von Erkundungsdrang vorangetrieben wie in grauer Vorzeit, sondern einzig allein aus ökonomisch-strategischen Gründen. Mit der zweiten, der technisch-maschinellen Inbesitznahme der Erde war der moderne Kapitalismus geboren. Besessen von der Idee, den Widrigkeiten der Natur zu widerstehen und deren Kräfte und Ressourcen zu kapitalisieren. Der besinnungslose Raubbau an der Natur hatte begonnen und nahm seinen kompromisslosen, aber auch fatalen Verlauf, wie wir heute wissen. Der Geldrausch verblende die Hirne – die Weichen waren gestellt.

    Bald geriert auch die Eisenbahn in den Strudel des explodierenden Kapitals und wurde rasch zum beliebtesten Spekulationsobjekt. Ein in der Wirtschaftsgeschichte bislang nicht gekanntes Spekulationsfieber ergriff die Agenten einer aus den Fugen geratenen Ökonomie und generierte völlig neue Kapitalbeschaffungsmethoden: Fonds und öffentliche Anleihen zum Beispiel. Der Aktienhandel trieb horrende Blüten und die Börse stand Kopf. Bis die Blase schon 1857 platzte und die erste Weltwirtschaftskrise heraufbeschwor. Ausgelöst von Edward Ludlow, einem einzelnen Mann, der den noch blutjungen Kapitalismus kollabieren ließ. Er war ein einfacher Angestellter im New Yorker Büro der angesehenen Bank Ohio Life Insurance and Trust Company, die Unsummen am Eisenbahnboom verdiente. Und Ludlow zockte mit Eisenbahnaktien, lieh sich heimlich bei anderen Banken Geld und wurde immer maßloser, bis er schlagartig alles verlor und damit auch die Bank mit in den Abgrund stürzte. „Ich habe die unangenehme Pflicht bekanntzugeben, dass diese Gesellschaft ihre Zahlungen eingestellt hat“, teilte der Präsident der Ohio Life, Charles Stetson, am 24. August 1857 lapidar mit und generierte Millionen Arbeitslose.

    Die Industrielle Revolution – welch ein absurder Begriff. Verkehrt er doch die Dinge und dichtet dem 19. Jahrhundert eine Revolution der Maschinen an. Eine Bewegung, zu der eigentlich nur Menschen fähig sind: Maschinen haben keine Beine und können nicht auf die Barrikaden gehen! Und dennoch, dieser bizarre Anthropomorphismus verdankt sich tatsächlich einer Revolution – der Französischen von 1789 nämlich. Adolphe Jerome Blanqui hat ihn knapp fünfzig Jahre später in die Welt gesetzt: „Kaum dem Gehirn der beiden genialen Männer Watt und Arkwright entsprossen, nahm die industrielle Revolution von England Besitz“, schrieb er. Kaum dem menschlichen Gehirn entsprungen, unterjochten die Maschinen den Menschen als besäßen sie ein Eigenleben, lautet er im Klartext. Die Szenerie weckt böse Phantasien und erinnert an Fritz Langs Film Metropolis aus dem Jahre 1927: In diesem malochen Arbeiter in einer Fabrikhalle der Unterstadt roboterartig an einer monströsen Maschine, die durch den Bedienungsfehler eines völlig entkräfteten Arbeiters außer Kontrolle gerät, sich unversehens in einen Moloch verwandelt und die Arbeiter mit weit aufgerissenem Maul kurzerhand auffrisst und sie so zu Opfern des Maschinenzeitalters werden lässt. Einer Epoche, „die wohl wie keine andere im Leben der Menschen so fundamental gewesen ist“, wie Eric Hobsbawm in „Das lange 19. Jahrhundert“ anmerkt. Weder der Ackerbau, oder die Entdeckung der Metalle, noch die Siedlungen in der Jungsteinzeit seien mit dieser Epoche vergleichbar.

    Das Bild von der Menschen fressenden Maschine kommt nicht von ungefähr. Schließlich hatte der aufkeimende Kapitalismus die Gesellschaft binnen kurzem durcheinandergewirbelt und sich eine neue soziale Klasse geschaffen – das Proletariat, den Arbeiter an der Maschine. Jetzt bestimmte die Maschine den Lebensrhythmus der Masse, schließlich wollten die Maschinen bedient sein. Der Mensch war zur Ware geworden, reduziert auf seine Arbeitskraft, die er zu verkaufen hatte, wenn er überleben wollte.

