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    FROHE BOTSCHAFT
    24. Dezember 2019

    IN JAPAN HABEN SIE JETZT EINEN ROBOTER ALS MÖNCH, DER DEN GLÄUBIGEN INS GEWISSEN REDET.

    DER AUTOMAT ARBEITET IN KYOTOS KODAIYI-TEMPEL ALS PREDIGER UND HEISST EIGENTLICH MINDAR, OBWOHL ER ALS ERSCHEINUNG DER BUDDHISTISCHEN GOTTHEIT KANNON ZU DEN MENSCHEN SPRICHT.

    IN MINDAR ABER IST NICHT IRGENDEIN GOTT HINEINGEFAHREN, SONDERN LEDIGLICH ELEKTRISCHER STROM, DER DIE MASCHINE AM LAUFEN HÄLT.

    UND DENNOCH, DIE MASCHINE IST GOTT – DAS VERMUTLICH BEDEUTSAMSTE SIGNUM DER ZEIT.

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  • MIERDA
    MIERDA
    DIE VIER JAHRESZEITEN
    09. Dezember 2019

    Die Lage ist wahrhaft katastrophal, denn mittlerweile macht der Klimawandel vor rein gar nichts mehr halt. So wirbelt er nun auch schon das Wetter im Konzertsaal höllisch durcheinander – dort also, wo man bislang noch glaubte, ein sicheres Dach über dem Kopf zu haben, um sich, aller Unbill draußen zum Trotz, wieder einmal ganz der Musik hinzugeben. Und selbst die Gewitterstürme, die man dort ab und an über sich ergehen lassen musste, waren nur halb so schlimm, wusste man im Grunde doch, was auf einen zukommen würde.

    So wie beispielsweise in der Pastoralsymphonie von Ludwig van Beethoven, deren furchteinflößendes Gewitter über einem urplötzlich hereinbrach, wenn man schon eine geraume Weile mit dem Landvolk durch idyllische Gegenden gestreift war und nun, schon leicht besäuselt und völlig ahnungslos, mit den anderen in den Abend hineintanzte – ein Gewitter, das es mit seinen grellen Blitzen und niederschmetternden Donnerschlägen wirklich in sich hatte und einem auf der Stelle den Atem verschlug. Ja selbst den sturzbachartigen Regenguss, der urplötzlich auf die Erde niederprasselte, konnte man förmlich den Körper hinabrieseln fühlen, wenn man sich nur ganz dem Geschehen hingab.

    Aber, wie gesagt, der ganze Schrecken war nur halb so schlimm, schließlich wusste man ja genau, auf welche Art Gewitter sich man da gerade eingelassen hatte. Und bei Beethovens Pastorale konnte man sicher sein, dass das Ganze nicht länger als vier Minuten andauern und darüber hinaus auch keinen wirklichen Schaden anrichten würde. Außerdem fieberte man während des furchtbaren Getöses insgeheim schon dem letzten Satz der Symphonie entgegen, der einem nach all dem Schrecken schlussendlich „frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm“ verhieß. Auf solch ein Wetter war einfach noch Verlass.

    Diese Zeiten aber scheinen längst vorbei. Denn nun ist man mit einem Mal auch in der Musik vor den verrückten Wetterkapriolen des Klimawandels nicht mehr sicher, hat dieser doch jetzt – völlig überraschender Weise – sogar die berühmten VIER JAHRESZEITEN von Antonio Vivaldi in Mitleidenschaft gezogen und in dessen wunderbarer Komposition durch seine zerstörerischen Kräfte nichts als Verwüstung hinterlassen. Und dies wohlgemerkt in einer Musik, von der man bislang geglaubt hatte, sie wäre absolut wind- und wetterfest und sei – wie keine andere sonst – vor dem Wetterchaos draußen nun wirklich gefeit.

    So war man beispielsweise von den jüngsten Überschwemmungen, die Venedig unter Wasser setzten, nicht sonderlich überrascht, ist es doch mit seiner prekären Lage mitten im Meer dessen beständig ansteigendem Pegel praktisch schutzlos ausgeliefert, wohingegen es einem eiskalt den Rücken herunterlief, als man von den VIER JAHRESZEITEN und den entsetzlichen Klimaturbulenzen erfuhr. Einem Werk also, das sich zwar bedingungslos dem Wettergeschehen ausliefert, sich dennoch aber über die Jahrhunderte hinweg klimatisch als erstaunlich stabil erwiesen hatte – so beständig in seinen konstanten und absolut harmonischen Schwankungen wie es das Wetter vor 300 Jahren eben noch war, als es tatsächlich noch einen die Sinne verzückenden Frühling gab, dem ein idyllischer Sommer mit saftigem, vor Energie berstendem Grün und besonders lauen Nächten folgte, woraufhin der laubbunte Herbst allmählich ins Land zog – die Zeit der dankbaren Ernte und angenehm kühlenden Winde, die schließlich frostig und stürmisch den Winter einläuteten, der die Welt bei klirrender Kälte mit tiefem Schnee ins echoarme Weiß tauchte und ihr so endlich für eine gewisse Zeit Ruhe und Besinnung brachte. Das heißt aber noch lange nicht, dass Vivaldis Musik wetternostalgisch alten Zeiten nachtrauern würde, schließlich entstammt sie dem Jahre 1725, als man noch nicht ständig über das Wetter jammerte und nicht gleich bei jedem Unwetter sofort das Allerschlimmste vermutete.