    Die Rechnung ging auf: In Großbritannien, dem Heimatland des modernen Kapitalismus, lag die Wachstumsrate der Wirtschaft Mitte des 19. Jahrhunderts zeitweise bei 17 Prozent. Jeder lechzte nach Beschäftigung, denn Arbeitslosigkeit hieß nacktes Elend. Und auf der Straße standen genug Menschen bereit, noch länger und für noch weniger Geld zu schuften – die industrielle Reservearmee, wie Karl Marx sie nannte. Und dennoch: Trotz des schwindelerregenden Aufschwungs kam bald die nächste große Krise – die Weltwirtschaftskrise 1873. Ausgelöst von einer Überproduktion der Industrie und der Spekulation mit Aktien, ein damals völlig neues Geschäft. Streiks und Unruhen nehmen zu. Kein Wunder, dass man jetzt das Proletariat mit ganz anderen Augen betrachtet und in ihm eine Gefahr für soziale und politische Stabilität zu erkennen glaubt. Und in Deutschland wird nach einem Sündenbock für die anhaltende Stagnation gefahndet und findet ihn prompt beim „jüdischen Wucherer“ oder „Halsabschneider“. Der Historiker Heinrich von Treitschke bringt es 1879 auf den Punkt: „Die Juden sind unser Unglück.“ Mit der Dritten Weltwirtschaftskrise 1929 ist deren Schicksal in Europa endgültig besiegelt: Als die Weimarer Republik nach dem Börsencrash in den USA die aufgrund des verlorenen 1. Weltkriegs gestellten Reparationsforderungen an die Siegermächte nicht mehr berappen kann, die sich bis dahin vor allem durch amerikanische Anleihen finanzierten, werden Lohnsenkungen und Sozialabbau fällig. Hunger und Not zwingen die Bevölkerung in die Knie und soziale Unruhen brechen aus. 1933 steigt die Arbeitslosenzahl auf fast neun Millionen und Adolf Hitler erringt die Macht.

    Heutzutage geht es dem Menschen wahrlich besser, zumindest in der westlichen Hemisphäre. Das Leben scheint zivilisierter und viele, die früher nur davon träumen konnten, genießen heute den Wohlstand und frönen dem Konsum. Selbst die Maschinen haben ihren bedrohlichen Charakter verloren und arbeiten jetzt selbstständig und vollautomatisch in den verwaisenden Fabriken. Endlich hat sich der Mensch der schweißtreibenden und Kräfte verzehrenden Maloche entledigt und offenbar auch dazu gelernt. Denn nun hat er Maschinen, die ihm sogar zur Seite stehen und ihn – gleichsam auf Augenhöhe – rund um die Uhr umsorgen. Wie echte Kumpels, die ihm all das bieten, wonach ihm gerade so der Sinn steht, liefern sie ihm die Welt frei Haus und lassen ihn am Leben draußen in all seinen Facetten teilnehmen. Dies allerdings nicht real, sondern virtuell. Und dennoch, der Mensch ist süchtig nach dieser Maschine.

    Und sein Gehirn erst recht: denn es liebt das Virtuelle, schließlich arbeitet es ja selbst auf diese Art und Weise. Der Modus, in dem es dem Menschen die Welt vor Augen führt, ist beispielsweise alles andere als objektiv, denn der Mensch sieht beileibe nicht das, was ist, er sieht, was er sehen soll. Die Lichtimpulse, die auf die Netzhaut treffen, werden in elektrische Impulse umgewandelt und müssen erst einmal etliche Kontrollinstanzen durchlaufen, bevor sie zu den Bildern werden, die der Mensch in seinem Heimkino zu Gesicht bekommt. Dieses Areal liegt bezeichnenderweise im Hinterlappen des Gehirns und beweist allein schon anatomisch dass der Mensch nicht unmittelbar mit seinen Augen sieht. Schließlich soll das zensierte Bild seinem jeweiligen Naturell entsprechen, abgeglichen mit dessen bereits abgespeicherten Erfahrungen, Gefühlen, Vorlieben oder Abneigungen. Nähme der Mensch seine Umgebung ungefiltert war, könnte er gleich in die Klapsmühle abwandern. In diesem Sinne wandelt der Mensch von Anfang an durchs Virtuelle. Und das Gefühl, dass dem so ist, hat ihn schon immer umgetrieben – seine Philosophie legt davon ein beredtes Zeugnis ab.