    Natürlich kommen in den VIER JAHRESZEITEN neben sachten Brisen und sanften Zephyrwinden ganz selbstverständlich auch immer wieder Stürme und Gewitter vor, die urplötzlich über Land und Mensch hinwegfegen, gehören diese zum Wetter doch einfach dazu. So beispielsweise ein veritabler Frühlingssturm, der selbst das Vogelgezwitscher augenblicklich zum Verstummen bringt. Und dann sogar auch ein übler Sommerorkan, der mit seinem eisigen Nordwind für kalte Nasen und Ohren sorgt, sich endlich aber – mit hochvirtuosen Tonleiterfolgen und wilden Akkordbrechungen – in einem fulminanten, aber auch wirklich befreienden Gewitter entlädt, sodass man bald wieder Ruhe findet und sich entspannt den letzten lauen Sommerabenden überlassen kann.

    Doch im Vergleich zu dieser Herz und Sinne erfüllenden Musik bieten die aktuellen und von den bösartigen Wetterexzessen des Klimawandels jüngst schwer getroffenen VIER JAHRESZEITEN, ein ganz anderes, wahrhaft deprimierendes Bild – das eines sich schier endlos dahin ziehenden Wettermischmaschs bei stets aufgeheizten Temperaturen nämlich, das den einst so wunderbar abwechslungsreichen Jahreszeiten jegliche Kontur genommen hat und nichts als absolute meteorologische Tristesse hinterlässt.

    Immer wieder durchsetzt vom schauerlichen und penetrantem Getöse ekelhafter, überdrehter und völlig aus der Fassung geratener Unwetter, deren Kakofonie furchtbar in den Ohren schmerzt und einen dazu auch noch immer paranoider macht, weil man bald schon hinter jeder banalen Wolkenformation einen fürchterlichen Taifun aufzuziehen glaubt.

    Demzufolge ist es im Grunde jetzt auch völlig egal, ob man die brandaktuelle Version der VIER JAHRESZEITEN noch anhört oder nicht, wird man doch in deren entfärbten und trostlosen Landschaften keine anderen Wettererlebnisse mehr erfahren dürfen, als die, die man draußen in der Stadt oder auf dem Land ohnehin schon gemacht hat.

    Trotz allem aber hat die ganze kompositorische Misere (wirklich überraschender Weise) auch ihr Gutes. Denn mit dem plötzlichen Klimawandel, der jetzt die VIER JAHRESZEITEN praktisch zugrunde gerichtet hat, ist es doch nun auch auf eklatante und nicht mehr zu leugnende Art und Weise endgültig bewiesen, dass einzig der Mensch es ist, der diese Katastrophe wirklich zu verantworten hat.

    Denn natürlich haben nicht irgendwelche widerwärtigen Wetterkapriolen die Noten dieses einzigartigen Stücks urplötzlich durcheinandergewirbelt und ins strukturlose Chaos gestürzt, sondern ein Mensch, der Soloposaunist Simone Candotto persönlich, der sich wohl auf die ganz dreiste Tour ins Orchester des einst so idyllischen Werks hat einschleichen wollen, das bislang ausschließlich auf ein Streichorchester mit obligatorischen Cembalo setzte und nicht ganz ohne Grund jeglichen unnötigen Blechbläserradau zu vermeiden wusste.

    Doch seine unverfrorene Rücksichtslosigkeit Vivaldis Partitur gegenüber weiß der Posaunist geschickt zu verbrämen, indem er nun nassforsch in der Öffentlichkeit behauptet, er habe mit seiner sogenannten Komposition lediglich auf den Klimawandel aufmerksam machen wollen und damit wohl auch enorme Zivilcourage bewiesen.

    „Bei dem Projekt handelt es sich natürlich nicht um eine konkrete Maßnahme“, springt ihm der Uraufführungsdirigent Alan Gilbert bei, der diese exorbitante Klimakuddelmuddelmaßnahme mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester in Hamburg aus der vor Kitsch triefenden Taufe hob. Sie basiere „auf dem aufrichtigen (!) Wunsch, die Menschen draußen zu erreichen und dadurch etwas zu verändern“, lässt der Chefdirigent Gilbert in diesem Zusammenhang die schon vor der Aufführung fröstelnden Zuhörer wissen, die mit einem Mal offenbar ahnen , sich für das Konzert viel zu leicht angezogen zu haben.

    Mit diesem Betroffenheitsquatsch aber reiht sich der Stab Schwinger mehr als eitel in die nicht enden wollende Liste jener Promis ein, die sich partout nicht lumpen lassen, wenn es darum geht, sich bei jeder x-beliebigen Aktion gegen den Klimawandel in vorderster Front zu zeigen, dabei aber im Grunde nichts anderes bewirken als heiße Luft abzulassen. Ob diese aber dem Erdenklima nicht ebenso unzuträglich ist wie CO2 und Methan es sind, sei einfach einmal kühl in den Raum gestellt.

    Das Projekt „mag nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, um die Aufmerksamkeit für das Thema zu erhöhen“, räumt Gilbert geflissentlich ein, wobei er mit seiner blöden Metapher aufpassen sollte, nicht missverstanden zu werden, ist seine angebliche Maßnahme doch noch viel spärlicher als ein Tröpfchen auf ein heißes Steinchen. Zudem sollte sich der Dirigent insbesondere auch davor hüten, sich während des Wedelns durch die heiße Luft nicht unfreiwillig die Hände zu verbrennen.

    Der Irrsinn aber geht noch weiter, obwohl der Posaunist – zunächst durchaus nachvollziehbarerweise – schon vor seiner Komponiererei genau wissen wollte, was er da eigentlich mit den VIER JAHRESZEITEN anstellen sollte, wenn es darum ging, Vivaldis dreihundertjährigen Wetterzyklus auf den gegenwärtigen Klimastand hin zu trimmen. Also setzte sich der wetterbesessene Posaunist erst einmal mit der Berliner Musikagentur Klingklangklong zusammen, um gemeinsam mit dieser Klimatabellen und Temperaturkurven möglichst gründlich auszuwerten und „auf Auffälligkeiten hin“ zu untersuchen, wie er es dem ansonsten wenig sensationsgeilen Hamburger Konzertpublikum stolz wissen ließ. Und dabei sei ihm und Klingklangklong ein „deutlicher Anstieg der Höchsttemperaturen aufgefallen, eine wachsende Häufigkeit von Naturkatastrophen im Herbst und Winter und darüber hinaus auch ein bemerkenswerter Niedergang der Vogelpopulation.“

    Mein Gott, welch verblüffende Ergebnisse – KLINGKLANGKLONG! Aber es kommt noch besser, denn nach dem mühseligen Studium der Wetterstatistiken fragte sich der immer noch ziemlich ratlose Posaunist, der allerdings nicht mehr der Allerjüngste ist und den Klimawandel eigentlich am eigenen Leib hätte verspüren müssen, „wie er diese Veränderungen in der Partitur von Vivaldi eigentlich sichtbar machen könnte.“

    Mit seinem krummem Deutsch und der daher geschwätzten sichtbaren Musik aber spielt der dummdreiste Candotto unwillentlich auf das Phänomen der Synästhesie an, das eine wahrhaft fantastische Fähigkeit beschreibt, die nur wenigen Menschen eigen ist – die Musik-Farben-Synästhesie nämlich, die nichts anderes bedeutet, als dass solche Menschen beim Musikhören gleichzeitig auch Farben sehen, ob sie nun wollen oder nicht. Man kann sich nur wünschen, dass keiner der Farbenhörer unter den Zuhörern der Uraufführung war, der dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur braunbraun wie Scheiße gesehen hätte.

    Doch der Klimaposaunist gibt vor, dann doch den absolut seriösen Weg gegangen zu sein: „Bleiben wir vielleicht gleich bei der Vogelpopulation“, versucht er sich hilflos zu rechtfertigen: „In jedem Satz nutzt Vivaldi bestimmte Instrumente, um Tierstimmen zu imitieren. Er schreibt Triller in die Geigenstimmen. Da nun die Population der Vögel von Jahr zu Jahr weniger werden, haben wir uns dazu entschieden, die Trillerfiguren auch dementsprechend zu kürzen“ – welch meisterliche kompositorische Großtat!

    Aber damit nicht genug: „Da der Sommer heute viel früher beginnt als im Jahr der Uraufführung 1732“, erklärt Candotto hölzern, „ertönt auch das musikalische Thema des Sommers in unserer Version sehr viel früher. Die Jahreszeiten verschieben sich immer mehr, also überlagern sich auch die einzelnen musikalischen Themen immer mehr. Gleichzeitig sind die Höchsttemperaturen immer weiter gestiegen, also brauchten wir mehr Stimmen, also mehr Instrumente. Die Masse der Stimmgruppen wird üppiger, als Zeichen, dass es immer heißer wird. Die Jahreszeiten, die nach unseren Beobachtungen am meisten verändert werden mussten, war aber gar nicht der Sommer, sondern der Herbst und Winter.“ Und jetzt kommt’s: „In unserer Fassung besetzten wir deshalb einige Instrumentengruppen neu und haben für die Naturkatastrophen im Herbst und Winter Blechbläser hinzugefügt. Die Posaunen dienten schon früher der Gestaltung von katastrophalen Momenten. Sie sollen auf die Bedrohlichkeit der gegenwärtigen Situation aufmerksam machen.“

    Jawohl, Candotto hat recht: Sein bescheuertes Unterfangen ist wahrlich katastrophal. Als nächstes sollte sich der ingeniöse Posaunist bitte Beethovens Pastorale vornehmen. Denn jeder, der diese Symphonie nach den auf das aktuelle Klima hin zugeschnittenen VIER JAHRESZEITEN jetzt hören wird, wird wohl oder übel, sofort bemerken, wie verlogen das Wettergeschehen bei Beethoven in Wirklichkeit daherkommt.