    Bilder jedoch, die genuin virtuell sind, also von vorneherein gestanzt, werden vom Gehirn direkt ins Heimkino durchgewinkt. Solche Bilder sind unproblematisch und müssen nicht bearbeitet und zensiert werden, denn sie haben mit Orientierung und Stabilisierung im realen Raum nicht das Geringste zu tun. Für das Gehirn ist ein Drohnenbild aus großer Höhe auf dem Display ein wahrer Spaziergang, wohingegen diejenigen Bilder, die es beim aktiven Gleitschirmfliegen zu verarbeiten hat, ihm als Kraftakt richtig Arbeit machen und zuweilen auch zu Schwindel führen können. Auf den aber fällt das Gehirn nicht herein, wenn ihm das Drohnenbild vor Augen kommt. Im Gegenteil. Es bleibt entspannt und verlangt mehr von solcher Bequemlichkeit, die den Menschen letztlich abhängig macht.

    Besonders gravierend aber ist die Manipulierbarkeit des Gehirns. Es täuscht nicht nur den Menschen, wenn auch aus reinen Selbsterhaltungsgründen, nein, es lässt sich selbst auch täuschen. Auch die Neurowissenschaftler, Adepten einer wahren Modedisziplin, werden nicht müde vor der Verführbarkeit des Gehirns zu warnen, geben dem Affen Zucker und scheinen angesichts dessen Labilität selbst immer mehr in Verwirrung zu geraten. Selbst beim Shoppen ist der Mensch nicht bei Sinnen. Rabatte sorgen für Dopamin-Rausch. Schnäppchen bringen unser Gehirn zum Leuchten! behaupten sie allen Ernstes und schmeißen sich wie in Focus-Online an die Konsumenten ran, um ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen:

    Beim Einkaufen wird unser Gehirn offenbar außer Kraft gesetzt. Dann landen viele Artikel im Einkaufswagen, die wir eigentlich gar nicht brauchen. Der rationale Kunde ist ein Mythos. Hirnforscher haben in die Köpfe der Verbraucher geschaut und spannende Entdeckungen gemacht: Der Hirnforscher Bernd Weber von der Universität Bonn hat Testpersonen in einem Kernspintomographen (MRT) verschiedene Produkte mit und ohne Rabattzeichen auf einer Videobrille vorgespielt. Die Bereiche des Gehirns, die stärker aktiviert werden, werden stärker durchblutet. Das Ergebnis des Tests: Sonderangebote bringen das Belohnungsnetzwerk im Vorderhirn regelrecht zum Leuchten. Gemma Calvert, Professorin für Neuroimaging an der University of Warwick, hat bei Untersuchungen außerdem festgestellt, dass sich in den Gehirnen gläubiger Probanden immer dann, wenn sie starke Marken wahrnahmen – ein iPhone, eine Rolex, einen Ferrari – die gleichen Aktivitäten abspielten wie beim Anblick religiöser Bilder. Es gab keinen erkennbaren Unterschied in der Reaktion der Gehirne auf starke Marken oder auf religiöse Kultgegenstände und Personen. Das erklärt vielleicht den Apple-Kult. Wie können wir uns gegen die Schnäppchen-Falle schützen? Sind wir deshalb dem Handel blind ausgeliefert? Nein. Gehen Sie raus aus dem Geschäft, einmal um den Block oder schlafen Sie eine Nacht darüber. Dann hat das Frontalhirn Zeit, wieder seine Kontrollfunktion hochzufahren.