    Deshalb sollte der ultimative Klimakomponist das Gewitter im vierten Satz der Pastorale möglichst gleich an den Anfang der Symphonie stellen, um so dem die tatsächlichen Klimaprobleme verharmlosenden „Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande“, die Beethoven sich erwünschte, sofort mit Entschiedenheit entgegenzuwirken. Schließlich ist und bleibt es die Aufgabe jedes engagierten Posaunisten der Gegenwart, den Zuhörern im Zeitalter von Fake News und Verschwörungstheorien wenigstens in der Musik keine falschen Töne vorzugaukeln

    Bis dahin aber sollte Candotto unverzüglich eine internationale Petition initiieren, die für ein weltweites Aufführungsverbot von Beethovens Übeltat eintritt. Sorgt diese mit ihrem geschönten und wahrlich nicht mehr haltbaren Wetterspuk beim Publikum doch nur noch für schlimme Schuldgefühle und vermittelt ein völlig falsches Bild von der Welt. Eine solche Aktion wäre wahrlich zivilcouragiert und darüber hinaus auch vor allem klimapolitisch korrekt.

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  • TEXTE
    ANTHROPOZÄN
    NEVEN'S LAW
    18. November 2019

    Den Eindruck, die Zeit rase und das immer schneller, teilen gegenwärtig viele Menschen: Die Ereignisse überschlagen sich! Man weiß schon gar nicht mehr, wo einem der Kopf steht! jammern sie allenthalben. Selbst jüngeren Menschen, die noch nicht an der fixen Idee der älteren leiden, mit den Jahren beschleunige sich die Zeit und laufe immer rascher auf das eigene Ende zu, scheint das ebenso zu ergehen, obwohl sie das Leben ja praktisch noch vor sich haben.

    Dies allerdings nur äußerst vage und völlig diffus, kann doch niemand in die Zukunft sehen. So bleibt das Zukünftige für den Menschen immer nur ein rein imaginärer Raum, der ihm unter Umständen aber auch unversehens zur Projektionsfläche seiner eigenen Befindlichkeiten werden kann und ihn dann entweder hoffnungsfroh oder hoffnungslos in die Zukunft blicken lassen.

    Beim Gedanken an vergangene Epochen hingegen erscheint die Zeit eher wie eine eiskalte Abfolge von Daten und Ereignissen – nachgerade gnadenlos in die Dinge eingemeißelt oder in ihnen eingefroren, für immer ihrer Flüchtigkeit beraubt.

    So scheinen der Zeit – zumindest in der menschlichen Vorstellung – zwei Aggregatzustände eigen. Denn im Zukünftigen wirkt sie flüchtig wie Gas und im Vergangenen fest wie Eis. Und nur im Gegenwärtigen scheint sie für Momente etwas von ihrem wahren Charakter preisgeben zu wollen – so beispielsweise beim Blick aufs Ziffernblatt der Bewegung des Sekundenzeigers folgend. Denn mit jeder Sekunde, die der Zeiger weiter vorrückt, ist die gerade vergangene bereits Vergangenheit, wohingegen die nächstfolgende noch die Zukunft repräsentiert. Allein im Moment des Zeigersprungs also scheint Gegenwart zu herrschen – im Augenblick einer rein abstrakten Zeigerbewegung, in dem sich – wenigstens einen Wimpernschlag lang – aber auch jene physikalischen Abgründe auftun, in deren mystischen Tiefen sich der ewig dahinströmende Zeitfluss vermuten lässt, der alles mit sich wegzuspülen scheint.

    In diesem Sinne erscheint die Zeit mit dem Phänomen des Unwiederbringlichen absolut identisch. Eine Tatsache, die den Menschen zuweilen in tiefe Verzweiflung stürzt, weiß er doch, dass er sterblich ist – auf Gedeih und Verderb dem Lauf der Dinge ausgeliefert, der nur eine Richtung kennt und jegliches Zurück unmöglich macht: Ein zerbrochenes Glas bleibt für immer zerbrochen.

    Und dennoch, auch im Gegenwärtigen, dem Fluss der Zeit unmittelbar ausgesetzt, weist das menschliche Zeitempfinden ganz offensichtlich so seine Tücken auf, denn im Grunde ist und bleibt es es höchst subjektiv: So dehnt sich die Zeit beim Warten zuweilen ins schier Unerträgliche, als stünde sie still, wohingegen sie in Momenten des Glücks scheinbar wie im Nu vergeht und schon verflogen ist, ohne dass man es überhaupt mitbekommen hätte.

    So nimmt es auch nicht weiter Wunder, wenn alle Welt dem Glück wie besinnungslos hinterher jagt, als könne man es einfangen, wenn man nur schnell genug ist. Denn der Mensch scheint süchtig nach jenen Momenten, die ihn vermeintlich der Zeit entheben und so leicht werden lassen wie eine Feder, vermeintlich verschmolzen mit den Dingen um ihn herum.

    Werd ich zum Augenblicke sagen:
    Verweile doch! du bist so schön!
    Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
    Dann will ich gern zugrunde gehen!

    Faust, in dessen Person das Menschliche in all seinen Facetten zum Vorschein kommt, würde Goethe zufolge sogar sein Leben für einen solchen Moment hingeben, wie er Mephisto gegenüber behauptet.

    Doch der Schein trügt: Denn obgleich das menschliche Zeitgefühl eine überaus relative Angelegenheit ist, so ist es die Zeit selbst auch. Denn entgegen aller Erwartung fließt sie beileibe nicht so gleichmäßig und linear dahin, wie man vermuten könnte, obwohl sich Einsteins Erkenntnis mittlerweile eigentlich herumgesprochen haben dürfte.

    Doch die Relativität der Zeit scheint das menschliche Vorstellungsvermögen bei weitem zu übersteigen, da sich diese Mikroprozesse seiner Empfindungs- und Wahrnehmungsfähigkeit völlig entziehen und lediglich mithilfe von Präzisionsmessungen tatsächlich zu erfassen sind: So verrinnt die Zeit oben auf den Bergen etwas schneller als unten im Tal, weil starke Gravitationsfelder (wie die Erde zum Beispiel) den Zeitpfeil durch ihre Anziehungskräfte umlenken oder gar abbremsen, wenn dieser in deren Nähe und Wirkungsbereich gelangt. Körper (wie beispielsweise Satelliten) hingegen, die mit ungeheurem Tempo dahinrasen, lassen die Zeit auf diesen verwirrender Weise langsamer vergehen. Denn je schneller sich ein Objekt im Raum bewegt, desto träger läuft die Zeit dort auch ab.

    Mit diesen vielfältigen Interaktionen und Abhängigkeiten aber hat die Zeit ihre Absolutheit, die ihr im 17. Jahrhundert von Newton zugesprochen wurde, und die über Jahrhunderte ein fester Baustein der theoretischen Physik gewesen war, Einsteins Relativitätstheorie zufolge verloren, obwohl Newton felsenfest davon überzeugt war, ihr Geheimnis schlussendlich gelüftet zu haben: „Die absolute, wahre und mathematische Zeit fließt an sich und ihrer Natur nach gleichmäßig, ohne Beziehung auf äußere Gegenstände“, erklärte er. Und eine solche Absolutheit gelte auch für den Raum, der vermöge seiner Natur und ohne Beziehung auf einen äußeren Gegenstand stets gleich und unbeweglich bleibe.

    Diese Sichtweise aber hat sich seit Einstein grundlegend gewandelt, sind Raum und Zeit diesem zufolge doch nicht zwei voneinander völlig unabhängige physikalische Größen, sondern vielmehr funktional in der Raumzeit ineinander verschränkt, die neben ihren drei räumlichen Dimensionen die Zeit als vierte zur Seite hat. So gäbe es Einstein zufolge auch keine absolute Zeit, denn in verschiedenen physikalischen Bezugssystemen, wie sie beispielsweise starke Gravitationsfelder darstellen, vergehe sie unterschiedlich schnell.

    Doch solche Gesetzmäßigkeiten scheinen nicht nur für die Bezugssysteme der reinen Physik zu gelten, sondern irritierenderweise auch für diejenigen der digitalen Technologie. Das wenigstens behauptete der Halbleiter-Pionier Gordon Moore in einem Artikel, den er am 19. April 1965 in der Zeitschrift Electronics publizierte. Darin stellte er die These auf, dass sich die Anzahl an Transistoren, die in einen Schaltkreis festgelegter Größe passen würden, sich in der Zukunft etwa alle zwei Jahre verdoppele. Mit dieser Annahme hatte Moore den Nagel ganz offensichtlich auf den Kopf getroffen, da sich dessen Vorhersage im Verlauf der folgenden 50 Jahre tatsächlich bewahrheiten und bald auch als Mooresches Gesetz die Runde machen sollte, wobei es wenig später dann auch für die Prozessorleistung von Computern galt.

    Mit dieser Tatsache aber scheint für die Dynamik der Zeit ein völlig neues Bezugssystem in die Welt gekommen, das in erster Linie nicht auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten beruht, sondern eklatanterweise zunächst auf nichts anderem, als auf rein zivilisatorischen Errungenschaften. Und dennoch scheint auch dieses Bezugssystem, das den Entwicklungsprozess der digitalen Technologie repräsentiert, den Zeitablauf zu beeinflussen und ihn als digitale Revolution derart voranzutreiben, dass dieser die im normalen und alltäglichen Leben herrschende Zeit längst überholt und hinter sich gelassen hat. Was also bleibt den Menschen da anderes übrig, als seinen eigenen Errungenschaften besinnungslos hinterher zu hetzen?