    Wie aber soll das Frontalhirn seine Kontrollfunktion wieder „hochfahren“, wo es doch ohnehin schlappzumachen droht? Im Frontalhirn – das auch der menschlichste Teil des Gehirns genannt wird – glauben die Neurowissenschaftler den Sitz der Persönlichkeit verortet und in dessen Area 24 das Selbstbewusstsein. Funktionsstörungen in diesem Hirnareal sind durch Aufmerksamkeitsdefizite, Konzentrationsstörungen, Interessensverlust, Gefühllosigkeit, sozialen Rückzug, Depression und Selbstzweifel charakterisiert – Symptome wohlgemerkt, die allesamt beim modernen Menschen zu beobachten sind.

    Die Gründe hierfür reichen tief, greifen auf fatale Art und Weise ineinander und verstärken sich gegenseitig. Dabei ist die Schwächung der individuellen Persönlichkeitsstruktur wahrlich nicht neu. Sie reicht in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück, in denen sich mit dem sogenannten Wirtschaftswunder ein Konsumverhalten etablierte, das sich nicht mehr nur auf Dinge, sondern zunehmend auch auf menschliche Qualitäten auszudehnen begann. Die Ära, sich vermeintlich alles kaufen zu können, hatte begonnen. Das war neu und führte mehr und mehr zur Veräußerlichung der Lebensinhalte, deren Ideale jetzt vorwiegend in den Werbeannoncen zu finden waren, denn in den Herzen der Menschen. Die Außenwelt begann die Innenwelt zu dominieren.

    Mit der Einführung des Internets (= WORLD WIDE WEB) in den 90er-Jahren verstärkte sich diese Entwicklung und nahm rasant an Fahrt auf. Denn die neue Kommunikationsmaschine traf auf mental und kognitiv angeschlagene Gesellschaften, die dem Individualitätswahn und Konsumrausch seit Jahrzehnten bereits massenhaft verfallen waren und sich der Maschine umgehend bemächtigten. Und bald schon war aus diesem primär kommunikationsneutralen Instrument der Tummelplatz nichtiger Geschwätzigkeiten und selbstentblößender Selbstdarstellungsorgien geworden, durchsetzt von den hinterhältigen Strategien einer mit allen Wassern gewaschenen Konsumismusindustrie, die sich das Netz als weltweiten Absatzmarkt längst unter den Nagel gerissen hatte.

    Dabei war der Zweck des WWW ursprünglich ein ganz anderer, denn der junge Informatiker Tim Berner-Lee wollte für die Physiker des CERN – das unter hoher Personalfluktuation litt – im März 1989 ein Informationsmanagement entwickeln: Ein universell verbundenes Informationssystem, „in dem Allgemeingültigkeit und Portabilität (=Übertragbarkeit von Programmen auf unterschiedliche Datenverarbeitungsanlagen) wichtiger sind als aufwendige Grafiktechnik oder komplexe Extras. ... Von Menschen lesbare Informationen, die ohne Einschränkungen verknüpft werden können." Verblüffenderweise aber hatte Berner-Lee die möglichen Konsequenzen seiner Maschine schon vorausgedacht: In einigen Jahren werde der Rest der Welt dieselben Probleme haben wie das CERN, schrieb er. Und dafür werde es dann vermutlich „eine kommerzielle Lösung geben".
    Und richtig: die kommerzielle Lösung ist da. An die Kapitalisierung seiner Erfindung aber hatte die IT-Legende nicht gedacht. Und ebenso wenig an die Dummheit und Ignoranz, die Spießigkeit (=FACEBOOK), den Rassismus und die Menschenverachtung, die sich mittlerweile in seinem WWW breit gemacht hat und es, wenigstens in Teilen, auch zu beherrschen scheinen – das knallharte und schonungslose Spiegelbild der Gesellschaften, deren User es nutzen, um mit dabei zu sein. Und das kann jeder. Auch die gesellschaftlichen Extrembereiche – ob nun rechts oder links, denen einfach das Medium fehlte – kommen mehr denn je zum Vorschein und mischen sich unters Volk, das zu repräsentieren sie vorgeben. Statt verantwortungsbewusstem Austausch essentieller Informationen herrscht Chaos. Statt Überschaubarkeit und Transparenz, nichtiges Gequassel und Hass. Die Köpfe ersticken im Müll, die Meere im Plastik und der Himmel im Weltraum-Schrott. Schicksalsbehaftete Analogien!

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