    Die exorbitante Rasanz, die der digitalen Technologie innewohnt, lässt sich am besten an einigen wenigen drastischen Beispielen vor Augen führen: So besitzt heutzutage ein ganz normales Smartphone eine 120 Millionen Mal höhere Rechenleistung als sie der NASA-Steuercomputer des Apollo-Mondlandungsprogramms vor 50 Jahren hatte. Und noch 1994 wäre das iPad 2 einer der schnellsten Supercomputer der Welt gewesen, denn gegenwärtig passen schon bis zu 4000 Transistoren auf die Breite eines menschlichen Haares und sind so viermal kleiner als ein Influenzavirus.

    Diese atemberaubende Geschwindigkeit aber halte sich nicht mehr lange, orakelt der Fraunhofer-Experte Michael Bollerott, scheint aber nicht mitzubekommen, dass die Konzerne die Entwicklungsgeschwindigkeit von Computerchips mit neuen Aufbau- und Verbindungsmethoden eher noch steigern, da diese die mittlerweile in der Horizontalen ausgereizten Chip-Bauflächen jetzt auch in die Höhe treiben und die Transistoren einfach vertikal stapeln – ein Prinzip, das beispielsweise bei der Entwicklung von Toshibas 3D-Varianten nun auch Anwendung findet. Man könne sich den Bau solcher Chips wie bei einer Stadt vorstellen, die immer dichter besiedelt würde, meint Axel Störmann, der sich bei Toshiba vor allem mit Flash-Speichern beschäftigt. Irgendwann seien eben alle Bauflächen ausgenutzt, da ginge es nur in die Höhe weiter. So entstünden dann Hochhäuser und Wolkenkratzer – was soll’s!

    Demgemäß scheint die atemberaubende Geschwindigkeit der Zeit im Bezugssystem der digitalen Technologie trotz der Unkenrufe Störmanns absolut stabil zu bleiben und weiterhin exponentiell zu verlaufen. Das aber überrascht nicht, da der Zeitverlauf in einem derartigen System physikalisch vorgegeben ist und vom Menschen praktisch nicht zu beeinflussen oder gar aufzuhalten ist. Deshalb bleibt diesem auch nichts anderes übrig, als klein beizugeben und dennoch stoisch zu behaupten, bei der Entwicklung dieser Technologie lediglich das wirklich Machbare Schritt für Schritt voranzutreiben.

    In Wirklichkeit aber wird dem Menschen im Verlauf seiner vermeintlichen Forschungsaktivität praktisch jeder Schritt von der digitalen Maschine und den Prinzipien ihrer Technologie diktiert. Wobei diese ihm den jeweils nächsten nicht nur nahelegen, sondern nachgerade zwingend aufoktroyieren. Gefangen im Kanon einer mechanischen Entwicklungslogik, der die präformierten Konstruktionsmechanismen, die sich aus dem spezifischen Charakter der Maschine ergeben, lediglich ausführt, wobei ihm die Zeit um die Ohren fliegt.

    Jetzt aber drängt mit einem Mal eine vermeintlich völlig neuartige Technologie in die Welt, die das Digitale wohl bald in den Schatten stellen wird – die Technologie des Quantencomputers nämlich, die dieser Tage weltweit für Furore sorgte.

    Schuld daran ist eine Mitteilung von Google, in der es lapidar heißt: „Ein von Google entwickelter Chip, Sycamore genannt, konnte in 200 Sekunden eine Berechnung durchführen, für die der schnellste Supercomputer der Welt 10 000 Jahre gebraucht hätte." Deshalb sprechen die Forscher in ihrem Paper, das im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht wurde, wohl auch von einem Meilenstein, da hiermit auch die Ära der Quantenüberlegenheit eingeläutet worden wäre, die ihr gemäß dann eingetreten sei, wenn ein Quantencomputer eine Aufgabe schneller als ein herkömmlicher Computer, der auf Digitaltechnik basiere, gelöst habe. Selbst der gegenwärtig beste Superrechner dieser Art, der Summit des Oak Ridge Labaratory in den USA, hätte bei diesem Tempo nicht mitgehalten und wäre schnell in die Knie gegangen. „Es ist der Hello world-Moment, auf den wir gewartet haben“, schreibt Googles CEO Sundar Pichai.

    Der von Googles Artificial Intelligence Quantum Team entwickelte Prozessor beruht also auf den Gesetzmäßigkeiten der Quantenmechanik, die mit denen der klassischen Physik nicht viel gemein haben und selbst Quantenphysiker manchmal ins Schwitzen bringen. So rechnet dieser nicht mit traditionellen Bits, die entweder den Wert von 1 oder 0 annehmen können, sondern mit Qubits, die dank dem quantenphysikalischen Phänomen der Superimposition, das die Überlagerung gleicher physikalischer Größen möglich macht, jeden Wert zwischen 1 und 0 annehmen können, was zu einer schier unvorstellbaren Steigerung der Rechenkapazität führt.

    Darüber hinaus ist jeder einzelne Qubit mit allen anderen verschränkt, was letztlich bedeutet, dass alle Qubits nicht nur absolut identisch und synchron operieren, sondern darüber hinaus auch alle Rechenoperationen nicht nacheinander, sondern parallel durchführen, womit sich die Rechenkapazität noch einmal ins Unermessliche steigert. Mit den 53 Qubits von Sycamore, die an der Berechnung beteiligt waren, wurde demzufolge eine parallele Darstellung von 2 hoch 53 Zuständen erreicht. Dies aber bedeutet noch lange nicht das Ende, denn schon 300 Qubits würden bereits mehr Zustände verkörpern, als es Atome im Universum gibt.

    Die Forscherinnen und Forscher ließen den Chip von Sycamore mit seinen 53 Qubits zufällig ausgewählte Algorithmen ausführen, deren Berechnung selbst auf Googles gigantischen Servern 50 Billionen Stunden gedauert hätte, wiederholten diese Sequenz dann millionenfach, und zeichneten währenddessen alle Ergebnisse auf. Zum Vergleich wurden die Ergebnisse mit einem herkömmlichen Supercomputer berechnet. Wie Google-Mitarbeiter in einem Video berichten, sei man irgendwann aber rasch an den Punkt gelangt, an dem die Supercomputer nicht mehr nachkamen.

    In diesem Sinne repräsentiert die Technologie des Quantencomputers das praktisch unvorstellbare Potenzial eines Bezugssystems, das die Zeit, die in dessen Wirkungsbereich gelangt – im Vergleich zum ohnehin schon exponentiell beschleunigten Zeitverlauf der digitalen Technologie – noch einmal exponentiell beschleunigt und damit deren Geschwindigkeit – zumindest in Teilbereichen des menschlichen Lebens – ins Schwindelerregende steigert.

    Dieses aberwitzige Phänomen wird vom Neven'sche Gesetz beschrieben. Es verdankt sich Hartmut Neven, dem Direktor von Quantum Artificial lab und besagt, dass sich Quantencomputer im Vergleich zu klassischen Computern künftig mit einer doppelt exponentiellen Geschwindigkeit an Rechenleistung entwickeln werden. Eine Absurdität, ist ein solcher Wachstumsprozess in der realen Welt doch nicht zu finden, was Bände spricht. Erst „sieht es so aus, als ob nichts passiert, gar nichts, und dann hoppla, plötzlich bist du in einer anderen Welt“ schwärmt Neven, der für das Projekt Sycamore federführend verantwortlich war.

    In einer anderen Welt? – Das wäre wohl wahrlich eine zu viel, wenn man allein an die unsere denkt, in der ohnehin schon alles so schnell vonstatten geht, dass keiner mehr mitzukommen scheint.

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  • MIERDA
    MIERDA
    VERÄPPELT!
    19. Oktober 2019

    Neulich machte eine Nachricht die Runde, die sprachlos macht. Zeigt sie doch auf besonders drastische Art und Weise, wie es wirklich um die instrumentale Mentalität der global agierenden Großkonzerne bestellt ist. So ist APPLE zwar ein amerikanischer Konzern, der im kalifornischen Cupertino seinen Sitz hat, das aber leider noch lange nicht heißt, dass dieser Megakonzern damit auch automatisch mit der Demokratie des Landes konform ginge und demgemäß agieren würde.

    So bekundet Apple nach außen hin zwar immer wieder, sich, zumindest in seiner Domäne, für ein transparenteres Internet einzusetzen – die sich ausbreitende Internetsucht sei wirklich eine Schande, wobei der Konzern auch nicht davor zurückscheut, dem Affen Political Correctness Zucker zu geben und für die Entwicklung neuer Emojis einzutreten, die Behinderte im Rollstuhl zeigen, als ob diese nicht weinen oder lachen könnten.

    Doch im Inneren des Konzerns scheint man von all dem nicht allzu viel wissen zu wollen und verfolgt offensichtlich eine ganz andere Strategie – und die heißt: Umsatz um jeden Preis. Mit dieser Ausverkauf-Devise scheint Apple mit allen Mitteln gegen den drohenden Imageverlust ankämpfen zu wollen, um weiterhin florierende Geschäfte machen zu können. Denn wirklich Neues hat der Konzern seit Jahren kaum mehr zu bieten, grundlegende innovative Ideen scheinen ihm auszugehen. Aber auch der ehemalige Absahner des Megakonzerns schwächelt – die Technologie des einst so erfolgreichen iPhones scheint völlig ausgelutscht. Steve Jobs, der Vater von Apple, der den Konzern mit seinen exorbitanten Erfindungen prägte und ihm damit seine vormals so schillernde Gestalt gab, ist schon eine Weile tot. Und ein frischer, ultrakreativer Kopf, der sein Erbe kühn weiterzuführen wüsste, bislang nicht in Sicht – APPLES Aura bröckelt.

    Also lebt der Konzern von dem, was er mehr oder weniger schon immer auf der Palette hatte. Was bleibt ihm sonst auch anderes übrig? Dabei ist APPLE gegenwärtig zu 20 Prozent seines Gesamtumsatzes von der Volksrepublik China abhängig. Und auf dieses Standbein will oder kann der Konzern offenbar unter keinen Umständen verzichten.

    Denn jetzt ist APPLE vor dem chinesischen Staatsapparat kurzerhand in die Knie gegangen und hat auf dessen harsches Drängen hin, die an sich relativ harmlose Verkehrsapp hkmap.live aus seinem Angebot entfernt. Da diese mobile Verkehrsanwendung aber auch die Bewegungen der Polizei dokumentiert hatte und deshalb von den Protestlern in Hongkong während deren Demonstrationen dazu benutzt worden war, ihre Aktionen und Bewegungen in der Stadt dementsprechend auszurichten, geriet APPLE rasch in den Fokus des chinesischen Regimes. APPLE hätte so die Aufständischen schamlos unterstützt und es ihnen so leichter gemacht, ihre gewalttätigen Aktionen durchzuführen, beklagte die Staats-Zeitung der Kommunistischen Partei aufgebracht. Man habe „Grund zu der Annahme, dass APPLE das Geschäft mit Politik und sogar illegalen Handlungen vermischt. Über die Konsequenzen seiner unklugen und rücksichtslosen Entscheidung“ müsse der Konzern nachdenken (Subtext: wisse er ja Bescheid), drohte das Parteiorgan. Das ließ sich APPLE offenbar nicht zweimal sagen und löschte die Anwendung umgehend aus seinem App Store Wer will sich schon seine Geschäfte verderben lassen? Diktatur hin, Diktatur her!

    Damit aber nicht genug: Denn schon vor zwei Jahren beugte sich APPLE der chinesischen Diktatur und entfernte auf deren Drohungen hin zahlreiche sogenannte VPN-Programme aus seinem Programm, mit deren Hilfe die ultrastrengen Internetsperren des Landes zu umgehen waren. Selbst die App der New York Times ließ APPLE schon in der Versenkung verschwinden und strich die Zeitung in seinem chinesischen Internetauftritt, weil der Staat es so wollte.

    In Wahrheit scheint APPLE mit dem demokratischen Rechtssystem nicht viel am Hut zu haben. Offenbar steht die Meinungsfreiheit für den Konzern zur Disposition. Im Gegensatz zum Prinzip der Gewinnmaximierung scheint APPLE von dieser nicht so viel zu halten. Stattdessen arbeitet das Unternehmen der gnadenlosen Zensur der chinesischen Diktatur kleinmütig zu, während es sich im Westen als liberal und aufgeschlossen präsentiert.

    Dem Kapitalismus aber sind solche Schlenker egal. Moralische oder gar ethische Kategorien sind ihm nun wirklich fremd. Und offenbar ebenso das politische System, mit dem er kooperiert, solange nur der Umsatz stimmt.

    Und damit operiert die chinesische Diktatur, die APPLE nun wahrlich nicht hängen lässt. So profitiert der Konzern gewaltig von den niedrigen Löhnen des Landes, in dem die Sonne nie untergeht, der dort allein im vergangenen Jahr 220 Millionen seiner iPhones und viele andere seiner Geräte produzieren ließ. Nicht zu vergessen, dass Foxconn, der einer der Vertragspartner von APPLE ist, zu den größten Arbeitgebern Chinas zählt.

    Im Grunde aber erscheinen APPLES chinesische Aktivitäten – so dumm es auch klingt – hinsichtlich ihrer menschenverachtenden Aspekte durchaus plausibel. Stehen sich Diktatur und Kapitalismus im Grunde doch wesentlich näher, als das zwischen Kapitalismus und Demokratie der Fall ist: Denn während diese all ihre Karten auf den Menschen setzt und ihn zum Volkssouverän erhebt, halten Kapitalismus und Diktatur nicht viel von diesem – es sei denn, er ist Konsument und funktioniert. Wie überhaupt der Konsum das einzige Phänomen zu sein scheint, das die Gesellschaften noch einigermaßen zusammenhält.

    So scheint auch Tim Cook, der gegenwärtige Chef von APPLE, genau der richtige Mann für das Unternehmen und vor allem für die Situation, in der es sich befindet, zu sein. Cook ist es nämlich gelungen, einen direkten Draht zum gegenwärtigen Präsidenten der USA Donald Trump herzustellen, ohne damit seine eigene multinationale Belegschaft oder gar die Kunden des Unternehmens zu vergraulen, die diesen Präsidenten verachten. Immer diskret im Hintergrund scheint Cook – den Trump schon mal Tim Apple nannte – stets das Optimale für seinen Konzern herauszuholen. So war es auch er, der Trump dazu überredete, zumindest das Weihnachtsgeschäft der Branche von den Strafzöllen gegen China zu verschonen.

    Hauptsache der Umsatz stimmt!

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